Krieg in der Ukraine

Showdown in Brüssel: EU-Gipfel entscheidet über Russen-Geld

18. Dezember 2025, 03:37 Uhr · Quelle: dpa
EU-Gipfel in Brüssel
Foto: Omar Havana/AP/dpa
Hoffen auf eine Einigung der Staats- und Regierungschefs: Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. (Archivbild)
Beim EU-Gipfel in Brüssel steht der Plan zur Nutzung russischer Gelder für die Ukraine auf dem Prüfstand. Welche Risiken und Bedingungen könnten die Entscheidung beeinflussen?

Brüssel (dpa) - Ist es ein unverantwortlicher Verstoß gegen internationales Recht - mit unabsehbaren Folgen auch für die europäische Finanzmarktstabilität? Oder einfach ein innovativer und fairer Weg, den Fall der von Russland angegriffenen Ukraine zu verhindern? Über den Plan zur Nutzung von in der EU eingefrorenem Staatsvermögen Russlands für die Ukraine wird seit Wochen mit harten Bandagen gestritten. Heute soll es beim EU-Gipfel in Brüssel zum Showdown kommen. Für die EU, aber auch für Bundeskanzler Friedrich Merz persönlich geht es um viel. Ein Überblick über die Lage in Fragen und Antworten:

Was soll konkret gemacht werden?

Das von der EU-Kommission von Ursula von der Leyen entwickelte Konzept sieht vor, dass sich die EU bei verschiedenen Finanzinstituten Geld leiht, über das Russland wegen Sanktionsentscheidungen der EU derzeit nicht verfügen kann. Dieses Geld soll dann in Form von Darlehen an die Ukraine weitergereicht werden. Russland soll das Geld nur dann wiederbekommen, wenn es nach dem Ende des Angriffskrieges gegen die Ukraine Wiedergutmachung für die entstandenen Schäden leistet.

Die Ukraine müsste dann diese Reparationszahlungen nutzen, um die Darlehen an die EU zurückzuzahlen. Für den Fall, dass das eingefrorene russische Staatsvermögen zum Beispiel infolge von internationalen Urteilen oder Deals unerwartet wieder freigegeben werden müsste, sollen die beteiligten EU-Staaten Garantien leisten.

Um wie viel Geld geht es?

Nach Berechnungen der EU-Kommission könnten bis zu 210 Milliarden Euro in die Ukraine fließen, 90 Milliarden davon in den kommenden beiden Jahren. Nach Schätzungen des IWF und der Kommission beläuft sich der Finanzbedarf der Ukraine im Zeitraum 2026 bis Ende 2027 auf etwas mehr als 137 Milliarden Euro. Europa will davon zwei Drittel abdecken. 

Wo liegen die Gelder, die genutzt werden sollen?

Der Großteil der Summe, rund 185 Milliarden Euro, werden vom Brüsseler Finanzunternehmen Euroclear verwaltet, das sich als sogenannter Zentralverwahrer um die sichere Verwahrung von Wertpapieren kümmert. Weitere rund 25 Milliarden Euro liegen bei anderen Finanzinstituten in Frankreich, Belgien, Deutschland, Zypern und Schweden. Eine sehr kleine Summe hält zudem auch noch der luxemburgische Zentralverwahrer Clearstream.

Warum ist Belgien bislang gegen den Vorschlag?

Die belgische Regierung blockiert den Plan mit Verweis auf rechtliche und finanzielle Risiken. So sieht sie unter anderem die Gefahr, dass Russland Vergeltung gegen europäische Privatpersonen und Unternehmen übt und etwa Enteignungen in Russland vornimmt. Vor allem fürchtet sie dabei auch um die Existenz des Finanzinstituts Euroclear, das dem belgischen Staat jährlich hohe Steuereinnahmen beschert. Als Risiko wird weiterhin genannt, dass ein Schiedsgericht das Vorgehen als illegale Enteignung wertet und internationale Anleger das Vertrauen in den europäischen Finanzmarkt verlieren.

Ist eine Zustimmung Belgiens ausgeschlossen?

Nein. Als Voraussetzungen dafür, dass Belgien ungeachtet der Gefahren doch mitmacht, hat Regierungschef Bart De Wever allerdings drei Bedingungen genannt. Demnach muss garantiert sein, dass eine Vergemeinschaftung aller möglichen Risiken erfolgt und ab dem ersten Moment der Umsetzung des Plans ausreichend finanzielle Garantien bestehen, um potenziellen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.

Zudem forderte De Wever einen umfassenden Liquiditäts- und Risikoschutz für alle durch den Plan betroffene Bürger oder Unternehmen und eine Beteiligung aller anderen EU-Länder, in denen ebenfalls noch Vermögenswerte der russischen Zentralbank eingefrorenen wurden.

Können die Bedingungen erfüllt werden?

In den vergangenen Wochen und Tagen wurde intensivst daran gearbeitet. Am Ende ist es allerdings am belgischen Regierungschef zu sagen, ob die Zusicherungen ausreichen. Die gewünschten unbegrenzten Garantien wird er nach Angaben von Diplomaten nicht bekommen.

Könnte die Nutzung der Gelder auch gegen den Willen der belgischen Regierung beschlossen werden?

Theoretisch wäre das möglich, da eine sogenannte qualifizierte Mehrheit ausreichen würde, um das Vorhaben zu beschließen. Die Risiken wären allerdings hoch - unter anderem, da Belgien gegen die Entscheidung klagen könnte.

Kritiker des Projekts monieren, dass die Gelder nach internationalem Recht nicht genutzt werden dürften, weil sie durch das Prinzip der Staatenimmunität geschützt seien. Haben sie einen Punkt?

Die Kommission verneint das. Sie argumentiert, dass das festgesetzte russische Staatsvermögen nicht konfisziert werde. Es werden demnach nur Gelder genutzt, die es beispielsweise gibt, weil eine von Russland gehaltene Anleihe seine Fälligkeit erreicht hat. Auch Kanzler Merz sagt, der Vorschlag der EU-Kommission stehe «in völliger Übereinstimmung mit dem Völkerrecht und den internationalen Verpflichtungen».

Und was ist mit dem Argument, dass die Nutzung des russischen Staatsvermögens die US-Initiative zur Beendigung des russischen Angriffskrieges gefährden könnte?

Der unter anderem von Ungarn und der Slowakei vorgebrachte Einwurf wird von Befürwortern zurückgewiesen. Sie argumentieren, dass gegenüber Russland mit Härte und Entschlossenheit vorgegangen werden müsse. Nur so könne Kremlchef Wladimir Putin an den Verhandlungstisch gebracht werden.

Äußern sich die Amerikaner zu dem Thema?

In Brüssel berichten EU-Diplomaten, dass Spitzenvertreter der US-Regierung sich zuletzt zurückgehalten hätten. Die erste bekanntgewordene Version des US-Plans zur Beendigung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sah allerdings vor, dass die Gelder nicht ausschließlich der Ukraine, sondern auch den USA und Russland zugutekommen sollen. Unter dem Druck der Europäer wurde diese Klausel wieder gestrichen. 

Als Horrorszenario gilt in Brüssel, dass US-Präsident Donald Trump drohen könnte, jegliche Unterstützung der Ukraine einzustellen, wenn die Europäer das Geld nicht als Verhandlungsmasse zur Verfügung stellen.

EU / Konflikte / Krieg / Gipfel / Europa / Ukraine / Russland / Belgien / Fragen & Antworten
18.12.2025 · 03:37 Uhr
[0 Kommentare]
US-Präsident Donald Trump
London (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat einen Durchbruch in den Verhandlungen über ein Ende des Iran-Kriegs angekündigt - und die aufkommende Hoffnung nach nur einer Nacht wieder gedämpft. Er habe seine Vertreter angewiesen, «nichts zu überstürzen», schrieb Trump am Sonntagvormittag (US-Ortszeit) auf seiner Plattform Truth Social. Es dürfe «keine […] (15)
vor 30 Minuten
Hitzestau? Sonys körpernahe mobile Klimaanlage kühlt dich ab!
Eine Klimaanlage als Wearable? Ja, die gibt’s wirklich, und das schon seit 2019. Jetzt hat der Hersteller Sony seine Reon Pocket Pro noch verbessert, für höhere Kühlwirkung. Nebenbei kann das Gerät den Körper von seinem Platz zwischen den Schulterblättern aus auch wärmen. Es wird einfach an den Hals geclipst und verrichtet dann mindestens 5,5 Stunden am […] (00)
vor 1 Stunde
KI
Stuttgart (dpa) - Künstliche Intelligenz ist in den Zukunftsplanungen der deutschen Wirtschaft fest verankert, doch auf dem Weg in den produktiven Arbeitsalltag in den Unternehmen verliert sie oft massiv an Schwung. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des IT-Beratungsunternehmens Zoi. Für einen erfolgreichen KI-Einsatz mangle es weniger an Geld, sondern an der […] (00)
vor 12 Stunden
R-Type Dimensions III im Test: Der Herr verzeiht, R-Type nicht!
R-Type Dimensions III ist ein Remake des Shoot-´em Up SNES -Klassikers. Es wurde mit der Erlaubnis von Rechteinhaber Irem von Tozai Games von Grund auf neu überarbeitet und von ININ Games für Nintendo Switch,  PlayStation 5, Xbox Series X / S und Steam am 19.05.2026 veröffentlicht. Wir haben uns abermals in das Cockpit eines R-90 […] (00)
vor 6 Stunden
National Geographic schickt Antoni Porowski auf globale Entdeckungsreise
Die neue Reise-Dokumentation «Best of the World with Antoni Porowski» startet Anfang Juni bei National Geographic. National Geographic erweitert seine bekannte «Best of the World»-Marke um eine neue TV-Produktion. Wie der Sender bekanntgab, startet die vierteilige Reisedokumentation Best of the World with Antoni Porowski am 7. Juni um 21 Uhr bei National Geographic. Bereits einen Tag später […] (00)
vor 5 Stunden
Tennis French Open
Paris (dpa) - Alexander Zverev winkte kurz ins Publikum und sah eher erschöpft als glücklich aus. Der deutsche Tennisstar hatte beim Hitzestart der French Open eiskalt zugeschlagen und den französischen Lokalmatadoren Benjamin Bonzi mit 6: 3, 6: 4, 6: 2 wie erwartet besiegt. Beim Auftakt seiner Titel-Mission zeigte der 29-Jährige eine solide, aber […] (00)
vor 28 Minuten
stock trading, investing, stock market, forex, finance, money, crypto, bitcoin, shiba
Der Bitcoin-Kurs schien am Wochenende auf eine weitere Talfahrt zuzusteuern, nachdem er am Samstagmorgen unter die psychologisch wichtige Marke von $75.000 gefallen war. Allerdings hat sich die führende Kryptowährung etwas erholt und strebt derzeit an, die Marke von $77.000 zurückzuerobern. Gleichzeitig wurde ein Anstieg des Angebots von Bitcoin- […] (00)
vor 1 Stunde
Frische im Alltag trotz tierischer Mitbewohner
Mörfelden-Walldorf, 24.05.2026 (lifePR) - Haustiere bereichern den Alltag, bringen aber je nach Situation auch typische Gerüche mit sich. Besonders in Innenräumen, in denen Hund oder Katze eng mit dir zusammenleben, lassen sich diese nicht immer vermeiden. Feuchtigkeit im Fell nach Spaziergängen, nasse Decken oder die natürliche Haut- und […] (00)
vor 10 Stunden
 
Franziska Brantner (Archiv)
Berlin - Grünen-Chefin Franziska Brantner fordert eine europäische Friedensinitiative […] (02)
Joschka Fischer (Archiv)
Berlin - Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) warnt die CDU vor einer […] (01)
Fahne von Russland (Archiv)
Moskau/Kiew - Russland hat die Ukraine in der Nacht zu Sonntag mit massiven […] (02)
Ukraine-Krieg - Kiew
Kiew/Moskau (dpa) - Russland hat in der Ukraine erneut die wegen ihrer […] (18)
Mainz fördert Wohnungstausch mit Beibehaltung des Mietpreises und Umzugsbonus
Je größer die Wohnungsnot, desto geringer der Umzugswille: Selbst dann, wenn Menschen […] (03)
DAX setzt Aufwärtsbewegung fort – Iran-Hoffnungen und fallende Ölpreise treiben Kurse
Hoffnung auf Deeskalation im Iran-Konflikt belebt den DAX Der Deutsche Aktienindex […] (00)
FC Bayern München - VfB Stuttgart
Berlin (dpa) - Finalheld Harry Kane ließ sich den Schampus von Teamkollege Leon […] (01)
MSI gewinnt mehrere COMPUTEX 2026 Awards
MSI, ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Gaming und High-Performance […] (00)
 
 
Suchbegriff