Schlichtungsangebot oder Taktik? Tarifkonflikt bei Oettinger im Fokus
Im aktuellen Tarifstreit zwischen der Brauerei Oettinger und der Gewerkschaft NGG hat die Geschäftsführung das Schlichtungsangebot der Gewerkschaft positiv aufgenommen, hegt jedoch Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Vorstoßes. Der Geschäftsführer Stefan Blaschak zeigte sich erfreut über das jüngste Angebot der NGG vom 30. August 2025, besonders da die Brauerei bereits die Woche zuvor selbst eine Schlichtung angeregt hatte. Überrascht sei er allerdings vom ambitionierten Zeitplan der Gewerkschaft gewesen.
Laut Blaschak habe die NGG den 5. September als Enddatum der Schlichtung festgesetzt und bei Nichterfüllung die Fortsetzung der Streiks angedroht. Er verwies darauf, dass Schlichtungsverfahren normalerweise zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen. Zudem fehle in dem Angebot der Gewerkschaft sowohl die Benennung eines Schlichters als auch ein Startdatum für die Schlichtungsvereinbarung. Trotzdem hoffe er, dass es sich um ein ernst gemeintes Angebot handelt und nicht um eine Taktik zur Fortsetzung von Streiks.
Die NGG hat indes betont, der Unternehmensführung eine freiwillige Schlichtung vorgeschlagen zu haben und fordert den raschen Beginn der Gespräche. Gewerkschaftssekretär Fouad Laghmouch warnte vor einer Eskalation der Maßnahmen, sollte es bis Ende der Woche zu keinem Durchbruch kommen. Er forderte ein ernsthaftes Entgeltangebot der Arbeitgeberseite und den Einsatz eines Schlichters, wofür die Gewerkschaft bereits einen Vorschlag gemacht habe.
Indessen blieb die Lage angespannt: Am Hauptsitz in Oettingen sowie an den Standorten Mönchengladbach, Braunschweig und Walldorf protestierten zahlreiche Mitarbeiter für einen gerechten Tarifabschluss. Angesichts des allgemeinen Rückgangs im Bierabsatz plant Oettinger im kommenden Jahr die Schließung der Zweigbrauerei in Braunschweig.

