Schwächelnder Appetit auf Obst: Deutsche Verbraucher setzen Prioritäten anders

Die Lust auf frisches Obst und Gemüse scheint unter den deutschen Verbrauchern erkaltet zu sein. Laut Andreas Brügger, Geschäftsführer des Deutschen Fruchthandelsverbands (DFHV), erholt sich die Nachfrage nach der Pandemie nur schleppend. Der Grund liegt möglicherweise darin, dass zu Hause weniger gekocht wird. Dies spiegelt sich auch in den Zahlen der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) wider: Der Obstverbrauch pro Kopf lag im letzten Jahr bei ca. 47 Kilo, was zwar ein kleines Plus zum Vorjahr bedeutet, aber signifikant unter dem Verbrauch von 2021 liegt.
Eine Parallele zeigt sich bei Gemüse, wo der Pro-Kopf-Verzehr 44 Kilo erreichte. Zum Vergleich: Der Fleischkonsum bleibt mit 54 Kilo deutlich höher. Brügger stellt jedoch klar, dass der Preis nicht der Grund für die stockende Nachfrage sei; die Kosten für Gemüse sind sogar um ein Prozent gesunken.
Verbraucher geben lediglich 5,12 Euro pro Woche für frische Produkte aus, eine Zahl, die Skepsis nährt, ob eine geplante Senkung der Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse nennenswerte Wirkung hätte. Selbst ein vollständiger Wegfall würde nur marginale Ersparnisse bringen.
Parallel zur Diskussion um Konsumgewohnheiten startet die Fachmesse Fruit Logistica in Berlin, die ausschließlich dem Branchenpublikum vorbehalten ist. Brügger sieht Handlungsbedarf insbesondere seitens der Politik, die unter Agrarminister Alois Rainer (CSU) den Fokus stark auf traditionellen Anbau legt und weniger auf Innovationen im Fruchtsektor.
Eine weitere Herausforderung betrifft die Sicherheit bei Obstimporten. Rund 80 Prozent des Obstes in Deutschland wird importiert. Besonders besorgniserregend ist der Missbrauch von Bananentransporten für den Kokainschmuggel aus Lateinamerika. Die kriminellen Aktivitäten bedrohen Arbeiter und erhöhen die Sicherheitsrisiken in den Häfen drastisch. Brügger appelliert an die Politik, ihre Maßnahmen zu verstärken, um die Arbeitsbedingungen für Hafenarbeiter und Logistiker zu sichern.

