DLSS 4.5: Nvidia rüstet Ray Reconstruction mit neuem Transformer-Modell auf – während der Schatten von DLSS 5 wächst
Nvidia hat auf der Computex 2026 das August-Update für DLSS 4.5 mit einer überarbeiteten Ray Reconstruction angekündigt. Ein Transformer-Modell der zweiten Generation soll schärfere Bilder, weniger Ghosting und eine effizientere Rauschunterdrückung bei Raytracing liefern – und das auf allen RTX-Grafikkarten. Auf dem Papier klingt das nach einem soliden Zwischenupdate. Doch der Zeitpunkt ist pikant: Während DLSS 5 wegen KI-generierter Charakterverfremdungen und massiver Entwicklerkritik in den Schlagzeilen steht, schiebt Nvidia mit 4.5 eine betont harmlose, technische Verbesserung nach. Die Frage ist, ob das reicht.
Ray Reconstruction 2.0: Was das neue Transformer-Modell tatsächlich bringt
Die Kerninnovation des August-Updates steckt im Denoiser. Bisher arbeiteten DLSS Super Resolution und Ray Reconstruction mit getrennten Modellen – das neue Transformer-Modell der zweiten Generation vereint beide in einer einzigen Pipeline. Nvidia bewirbt das mit konkreten Zahlen: 35 Prozent mehr Rechenkapazität und 20 Prozent mehr Parameter als das Vorgängermodell, ohne spürbaren Performance-Verlust. Übersetzt heißt das: Der Algorithmus kann mehr Bildinformationen aus weniger Sample-Daten rekonstruieren.
Die technischen Verbesserungen im Detail:
- Tiefere räumliche Analyse: Das Modell verarbeitet Pixel- und Bewegungsdaten der Engine präziser, was ghostingarme Bewegtbilder und sauberere Kanten verspricht
- Bessere temporale Stabilität: Flimmernde Reflexionen und instabile Lichtquellen – das nervigste aller Raytracing-Artefakte – sollen deutlich reduziert werden
- Effizientere Rauschunterdrückung: In schwach gesampelten Bildbereichen (etwa dunkle Ecken mit indirekter Beleuchtung) entstehen weniger Matscheffekte
- Einheitliches Denoising: Super Resolution und Ray Reconstruction laufen nicht mehr nebeneinander, sondern greifen auf dasselbe Modell zurück – das spart VRAM und reduziert Latenz
Entscheidend ist, dass dieses Transformer-Modell auf Nvidias Supercomputern mit einem erweiterten Trainingsdatensatz angelaufen ist. Das klingt beeindruckend, wirft aber auch die Frage auf, wie gut es auf älteren RTX-Karten läuft. Eine RTX 2060 mit 6 GB VRAM wird den erhöhten Modell-Overhead deutlicher spüren als eine RTX 5090 mit 32 GB – das räumt die offizielle Ankündigung von Nvidia freilich nicht ein.
Dynamic Multi Frame Generation 6X – die eigentliche Headline
Neben Ray Reconstruction baut DLSS 4.5 auch die Dynamic Multi Frame Generation mit bis zu 6X-Multiplikator weiter aus. Der Sprung von maximal 4X auf 6X generierte Zwischenbilder pro echtem Frame ist massiv – aber Nvidia betont einen Aspekt, der in der Rohdaten-Ankündigung fast untergeht: Die Frames werden nur dann generiert, wenn das Display sie tatsächlich darstellen kann.
Bei einem 144-Hz-Monitor wird der 6X-Multiplikator also nicht stumpf auf alles losgelassen, sondern dynamisch an die Bildwiederholrate angepasst. Das verhindert unnötigen GPU-Stress und reduziert das Risiko von V-Sync-Konflikten oder Tearing. Für Besitzer von 240-Hz- oder gar 480-Hz-Displays ist das Feature dagegen ein echter Gamechanger – hier kann die volle 6X-Power ausgespielt werden.
Trotzdem bleibt: Frame Generation bedeutet immer auch zusätzliche Latenz. Nvidia kommuniziert dazu keine Messwerte, und die kombinierte Last aus Ray Reconstruction, Super Resolution und 6X Frame Generation wird selbst eine RTX 5090 ordentlich fordern.
27 Spiele, große Namen – und der Schatten von DLSS 5
Zum Launch im August 2026 soll DLSS 4.5 Ray Reconstruction in 27 Titeln laufen. Die Liste liest sich prominent:
- Cyberpunk 2077 und Alan Wake 2 – die beiden path tracing-Vorzeigetitel schlechthin
- Crimson Desert auf dem PC – Pearl Abyss‘ Open-World-Schwergewicht mit BlackSpace-Engine
- DOOM: The Dark Ages – id Techs Raytracing-Benchmark
- Indiana Jones und der Große Kreis – MachineGames‘ id-Tech-7-Titel mit path tracing
- Hogwarts Legacy, Star Wars Outlaws, Directive 8020 und Resident Evil Requiem
Dass Helldivers 2 ebenfalls DLSS 4.5 bekommt, ist für ein Spiel, das ursprünglich ohne Upscaling startete, ein bemerkenswerter Kurswechsel.
Aber: Nvidia kann mit DLSS 4.5 nicht davon ablenken, dass DLSS 5 heftigen Gegenwind bekommt. Die kommende Version soll Spielcharaktere mittels KI so stark verändern, dass Entwickler öffentlich protestierten – von „unkontrollierbaren KI-Filtern“ war die Rede. In diesem Kontext wirkt DLSS 4.5 fast wie ein kontrolliertes Rückzugsgefecht: Seht her, hier läuft alles sauber, technisch, transparent. Ob das die Wogen glättet, darf bezweifelt werden.
RTX-Hardware-Baustellen: Warum ein Software-Update jetzt doppelt wichtig ist
Dass Nvidia DLSS 4.5 ausgerechnet jetzt pusht, hat noch einen anderen Grund. Die RTX-50-Serie steckt in handfesten Hardware-Problemen: Geschmolzene 12VHPWR-Stecker der RTX 5090 sorgten für Schlagzeilen, selbst zertifizierte Drittanbieterkabel versagten unter der enormen Leistungsaufnahme. Hinzu kommt ein Treiber-Desaster mit schwarzen Bildschirmen und PCIe-5.0-Instabilität, das die RTX 5080 und 5090 gleichermaßen betraf.
Ein Software-Update, das bessere Bildqualität ohne neue Hardware verspricht, ist da ein willkommenes Ablenkungsmanöver. Zumal Nvidia mit 94 Prozent des Grafikkartenmarkts praktisch konkurrenzlos dasteht – AMD FSR 4 läuft zwar technisch solide, aber der Marktanteil ist marginal. Nvidia kann es sich leisten, DLSS 4.5 als vertrauensbildende Maßnahme zu inszenieren, während die Hardware-Abteilung die Stecker-Problematik in den Griff bekommt.
Die Community hat längst ihren eigenen Weg gefunden: Mit Tools wie dem DLSS Enabler für praktisch jede DirectX-12-GPU lassen sich Features wie Multi Frame Generation auch auf Karten freischalten, die Nvidia offiziell ausschließt – ein klares Signal, dass die Nutzer Nvidias restriktive Update-Politik zunehmend umgehen.


