Insomniac zeigt zehn Minuten Wolverine-Gameplay – und das ist nichts für schwache Mägen
Insomniac Games hat bei der letzten State of Play endlich geliefert, worauf Fans seit der ersten Ankündigung 2021 warten: einen ausführlichen Blick auf echtes Gameplay zu Marvel’s Wolverine. Der knapp zehnminütige Deep-Dive-Trailer zeigt Logan auf einer Rettungsmission für gefangene Mutanten – und macht in puncto Gewaltdarstellung keinerlei Kompromisse. Dass der Release-Termin für das PS5-Schwergewicht auf den 15. September 2026 festgezurrt ist, war bereits bekannt – jetzt wissen wir endlich, wie sich der Klauenträger tatsächlich spielt.
Brutalität ohne Filter – Das neue Kampfsystem im Detail
Die Entwickler versprechen ein Kampfsystem, das Wolverines ikonische Rücksichtslosigkeit eins zu eins auf den Controller überträgt. Wer das brutale Gameplay aus dem Trailer gesehen hat, weiß: Hier wird nicht gekleckert. Enthauptungen, aufgeschlitzte Kehlen und Todesstöße aus der Luft – Insomniac setzt auf eine Gore-Darstellung, die selbst hartgesottene Spieler kurz schlucken lassen dürfte.
Auffällig ist die Ähnlichkeit zum Kampfsystem der Spider-Man-Reihe, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Logan pariert nicht nur, er überlebt. Eingehender Schaden wird in Echtzeit am Körpermodell sichtbar – klaffende Wunden, freiliegendes Muskelgewebe, sogar das Adamantium-Skelett blitzt bei schweren Treffern durch. Das ist kein kosmetisches Gimmick, sondern spielmechanisch relevant: Je schwerer Logan verletzt ist, desto stärker lädt sich seine Berserkerwut auf – ein Rage-Modus, der das Kampfgeschehen kurzzeitig in ein blutrotes Gemetzel verwandelt.
Die gezeigte Demo legt nahe, dass Insomniac hier ein risikobewusstes Kampfsystem entwirft: Wer geschickt pariert und Lücken im gegnerischen Angriffsmuster findet, spielt präzise und kontrolliert. Wer einfach drauflosmetzelt, verlässt sich auf die Regenerationsfähigkeit – die ihrerseits durch einen fokussierten Heilungsmodus aktiv verstärkt werden kann. Auf dem Papier liefert das Studio damit eine interessante Mischung aus dem rhythmusbasierten Kampf von God of War und der chaotischen Energie eines Doom.
Zwischen Erinnerungslücken und Adamantium – Die Story
Insomniac betont, dass es sich – wie schon bei den Spider-Man-Titeln – um eine originale Geschichte handelt, die sich lediglich von den Comic-Vorlagen inspirieren lässt. Im Zentrum steht James „Logan“ Howletts Suche nach seinen verlorenen Erinnerungen. Dieser narrative Kniff ist klug gewählt: Er erlaubt dem Studio, die Frage nach dem Adamantium in Logans Körper und der Herkunft seiner Klauen häppchenweise aufzudröseln, ohne Comic-Leser mit bekanntem Material zu langweilen.
Die Geschichte führt Logan von Kanada über Tokio bis in die zwielichtige Inselstadt Madripoor – ein Schauplatz, der in den Comics als gesetzlose Piratenhochburg bekannt ist und perfekt zu Wolverines Schattenseite passt. Als Antagonisten treten die Reavers auf, eine Bande kybernetisch verstärkter Söldner, sowie bekannte Gesichter aus Logans Feindesgalerie: Omega Red, Säbelzahntiger und Mystique, die offenbar ihre ganz eigene Agenda verfolgt.
Schauplätze, Schurken und eine telepathische Verbündete
Eine der größeren Überraschungen des Trailers: Jean Grey mischt mit. Die Telepathin unterstützt Logan aus der Ferne – ein klares Signal, dass die X-Men im Insomniac-Universum bereits existieren, auch wenn das Studio mit keinem Wort ein X-Men-Spiel andeutet. Ob Jean nur für eine Mission auftaucht oder eine größere Rolle spielt, lassen die Entwickler offen. Ihre Einbindung erinnert an die dynamischen Begleiter-Momente aus God of War Ragnarök, wo Atreus oder Freya situativ ins Kampfgeschehen eingreifen.
Die Action verlagert sich im Trailer-Verlauf zunehmend in vertikale und dynamische Umgebungen: Kämpfe auf fahrenden Fahrzeugen, Sprungpassagen und ein besonders brachial inszenierter Schlagabtausch mit einem überdimensionierten Reavers-Brutalo, bei dem Logan einen vermeintlich tödlichen Treffer einsteckt – und sich in Echtzeit zurück ins Gefecht regeneriert. Inszenatorisch erinnert das stark an die Setpiece-Philosophie von Uncharted, nur eben mit Klingen statt Kletterhaken.
Technik, Exklusivität und die leidige PC-Frage
Technisch lässt das Gezeigte wenig Raum für Kritik: Die Stoffsimulation an Logans ikonischem gelb-blauen Kostüm wirkt physikalisch glaubwürdig, Echtzeitreflexionen auf nassen Straßen und metallischen Oberflächen deuten auf umfangreiches Raytracing hin. Das alles läuft auf der PS5 – und nur auf der PS5.
Damit bestätigt sich, was sich in den letzten Monaten angedeutet hat: Sony fährt seine PC-Strategie bei First-Party-Titeln massiv zurück. Auch Ghost of Yōtei und Saros bleiben PS5-exklusiv – ein Strategiewechsel, der bei PC-Spielern für Verstimmung sorgt, aber aus Sonys Perspektive nachvollziehbar ist: Die Plattform-Exklusivität verkauft Konsolen.
Für Wolverine bedeutet das im Umkehrschluss: Wer keine PS5 besitzt, schaut in die Röhre. Und angesichts der katastrophalen PC-Portierung von Spider-Man 2 ist das vielleicht sogar die sauberere Lösung – ein Titel, der von Grund auf für eine einzige Hardware-Plattform optimiert wird, statt sich in einem halbgaren Port zu verlieren.
Bei den Vorbestellungen zeigt sich Sony preislich gewohnt selbstbewusst: Die Standard-Edition schlägt mit 79,99 Euro zu Buche, die Digital Deluxe Edition mit exklusiven Anzügen und frühen Skill-Freischaltungen kostet 89,99 Euro. Eine physische Collector’s Edition wird es – sehr zum Ärger vieler Fans – nicht geben.


