Sozialstaat im Fokus: Stabilität oder Sparzwang?
Gemessen an der Wirtschaftskraft Deutschlands zeigen aktuelle Berechnungen, dass die Sozialausgaben des Bundes relativ stabil geblieben sind. Im Jahr 2024 betrug der Anteil der Ausgaben für soziale Sicherung 5,53 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), verglichen mit 5,64 Prozent im Jahr 2015. Bereits im Jahr 2000 betrug dieser Anteil 5,63 Prozent. Ausreißer nach oben gab es vor allem während Krisenjahren. Diese Daten wurden vom Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch beim Statistischen Bundesamt abgefragt. Sie sind zentral für die derzeitige Debatte in der schwarz-roten Koalition über die Nachhaltigkeit des Sozialstaats. Bartsch hat diese Diskussion kritisch kommentiert und warnt eindringlich vor möglichen Kürzungen.
Vergleichsweise konstante Anteile gibt es auch bei den Bundesausgaben für das Gesundheitswesen. Ihr Anteil am BIP war 2024 geringfügig niedriger als 2000, während die Bildungsinvestitionen des Bundes gestiegen sind: von 0,25 Prozent im Jahr 2000 auf 0,52 Prozent im Jahr 2024. Dietmar Bartsch kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vehement, da dieser die Finanzierbarkeit des aktuellen Sozialstaatsmodells infrage stellt. Bartsch spricht von einer "Lügenkampagne gegen den Sozialstaat" und betont, nicht der Sozialstaat belaste den Haushalt, sondern die Aufrüstungspolitik. Seine klare Botschaft: "Hände weg vom Sozialstaat."
In der fortwährenden Diskussion um den Sozialstaat wird oft übersehen, dass darunter nicht nur steuerfinanzierte Leistungen wie das Bürgergeld fallen. Sozialversicherungen, weithin durch Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert, spielen auch eine zentrale Rolle. Inklusive aller staatlichen, gesicherten und freiwilligen Sozialausgaben würde der Anteil rund 30 Prozent des BIP betragen, so die Hans-Böckler-Stiftung 2024.

