Subnautica 2: Gericht ordnet Wiedereinsetzung von Studio-Chef an – Krafton handelte ohne rechtmäßigen Grund
Die Geschichte hinter Subnautica 2 ist längst mehr als die Entwicklung eines Spiels – sie ist ein veritabler Unternehmensstreit, der nun eine wegweisende Wendung genommen hat. Ein Gericht in Delaware hat entschieden, und das Urteil fällt für Krafton alles andere als schmeichelhaft aus. Worum es dabei wirklich geht, reicht weit tiefer als bloße Personalfragen.
Das Urteil und was es bedeutet
Der Delaware Chancery Court hat die Kündigung von Ted Gill, dem Vorstandsvorsitzenden von Unknown Worlds, sowie der Mitgründer Charlie Cleveland und Max McGuire für unrechtmäßig erklärt. Vizekanzlerin Lori W. Will stellte unmissverständlich fest, dass Krafton das Beschäftigungsabkommen gebrochen habe, indem die Schlüsselmitarbeiter ohne rechtmäßigen Grund entlassen und die operative Kontrolle über das Studio widerrechtlich übernommen wurde. Gill wird nicht nur wiedereingesetzt – er erhält auch die Entscheidungsgewalt über den Early-Access-Launch von Subnautica 2 zurück, und Krafton ist gerichtlich daran gehindert, ihn erneut zu entlassen. Zusätzlich sind alle drei Mitgründer wieder berechtigt, die im Zuge der Übernahme von Unknown Worlds vertraglich zugesicherte Bonuszahlung von bis zu rund 230 Millionen Euro einzufordern. Die Frist zur Einlösung dieser Zahlung wurde bis zum 15. September verlängert.
Die eigentlichen Hintergründe: Geld, Machtkalkül und ChatGPT
Was auf den ersten Blick wie ein Streit um die Spielreife eines Titels wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als knallhartes finanzielles Kalkül. Laut Gerichtsdokumenten ließ sich Krafton-Chef Changhan Kim bei der Übernahme von Unknown Worlds auf eine sogenannte Gewinnbeteiligungsformel ein, die bei Überschreitung einer Umsatzschwelle von rund 64 Millionen Euro für jeden weiteren Euro annähernd 2,87 Euro an Bonuszahlung auslöst – bis zur Obergrenze von 230 Millionen Euro. Als frühe Projektionen zeigten, dass ein Early-Access-Launch bis Ende 2025 zu einer Gesamtauszahlung von bis zu rund 162 Millionen Euro führen könnte, soll Kim befürchtet haben, als zu nachgiebig zu gelten. Es folgte ein intern als „Project X“ bezeichnetes Vorhaben, die drei Gründer loszuwerden. Das Gericht stufte die nachträglich konstruierten Begründungen – darunter angebliche Vernachlässigung ihrer Aufgaben und das Herunterladen vertraulicher Daten – als vorgeschoben ein. Zur Untermauerung dieser Einschätzung trug auch ein bizarres Detail bei: Krafton hatte für seine Strategie auch ChatGPT konsultiert, das dem Unternehmen offenbar riet, die Bonuszahlung werde sich nur schwer verhindern lassen.
Wie es mit Subnautica 2 weitergeht
Krafton erklärte in einer Stellungnahme, das Urteil respektvoll abzulehnen und die eigenen Optionen zu prüfen, bekräftigte aber gleichzeitig den Fokus auf eine baldige Early-Access-Veröffentlichung. Das Verfahren ist mit Phase eins noch nicht abgeschlossen – Schadenersatzforderungen und die endgültige Klärung der Bonusansprüche stehen noch aus. Subnautica 2 ist weiterhin für 2026 auf Xbox Series X|S und PC geplant und wird ab dem ersten Tag im Game Pass verfügbar sein. Ob der wiedereingesetzte Ted Gill nun tatsächlich die Kontrolle über den Launch zurückerhält und wie Krafton auf das Urteil reagiert, bleibt abzuwarten – die Unterwasserwelt von Subnautica 2 ist längst nicht der einzige tiefe Abgrund in dieser Geschichte.


