Schaeffler-Aktie auf Mehrjahreshoch: Rüstung wird zur Kurstory
Die Aktie von Schaeffler hat am Montag ein Mehrjahreshoch erreicht. Im XETRA-Handel stieg das Papier zeitweise um 1,8 Prozent auf 7,96 Euro und gehörte damit zu den stärksten Werten im SDAX. Seit dem Tief im April hat sich der Kurs mehr als verdoppelt.
Während Investoren bei klassischen Rüstungswerten wie Rheinmetall, HENSOLDT und RENK zuletzt eher Gewinne mitnahmen, hob sich Schaeffler deutlich ab. Der Industriekonzern gilt erst seit vergleichsweise kurzer Zeit als potenzielle Rüstungsstory – genau das sorgt aktuell für zusätzliche Fantasie.
CEO-Interview stärkt Wachstumsnarrativ
Auslöser der jüngsten Kursbewegung war ein Interview von Vorstandschef Klaus Rosenfeld in der Süddeutschen Zeitung. Darin betonte Rosenfeld, dass Schaeffler künftig deutlich breiter aufgestellt sein will. Zwar bleibe das bestehende Kerngeschäft zentral, doch bis 2035 sollen rund zehn Prozent des Umsatzes aus neuen Geschäftsfeldern stammen.
Bei einem angenommenen Konzernumsatz von 30 bis 35 Milliarden Euro entspräche das einem Volumen von mindestens drei Milliarden Euro. Das werde jedoch nicht ausschließlich aus dem Verteidigungsbereich kommen. Gleichwohl unterstrich Rosenfeld die wachsende Bedeutung sicherheits- und verteidigungsnaher Anwendungen.
Am Markt werden diese Aussagen als Bestätigung der strategischen Ambitionen gewertet. Nach der bereits angekündigten Kooperation mit dem Münchner Drohnen-Startup Helsing sehen Investoren Schaeffler zunehmend als Zulieferer für moderne Verteidigungstechnologien – auch wenn das Unternehmen kein klassischer Rüstungskonzern ist.
Robotik als zweiter Kurstreiber
Neben der Rüstungsfantasie rückt ein weiteres Zukunftsfeld stärker in den Fokus: humanoide Robotik. Rosenfeld bezeichnete diesen Bereich ausdrücklich nicht als Nische, sondern als potenzielles Milliardengeschäft. Anfang November hatte Schaeffler eine Partnerschaft mit Neura Robotics bekannt gegeben.
Künftig will Schaeffler Schlüsselkomponenten für humanoide Roboter liefern und die Systeme zugleich in den eigenen Produktionsprozessen einsetzen. Die Kombination aus industrieller Automatisierung, Robotik-Know-how und neuen Anwendungen außerhalb der klassischen Automobilindustrie gilt am Markt als wichtiger Hebel für langfristiges Wachstum.
Einordnung für Anleger
Die Kursentwicklung zeigt, dass Investoren Schaeffler zunehmend nicht mehr nur als Autozulieferer bewerten. Die Mischung aus Hoffnung auf eine Erholung der Automobilbranche, neuen Robotik-Anwendungen und wachsender Präsenz im verteidigungsnahen Umfeld verschiebt die Wahrnehmung des Unternehmens.
Ob die Aktie ihr Mehrjahreshoch nachhaltig verteidigen kann, wird davon abhängen, wie schnell Schaeffler diese strategischen Visionen in belastbare Umsätze überführt. Kurzfristig liefert das klare Bekenntnis des Managements zu neuen Wachstumsfeldern jedoch einen starken Impuls – und unterscheidet den Titel aktuell von vielen bereits hoch bewerteten Rüstungswerten.


