Stundensatz greift zu kurz: Warum ANÜ im ersten Projektjahr wirtschaftlicher sein kann als Direktanstellung
Modellrechnung im SALT AND PEPPER ANÜ-Report zeigt: Entscheidend sind Vakanzzeiten, Ramp-up und Projektrisiken – nicht allein direkte Personalkosten
Bremen, 06.05.2026 (PresseBox) - Viele Unternehmen bewerten Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ) im Engineering- und IT-Umfeld vor allem über Stundensätze. Dadurch entsteht häufig der Eindruck, ANÜ sei im Vergleich zur Direktanstellung die teurere Lösung. Eine aktuelle Modellrechnung im SALT AND PEPPER ANÜ-Report zeigt jedoch: Diese Betrachtung greift zu kurz. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit ist nicht allein, was eine Ressource kostet – sondern wie schnell sie produktiv wird und welche Projektkosten durch Verzögerungen, Vakanzen oder Fehlbesetzungen entstehen.
Laut Report empfinden rund 42 % der befragten Unternehmen ANÜ im Vergleich zur Direktanstellung als teurer. Gleichzeitig zeigt die Analyse: Werden nur direkte Jahreskosten verglichen, wirkt diese Einschätzung zunächst plausibel. In einer modellhaften Betrachtung für eine Senior-Engineering- oder IT-Rolle liegen die direkten Kosten einer Direktanstellung bei rund 118.000 Euro pro Jahr, während ANÜ zunächst mit rund 128.000 bis 136.000 Euro angesetzt wird.
Wird die Rechnung jedoch um realistische Projektfaktoren erweitert – darunter Vakanzzeiten, Ramp-up-Phasen, Recruiting und Risikokosten –, verändert sich das Bild deutlich. In der integrierten Effektivkostenrechnung des Reports entstehen im ersten Jahr rund 138.000 Euro bei Direktanstellung gegenüber rund 102.000 Euro bei ANÜ. Der mögliche wirtschaftliche Vorteil beträgt damit im Modell rund 36.000 Euro.
Time-to-Value statt Stundensatz
„Wer nur Stundensätze vergleicht, misst nicht die Wirtschaftlichkeit eines Projekts“, sagt Markus Wolfgramm, Geschäftsführer bei SALT AND PEPPER Technology. „Entscheidend ist, wann produktive Leistung entsteht. Gerade in Engineering- und IT-Projekten können unbesetzte Wochen, lange Einarbeitung oder Fehlbesetzungen teurer sein als ein vermeintlicher Aufschlag im Stundensatz.“
Der Report macht deutlich: In technischen Projekten entstehen Kosten nicht nur durch Vergütung oder Honorare, sondern auch durch Zeitverlust. Wenn kritische Rollen nicht besetzt sind, verzögern sich Projektstarts, Meilensteine werden verschoben und bestehende Teams müssen zusätzliche Last auffangen. Die klassische Gegenüberstellung von Jahresgehalt und Stundensatz bildet diese Effekte nur unzureichend ab.
ANÜ kann in solchen Situationen wirtschaftlich wirksam sein, weil verfügbare Expertise schneller integriert werden kann. Dadurch verkürzen sich Vakanzzeiten, Ramp-up-Phasen und die Zeit bis zur produktiven Wertschöpfung. Gleichzeitig bleiben Unternehmen flexibel, wenn Rollen projektbezogen, zeitlich begrenzt oder schwer langfristig planbar sind.
Wirtschaftlichkeit hängt vom Zeithorizont ab
Der SALT AND PEPPER ANÜ-Report zeigt jedoch auch: ANÜ ist nicht pauschal die günstigere Vertragsform. Der wirtschaftliche Nutzen hängt wesentlich vom Zeithorizont, der strategischen Bedeutung der Rolle und der Planbarkeit der Auslastung ab.
Kurzfristig – etwa in einem Zeitraum von bis zu 18 Monaten – kann ANÜ im Vorteil sein, wenn Projekte schnell starten müssen, Risiken reduziert werden sollen und sofort verfügbare Expertise entscheidend ist. Mittelfristig, über zwei bis drei Jahre, nähern sich die Kostenmodelle an. Langfristig kann Direktanstellung wirtschaftlicher sein, sofern die Rolle dauerhaft benötigt wird und eine stabile Auslastung gegeben ist.
„Die richtige Frage lautet nicht: Welche Vertragsform ist günstiger?“, so Wolfgramm. „Die richtige Frage lautet: Welche Vertragsform erzeugt in der konkreten Projektsituation am schnellsten und stabilsten Wertschöpfung? Genau hier müssen Unternehmen differenzierter rechnen.“
Projektökonomie statt Einkaufslogik
Für Unternehmen im Engineering- und IT-Umfeld wird die Kostenbewertung damit zu einer strategischen Steuerungsaufgabe. Besonders in technologiegetriebenen Projekten mit hoher Spezialisierung und engen Zeitfenstern kann eine rein einkaufsgetriebene Betrachtung in die Irre führen. Niedrigere direkte Kosten bedeuten nicht automatisch geringere Gesamtkosten.
Der Report zeigt: Wer ANÜ, Direktanstellung und andere externe Einsatzmodelle wirtschaftlich bewerten will, muss neben Personalkosten auch Projektgeschwindigkeit, Verfügbarkeit, Einarbeitungsaufwand, Auslastung und Risikofaktoren berücksichtigen. Erst diese integrierte Sicht zeigt, welches Modell in welcher Phase tatsächlich sinnvoll ist.
Damit knüpft das Kostenmodell an eine zentrale Erkenntnis des ANÜ-Reports an: Arbeitnehmerüberlassung ist nicht nur ein operatives Instrument zur kurzfristigen Kapazitätssicherung. Richtig eingesetzt, kann sie ein strategischer Hebel sein – insbesondere dort, wo Time-to-Value, Planbarkeit und schnelle Verfügbarkeit von Expertise über den Projekterfolg entscheiden.
Vollständige Ergebnisse
Die vollständige Studie mit vertiefenden Daten und Praxisimpulsen steht hier zum Download bereit:
https://salt-and-pepper.eu/research/anue-report-2025/
Über die Studie
Im Rahmen seines ANÜ-Reports hat der Engineering- und IT-Dienstleister SALT AND PEPPER untersucht, wie Arbeitnehmerüberlassung heute genutzt wird, welche Barrieren bestehen und welche strategischen Potenziale insbesondere im Engineering- und IT-Umfeld bislang ungenutzt bleiben.
Die Datengrundlage bilden Online-Umfragen der Civey GmbH, die im Auftrag von SALT AND PEPPER durchgeführt wurden. Insgesamt wurden 1.000 Antworten von Erwerbstätigen erhoben, die sich beruflich mit dem Thema Arbeitnehmerüberlassung beschäftigen, sowie 250 Antworten von Erwerbstätigen im Bereich IT, Entwicklung und Forschung, die beruflich Personalentscheidungen treffen und in einem Büro arbeiten.


