Schlüsselkästen im Kreuzfeuer: Europas unterschiedliche Ansätze im Umgang mit dem Massentourismus
praktische Helfer für die einen, störendes Symbol für Massentourismus für die anderen. Als wichtige Bestandteile von Plattformen wie Airbnb und Booking erleichtern sie die Schlüsselübergabe bei Ferienwohnungen und ermöglichen ein unkompliziertes, kontaktloses Einchecken. Doch deren Verbreitung hat europaweit zu unterschiedlichen Reaktionen geführt, die das Stadtbild und den Tourismus maßgeblich beeinflussen.
In Spanien hat die Region Valencia im Sommer 2024 ein generelles Verbot von Schlüsselkästen im öffentlichen Raum eingeführt. Dieser Schritt ist Teil einer größeren Bewegung gegen den Massentourismus. Infolgedessen entlädt sich in Städten wie Sevilla und Madrid der Unmut über das urbane Accessoire in Form von Vandalismus. Besonders drastisch war die Reaktion auf Mallorca, wo Aktivisten Schlüsselkästen und Codeschlösser zerstörten, um auf die angespannte Wohnsituation aufmerksam zu machen. Die Proteste von Bewegungen wie Arran verdeutlichen den wachsenden und ungelösten Konflikt zwischen Tourismus und Wohnraumverfügbarkeit.
Im Gegensatz dazu genießen Schlüsselkästen in Skandinavien, besonders in Kopenhagen, hohe Akzeptanz. Trotz ihres oft ungeordneten Erscheinungsbilds an Hausfassaden werden sie als bequeme Lösung für kältere Regionen betrachtet, wo die Übergabe eines Schlüssels per Zahlencode in der Regel ohne Zwischenfälle verläuft.
In Dublin ist die Installation von Schlüsselkästen im öffentlichen Raum strikt untersagt und ihre Entfernung ein fester Bestandteil der städtischen Ordnungspolitik. Währenddessen fehlen in London ähnliche Verbote, obwohl die Regulierung von Kurzzeitvermietungen, wie die Begrenzung auf 90 Nächte pro Jahr, weiter verschärft wird.
Italien verfolgt einen restriktiveren Ansatz. Florenz und Mailand haben Verbote erlassen, die die Verwendung von Schlüsselkästen effektiv untergraben, indem persönliche Treffen zwischen Gastgebern und Gästen gesetzlich vorgeschrieben werden. Die Maßnahme ist Teil eines Bestrebens, das Bild historischer Städte zu bewahren.
In Wien sind die Kästchen ein wesentliches Hilfsmittel für Sozialdienste, weshalb die Stadtregierung keine Verbote in Betracht zieht. Trotz strengerer Vorschriften für Kurzzeitvermietungen bleiben Schlüsselkästen durch ihre Bedeutung für soziale und medizinische Dienstleistungen erhalten.
Auch Paris hat jüngst Maßnahmen zur Eindämmung von Schlüsselkästen im öffentlichen Raum ergriffen. Die Stadtverwaltung versieht nicht entfernte Kästen mit Warnaufklebern und verhängt Bußgelder – ein weiterer Schritt, der unter anderem auf die Begrenzung der Mietdauer von Privatwohnungen auf 90 Tage pro Jahr abzielt, um ein Gleichgewicht zwischen Tourismus und Wohnungsmarkt zu finden.

