Standard Chartered warnt vor möglichen Bitcoin-Rückgängen – Drei entscheidende Faktoren im Fokus

Geoff Kendrick, Leiter der Digital-Asset-Forschung bei Standard Chartered, hat drei Szenarien skizziert, die Bitcoin zu einem neuen Markttief führen könnten. Diese Analyse kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Bitcoin bei etwa $62.562 gehandelt wird, dem niedrigsten Stand seit den Tiefs im Februar. Gleichzeitig erreichen die Abflüsse aus Bitcoin-ETFs historische Höchststände.
Die Analyse von Standard Chartered erfolgt inmitten einer Reihe belastender Daten für den Kryptomarkt. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in der Woche bis zum 29. Mai Abflüsse in Höhe von $1,42 Milliarden – das drittschlechteste wöchentliche Ergebnis in der Geschichte. In den drei Wochen zuvor summierten sich die Abflüsse auf über $4,21 Milliarden.
Gleichzeitig ist Bitcoin an die untere Grenze des Power-Law-Korridors gefallen, einem langfristigen Bewertungsmodell, das den Preis im Verhältnis zur Zeit auf einer logarithmischen Skala darstellt. Der Power Law Oszillator fiel auf 4,4 %, was bedeutet, dass Bitcoin günstiger bewertet ist als 95,6 % der historischen Werte im Vergleich zu seinem langfristigen Trend.
Die drei Bedingungen für den Bitcoin-Preis
Laut der Analyse von Kendrick gibt es drei entscheidende Faktoren, die Bitcoin zu einem neuen Markttief führen könnten. Der erste Faktor ist, ob die Abflüsse aus ETFs über das aktuelle Niveau hinaus weiter zunehmen, was die institutionelle Nachfrage, die seit Januar 2024 die Hauptstütze für Bitcoin war, schwächen würde.
Der zweite Faktor betrifft die Sitzungen der US-Notenbank im Juni und Juli. Sollte es zu einer überraschend restriktiven Geldpolitik kommen und die Zinsprognosen keine Zinssenkungen signalisieren, würde ein wichtiger Rückenwind für den Markt entfallen. Der dritte Faktor ist, ob die Bitcoin-Dominanz – derzeit über 60 % – unter den Bereich von 52–54 % fällt. Dies würde historisch gesehen auf einen breiten Ausverkauf im Kryptomarkt hindeuten, anstatt auf eine spezifische Rotation innerhalb von Bitcoin.
Das konträre Signal in der Warnung
Kendricks Analyse ist keine einfache Bärenprognose, sondern eine Risikobewertung. Er bleibt optimistisch hinsichtlich der Bitcoin-Entwicklung bis zum Jahresende. Kendrick äußerte gegenüber Kunden: **"I think when we look back at the end of 2026 with BTC at $100k and ETH at $4k we will say this was the buying zone we all wanted."** Das Jahresendziel der Bank für Bitcoin liegt weiterhin bei $100.000, was eine Erholung von 60 % gegenüber den aktuellen Preisen erfordern würde.
Die Beobachtung, dass Bitcoin nahe seinem 200-Wochen-Durchschnitt handelt, ist zentral für die Einschätzung von Standard Chartered. Frühere Bärenmärkte endeten um diesen Durchschnitt, was Kendrick in seiner Ansicht bestärkt, dass der Markt näher an einem Tiefpunkt als an einem weiteren Rückgang sein könnte.
Diese Entwicklung markiert einen kritischen Punkt für Bitcoin im aktuellen Zyklus. Das dreifache Bedingungsmodell von Standard Chartered bietet sowohl eine Warnung als auch eine Orientierungshilfe. Die kommenden Wochen mit ETF-Daten, Signalen der Fed und Dominanzmetriken werden entscheiden, welches Szenario tatsächlich eintritt.
Aktuell wird Bitcoin bei etwa $62.562 gehandelt und testet damit Niveaus, die historisch entweder eine nachhaltige Erholung oder einen endgültigen Ausverkauf einleiteten.

