Stellantis trotzt Herausforderungen in Nordamerika - Aktie unter Druck
Stellantis, der Automobilgigant, begrüßt eine erfreuliche Erholung auf dem nordamerikanischen Markt, muss jedoch im zweiten Halbjahr mit erhöhten Sonderkosten rechnen. Diese ergeben sich aus notwendigen Anpassungen der strategischen Ausrichtung und Modifikationen in den Modellplänen, wie der Konzern am Donnerstag in Amsterdam mitteilte. Der Umsatz des vielseitigen Markenportfolios, zu dem unter anderem Fiat, Chrysler, Peugeot, Jeep und Alfa Romeo gehören, stieg im dritten Quartal um 13 Prozent auf 37,2 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Dies entsprach weitgehend den Prognosen der Experten. Die Aussicht auf erhebliche Sonderbelastungen auf der anderen Seite verunsicherte die Anleger, was zu einer deutlichen Wertminderung der Aktie führte.
In Paris sank der Kurs um vier Prozent auf 9,31 Euro, was eine erneute Unterbrechung der Erholung darstellt, die in den letzten Wochen nach dem September-Tief zu verzeichnen war. Seit April kämpft der Kurs darum, die symbolträchtige Grenze von 10 Euro zu überwinden, nachdem er von einem Hoch von über 27 Euro im Frühjahr 2024 abgestürzt war. Diese Kursverluste sind auf die Herausforderungen im US-Markt zurückzuführen.
Der Jefferies-Analyst Philippe Houchois zeigte sich wenig überrascht über die Ankündigung der Kosten für strategische Anpassungen, aber die ebenfalls angekündigten Änderungen bei der Berechnung von Gewährleistungsrisiken stießen bei ihm auf Besorgnis. Verkaufszahlen, einschließlich nicht kontrollierter Joint Ventures, stiegen im dritten Quartal um 14 Prozent auf 1,33 Millionen Fahrzeuge. Besonders erfreulich ist das starke Wachstum im lange problematischen nordamerikanischen Markt, wo sich der Absatz um ein Drittel erhöhte.
Stellantis hatte in den USA traditionell mit großen Pick-ups und SUVs erhebliche Gewinne erzielt, geriet jedoch in Schwierigkeiten, was den Abbau hoher Fahrzeugbestände bei den Händlern notwendig machte. Diese Krise führte unter anderem zum Sturz des ehemaligen CEO Carlos Tavares. Jüngste Erholungszeichen sind jedoch erkennbar, mit positiven Entwicklungen in Europa sowohl bei Verkäufen als auch beim Umsatz.
Der neue Konzernleiter Antonio Filosa bekräftigte den finanziellen Ausblick des Unternehmens. Für das zweite Halbjahr wird ein Umsatzwachstum erwartet, während die um Sonderkosten bereinigte operative Gewinnmarge im niedrigen einstelligen Bereich bleiben dürfte. Die angekündigten Sonderausgaben resultieren auch aus aufsichtsrechtlichen und geopolitischen Entwicklungen und sollen aus dem bereinigten operativen Ergebnis weitgehend herausgenommen werden. Zudem wird Stellantis die Prozesse zur Bewertung von Gewährleistungskosten überprüfen, was ebenfalls zu Einmalkosten führen könnte. Gewinnkennzahlen für das dritte Quartal werden wie gewohnt nicht veröffentlicht, sondern sind erst mit der Halbjahresbilanz zu erwarten.

