Ryan Cohens große Wette: Kann GameStop zum 100-Milliarden-Konzern werden?
Ein transformierender Deal
In einem Interview mit dem US-Sender CNBC sprach Cohen von einer Übernahme, die nicht nur GameStop verändern, sondern „transformativ“ für die Kapitalmärkte sein könnte. Gemeint ist kein Zukauf im Kerngeschäft, sondern ein radikaler strategischer Schritt.
Cohen sucht ein börsennotiertes Konsumgüterunternehmen, das deutlich größer ist als GameStop selbst. Der heutige Börsenwert liegt bei rund 10,5 Milliarden Dollar. Das Zielunternehmen soll stabil, profitabel und qualitativ hochwertig sein – aber operativ unter seinen Möglichkeiten bleiben.
Die Suche nach der schlafenden Cash-Cow
Cohens Idealbild ist klar umrissen. Gesucht wird ein Unternehmen mit starkem Geschäftsmodell, das unter einem trägen Management leidet. Dort sieht er die Chance, mit operativer Disziplin und strategischem Fokus enorme Wertsteigerungen zu realisieren.
Sein Vorbild ist unverkennbar: eine Holding-Struktur nach dem Muster von Berkshire Hathaway. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied. Während Warren Buffett über Jahrzehnte aufgebaut hat, will Cohen den Erfolg in deutlich kürzerer Zeit erzwingen.
Das erklärt auch die Dimension seines Ziels. Eine Marktkapitalisierung von 100 Milliarden Dollar wäre für GameStop nicht weniger als ein struktureller Quantensprung.
Vom Meme zur Marge
Noch vor wenigen Jahren galt GameStop als Sanierungsfall. Der stationäre Videospielhandel schien ein Auslaufmodell, die Verluste waren chronisch. Unter Cohen hat sich das Bild spürbar verändert.
Der Konzern schreibt wieder schwarze Zahlen. Im jüngsten Quartal erzielte GameStop einen Nettogewinn von 77,1 Millionen Dollar, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 3,1 Millionen Dollar zu Buche stand. Gleichzeitig verbesserte sich die Bruttomarge um sieben Prozentpunkte. Operativ ist GameStop heute stabiler aufgestellt als zu jedem Zeitpunkt seit dem Meme-Hype.
Eine prall gefüllte Kriegskasse
Für seine ambitionierten Pläne verfügt Cohen über ein entscheidendes Asset: Liquidität. GameStop sitzt auf einem Cash-Berg von rund 9 Milliarden Dollar. Ein Teil davon wurde zuletzt in Bitcoin investiert, was für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte.
Ob diese Krypto-Bestände für eine Übernahme genutzt werden, lässt Cohen offen. Klar ist nur, dass er die bisherige Bitcoin-Strategie nicht als Endpunkt sieht. Seine neue Vision bezeichnet er als „weitaus überzeugender“ als das bloße Halten digitaler Vermögenswerte.
Alles oder nichts
Cohen ist sich der Risiken bewusst – und spricht sie ungewöhnlich offen an. Wenn der Plan aufgehe, sei er genial. Wenn nicht, wäre er „völlig töricht“. Diese Fallhöhe spiegelt sich auch in seiner eigenen Vergütung wider.
Ein neues Aktienpaket für den CEO wird erst dann fällig, wenn GameStop tatsächlich die Marke von 100 Milliarden Dollar Börsenwert erreicht. Cohen setzt damit nicht nur das Unternehmen, sondern auch seinen eigenen finanziellen Erfolg auf eine einzige, extrem ambitionierte Wette.
Fazit: Größenwahn oder strategischer Befreiungsschlag?
GameStop steht an einem Scheideweg. Der Meme-Status ist verblasst, die operative Sanierung weitgehend gelungen. Was nun folgt, ist der Versuch, aus einem einstigen Einzelhändler eine kapitalmarktgetriebene Plattform mit Holding-Charakter zu formen.
Ob der Markt diese Vision mitträgt, ist offen. Sicher ist nur: Sollte Cohen auch nur annähernd Erfolg haben, wäre GameStop nicht mehr dieselbe Aktie. Scheitert der Plan, dürfte die Börse gnadenlos reagieren. Die Verzehnfachung ist möglich – aber sie ist alles andere als wahrscheinlich.


