Skandalvideo von Trump: Republikaner in der Krise

09. Oktober 2016, 19:54 Uhr · Quelle: dpa

Washington (dpa) - Neue Revolte bei den Republikanern: Nach der Veröffentlichung eines Skandalvideos bröckelt Donald Trump der Rückhalt in den eigenen Reihen weg.

Etliche Parteifreunde zogen ihre Unterstützung für den Präsidentschaftskandidaten zurück - knapp vier Wochen vor der Wahl und kurz vor dem möglicherweise vorentscheidenden zweiten Fernsehduell mit der Demokratin Hillary Clinton. Manche forderten Trump sogar zum Rückzug aus dem Rennen auf, was der 70-Jährige strikt ablehnte.

Trump geht damit unter enormem Druck in den eineinhalbstündigen Showdown am Sonntagabend (Montag 03.00 Uhr MESZ) in St. Louis. Analysten sagten eine weitere Absetzbewegung in der Partei für den Fall voraus, dass Trump erneut schlecht abschneiden sollte. Die erste Fernsehdebatte mit Clinton Ende September hatte er klar verloren. Die Ex-Außenministerin legte danach in Umfragen zu. Durchschnittlich liegt sie US-weit mit 4,6 Prozentpunkten vor ihrem Gegner.

Das Video, das die «Washington Post» am Freitag veröffentlichte, stammt aus dem Jahr 2005. Trump äußert sich darin vulgär über Frauen und brüstet sich mit sexuellen Übergriffen. Die Veröffentlichung schlug so hohe Wellen, dass sich der Republikaner mitten in der Nacht zum Samstag zu einer öffentlichen Entschuldigung gezwungen sah.

US-Medien sprachen von einer «Bombenexplosion» im Wahlkampf, von der sich Trump möglicherweise nicht mehr erholen könne.

Kritik kam sogar von Trumps Vizekandidat Mike Pence: Als Ehemann und Vater habe er sich persönlich beleidigt gefühlt, hieß es in einer schriftlichen Erklärung des konservativen Politikers.

Der frühere Präsidentschaftskandidat John McCain erklärte, er werde bei der Wahl am 8. November nicht für Trump stimmen. Dessen jüngstes Verhalten und seine verächtlichen Aussagen über Frauen machten es ihm unmöglich, den Kandidaten weiter zu unterstützen. Die Senatorin Kelly Ayotte und weitere Abgeordnete hatten sich zuvor ähnlich geäußert. Andere Republikaner wie die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice gingen noch einen Schritt weiter und forderten Trumps Rückzug.

Zumindest offiziell hat Trump noch die Unterstützung von Paul Ryan und Parteichef Reince Priebus, auch wenn beide sich über die Äußerungen in dem Video entsetzt zeigten. Nach der Veröffentlichung der Aufnahmen sagte Ryan, als Vorsitzender des Repräsentantenhauses derzeit der mächtigste Republikaner, einen gemeinsamen Auftritt mit Trump ab. Bei der Veranstaltung am Samstag bekräftigte er seine Aussage vom Freitag, Trumps Äußerungen hätten bei ihm Übelkeit ausgelöst.

Der Kandidat selbst schrieb am Samstag im Kurznachrichtendienst Twitter, dass er sich «niemals» aus dem Rennen zurückziehen werde. Trump traf sich in New York mit seinen Vertrauten, darunter Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani. Dieser sagte später, es sei Wunschdenken des Clinton-Lagers, dass der Unternehmer aufgebe.

In dem Skandalvideo ist zu hören, wie der damals bereits mit seiner jetzigen Frau Melania verheiratete Trump in drastischen Worten seinen Versuch beschreibt, eine andere Frau zu verführen.

«Ich habe mich an sie rangemacht, bin aber gescheitert», sagt er. Er habe versucht, «sie zu ficken. Sie war verheiratet.» Er habe sich hemmungslos («like a bitch») an sie rangemacht, aber ohne Erfolg. Inzwischen habe die - nicht näher identifizierte - Frau «ihr Aussehen total verändert». Trumps Beschreibung: «Sie hat jetzt große künstliche Titten und alles.»

Der Immobilienmogul fährt dann fort, dass er sich «automatisch» zu schönen Frauen hingezogen fühle. «Ich fange einfach an, sie zu küssen (...). Ich warte nicht einmal. Und wenn du ein Star bist, dann lassen sie es zu. Du kannst alles machen.» Er könne sogar Frauen zwischen die Beine grapschen (und sie ließen es geschehen).

Hillary Clinton nannte Trumps Äußerungen über Frauen «schrecklich». Sie appellierte an die Wählerschaft: «Wir dürfen es nicht zulassen, dass dieser Mann Präsident wird.»

Die Aufzeichnungen sind Auszüge eines Privatgesprächs Trumps mit dem damaligen Moderator der Infotainment-Fernsehsendung «Access Hollywood», Billy Bush. Der Moderator ist ein Cousin von Ex-Präsident George W. Bush.

Nach Angaben der «Washington Post» wusste der Sender NBC News fast vier Tage vor der Veröffentlichung durch die Zeitung von der Existenz der Aufzeichnung. Er hielt sie aber zurück, um sie von Anwälten prüfen zu lassen, schilderte das Blatt unter Berufung auf einen NBC-Manager. Diese Vorsicht habe dazu geführt, dass die «Washington Post» dem Sender zuvorgekommen sei.

Dem Bericht zufolge hatten Produzenten von «Access Hollywood» ihr Archiv nach früheren Trump-Interviews durchforstet. Die Zeitung sei durch einen Tipp auf eine Kopie des Videos aufmerksam gemacht worden und dann nach einer Prüfung an die Öffentlichkeit gegangen.

Wahlen / Präsident / USA
09.10.2016 · 19:54 Uhr
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