Stagnation oder Aufschwung? Die Bauindustrie zwischen Hoffen und Bangen
Die deutsche Bauindustrie sieht sich in diesem Jahr einem leichten Umsatzrückgang von einem Prozent gegenüber. Als wesentlichen Faktor für die schwächelnde Entwicklung im Bauhauptgewerbe, zu dem der Gebäude- und Straßenbau zählt, identifiziert die Branche die vorläufige Haushaltsführung des Bundes. Peter Hübner, Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, appelliert dringend an die Regierungskoalition aus CDU und SPD, den Haushaltsplan für 2025 noch vor der Sommerpause zu verabschieden.
Sollte ein neuer Haushalt erst im September beschlossen werden, warnt Hübner, könnte der Bund als Investor für ein Jahr ausfallen. Die Branche rechnet aktuell im öffentlichen Bau mit einer Stagnation beim Umsatzwachstum von null Prozent, hofft jedoch auf einen positiven Verlauf. Am Tag der Bauindustrie in Berlin stellt die Branche ihre Forderungen an Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesbauministerin Verena Hubertz.
2024 setzte sich die seit vier Jahren anhaltende Baukrise fort, insbesondere im Wohnungsbau, wo ein preisbereinigter Umsatzrückgang von 7 Prozent registriert wurde. Hauptgründe waren die gestiegenen Materialpreise und Finanzierungskosten. Bemerkenswert ist jedoch, dass das Neugeschäft im Bereich Wohnungsbaukredite im vergangenen Jahr um 23 Prozent zunahm, ein zaghafter Hinweis darauf, dass die Talsohle im Wohnungsneubau möglicherweise bald erreicht sein könnte.
Für 2025 blickt die Branche mit etwas mehr Zuversicht in die Zukunft. Das prognostizierte Wachstum fällt trotz eines erwarteten realen Umsatzrückgangs von ein Prozent insgesamt leicht optimistischer aus als im Vorjahr. Im Autobahnbereich ist derzeit seit neun Monaten kein neues Projekt auf dem Markt, und die Bauindustrie drängt auf Investitionsmittel, um neue Ausschreibungen für 2025 zu ermöglichen.
Einer Umfrage zufolge erwarten 31 Prozent der Unternehmen einen Umsatzrückgang im kommenden Jahr, doch 60 Prozent gehen von einer konstanten Beschäftigungszahl aus. Die Branche verspricht bei einer besseren Auftragslage schnelle Umsetzungen, da ihre aktuelle Auslastung lediglich bei 70 Prozent liegt.

