Schattenbanken und Junkbonds im Fokus – Finanzsystem vor Belastungsprobe
Es ist der fünfte Tag in Folge: Hedgefonds stoßen in einem Tempo US-Aktien ab, wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Die Folge: Margin Calls steigen sprunghaft, Sicherheiten verlieren an Wert, Banken verlangen Nachschuss – oder verkaufen. Die Verkaufswelle beschleunigt den Kursverfall weiter. Das Muster ist bekannt – und gefährlich.
Der Dax verliert zeitweise über zehn Prozent, der Nikkei 225 stürzt um acht Prozent ab, die Wall Street startet mit einem Rückgang von mehr als drei Prozent. Analysten wie Thorsten Weinelt von der Commerzbank sehen die Märkte nah am Panikmodus. Es ist eine Situation, die Erinnerungen an 2020 wachruft – aber diesmal mit einem anderen Ursprung: politisch motivierter Protektionismus.
US-Präsident Donald Trump hat neue Zölle auf nahezu alle Importe angekündigt, weitere sollen folgen – teils bis zu 50 Prozent. Diese Handelsbarrieren treffen auf ein ohnehin angespanntes Finanzsystem. Der S&P 500 fiel zuletzt so stark, dass selbst Morgan Stanley von weiteren sieben bis acht Prozent Minus ausgeht. Doch der Absturz ist nicht allein durch Handelskonflikte zu erklären.
Im Schatten des öffentlichen Interesses hat sich über Jahre eine strukturelle Schwäche aufgebaut – tief verankert im Markt für Hochzinsanleihen und im System der Schattenbanken, den sogenannten Non-Bank Financial Intermediaries (NBFIs). Diese agieren außerhalb der klassischen Regulierung, finanzieren über Kreditfonds und Private Equity kleine und mittlere Unternehmen – vielfach mit geliehenem Kapital.
Laut Finanzstabilitätsrat FSB ist ihr Volumen von 2004 bis 2022 auf über 218 Billionen Dollar gestiegen – mehr als alle klassischen Banken zusammen. Fallen die Kreditrückzahlungen in einer Rezession aus, kann eine Kettenreaktion entstehen. „Vor der Finanzkrise lagen die Risiken im Bankensystem – heute liegen sie außerhalb“, sagt ein US-Banker. „Und je dümmer das Geld, desto größer die Unfallgefahr.“
Schon jetzt steigen die Risikoprämien für Junkbonds rapide: um fast einen Prozentpunkt binnen zweier Tage – der stärkste Anstieg seit den Hochphasen der Pandemie. S&P Global erwartet Ausfallraten von bis zu 6,25 Prozent in Europa. Eine solche Welle würde Banken und Fonds hart treffen, die Kreditvergabe einschränken und Investitionen lahmlegen.
Michael Brown von Pepperstone hält strukturelle Änderungen für notwendig – etwa durch internationale Verhandlungen. Zwar verhandeln über 50 Länder mit den USA, doch Präsident Trump bleibt bei seiner Linie: „Manchmal muss man Medizin nehmen, um etwas zu heilen.“ Für viele Marktteilnehmer wirkt diese Medizin toxisch – vor allem, weil sie auf ein bereits geschwächtes System trifft.

