Oppositioneller

Russland: Kriegsgegner Nadeschdin bei Wahl nicht zugelassen

08. Februar 2024, 15:25 Uhr · Quelle: dpa
Eine Kandidatur des Kriegsgegners Nadeschdin bei der Präsidentenwahl in Russland hatten viele Beobachter von vornherein ausgeschlossen. Nun hat die Wahlkommission den Liberalen offiziell abgelehnt.

Moskau (dpa) - In Russland wird der liberale Oppositionelle und Kriegsgegner Boris Nadeschdin nicht als Kandidat zur Präsidentenwahl im März zugelassen. Die Wahlkommission unter Leiterin Ella Pamfilowa begründete die erwartete Ablehnung in Moskau mit einer Vielzahl an fehlerhaften Unterstützerunterschriften.

Damit treten neben Kremlchef Wladimir Putin, der zum fünften Mal Präsident werden will, drei weitere Kandidaten an. Sie gelten als aussichtslose Bewerber, die Putin entweder direkt unterstützen oder kein eigenes politisches Profil haben.

Nadeschdin galt als Hoffnung der Opposition

Der 60 Jahre alte Nadeschdin galt als Hoffnung der Opposition auf eine Alternative zu Putin. «Sie lehnen nicht mich ab, sondern Dutzende Millionen Menschen, die auf Veränderungen hoffen», sagte Nadeschdin nach der Entscheidung. Der Politiker will den Entschluss der Wahlkommission vor dem Obersten Gericht anfechten. «Ich bin nicht einverstanden mit der Entscheidung der Wahlleitung.» Die Unterschriften für ihn seien offen und ehrlich gesammelt worden. «Von meinen Absichten lasse ich nicht ab.» Er rechne mit Stimmen im zweistelligen Prozentbereich bei der Wahl, sagte Nadeschdin.

Unterstützer hatten für Nadeschdin, der für die Partei Bürgerinitiative antreten wollte, im Januar in Schlangen bei winterlichem Wetter angestanden, um ihre Unterschriften für ihn als Kandidat bei der Wahl vom 15. bis 17. März abzugeben. Die Menschen hätten damit der ganzen Welt gezeigt, dass sie ein friedliches und freies Russland wollten. «Ich habe meine Landsleute nie so inspiriert, freudig und frei erlebt wie in unseren Warteschlangen», sagte Nadeschdin.

Es gilt als sicher, dass der vom Kreml kontrollierte Oberste Gerichtshof die Entscheidung der Wahlkommission bestätigen wird. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte zum Entschluss der Wahlleitung, dass diese den Regeln entsprechend gefallen sei.

Offizielle Erklärung der Wahlkommission

Bei der Sammlung für Nadeschdin kamen deutlich mehr als die geforderten 100.000 Unterschriften zusammen. Aus einer Stichprobe von 60.000 Unterschriften wurden laut Wahlkommission nun 9147 für ungültig erklärt. Enthalten waren auch elf Namen von Verstorbenen, hieß es. Das waren rund 15 Prozent ungültige Unterschriften bei einem zulässigen Maximalwert von 5 Prozent.

Nadeschdin war der einzige Bewerber, der offen gegen Putins Angriffskrieg in der Ukraine auftritt. Für diese Anti-Kriegs-Haltung erntete der Oppositionspolitiker zum Ärger des Kreml von vielen Landsleuten großen Zuspruch. Politische Beobachter hatten die Kandidatur Nadeschdins deshalb praktisch ausgeschlossen. Der russische Politologe Andrej Perzew sagte, dass der Politiker von vornherein keine Chance gehabt habe auf eine Zulassung als Kandidat. Der Kreml wolle für Putin eine möglichst ruhige Wahl organisieren - ohne Störungen.

«Unangenehme Überraschung» für den Kreml

Schon die vielen Unterschriften für Nadeschdin seien für den Kreml eine «unangenehme Überraschung» gewesen, schrieb Perzew in einer Analyse für das unabhängige russische Portal «Meduza». Der Kreml habe auch nicht zulassen wollen, dass der Oppositionelle auf dem zweiten Platz nach Putin lande und damit besser dastehe als die Bewerber der im Parlament vertretenen Parteien.

Auf dem Wahlzettel werden außer Putin noch der Kommunist Nikolai Charitonow; der Chef der ultranationalistischen Partei LDPR, Leonid Sluzki, und Wladislaw Dawankow, ein Vertreter der Duma-Partei Neue Leute, stehen. Mit Ausnahme Sluzkis hatten die Chefs der insgesamt fünf Parlamentsparteien auf eine Teilnahme an der Wahl verzichtet. Die Regierungspartei Geeintes Russland und die kremlnahe Partei Gerechtes Russland unterstützen Putin direkt.

Opposition ruft zu Protestwahl auf

Die Opposition um den inhaftierten Kremlgegner Alexej Nawalny, die Nadeschdin unterstützt hatte, rief zur Protestwahl gegen Putin auf. «Im März wird ein Zirkus geplant, der nichts mit einer Wahl gemein hat», sagte Nawalnys Vertrauter Leonid Wolkow im Exil im Baltikum. Ziel des Kreml sei es, Putin mit einem hohen Ergebnis einen «Festtag» zu bescheren. Der Kreml habe es einmal mehr geschafft, die Menschen zu enttäuschen und ein Gefühl der Machtlosigkeit zu erzeugen.

Wolkow und auch der im Exil lebende Kremlgegner Michail Chodorkowski riefen die Menschen auf, um 12.00 Uhr am 17. März zu den Wahllokalen zu gehen und damit zu zeigen, dass sie gegen Putin seien. Chodorkowski meinte, dass sie als Zeichen ihrer Ablehnung von Putins Krieg gegen die Ukraine in blau-weißer Kleidung erscheinen sollten.

Amtsinhaber Putin hatte 2020 extra die russische Verfassung ändern lassen, um erneut als Kandidat antreten zu können. Seine Wiederwahl gilt als sicher. Nach sechs Jahren im Amt darf er laut aktuell gültiger Verfassung 2030 ein letztes Mal kandidieren.

Politik / Wahlen / Staatsoberhaupt / Konflikte / Krieg / Boris Nadeschdin / Wladimir Putin / Russland
08.02.2024 · 15:25 Uhr
[9 Kommentare]
US-Präsident Trump bei der Memphis Safe Task Force
Berlin (dpa) - Nach den wachsenden Spannungen zwischen Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ordnet die US-Regierung den Teilabzug von Soldaten aus Deutschland an. Rund 5.000 von ihnen sollen in den nächsten sechs bis zwölf Monaten verlegt werden. Der offizielle Grund: eine Prüfung der Truppenpräsenz in Europa, der Bedingungen […] (00)
vor 44 Minuten
Der ehemalige 'One Direction'-Star Niall Horan schreibt Olivia Rodrigo zu, verändert zu haben, wie Popmusik geschrieben wird. Er gibt zu, dass sie einen 'großen Einfluss auf Pop-Autoren' hatte.
(BANG) - Niall Horan schreibt Olivia Rodrigo zu, die Art und Weise verändert zu haben, wie Popmusik geschrieben wird. Der ehemalige 'One Direction'-Star Niall lobte Olivia, die im Juni ihr drittes Album 'You Seem Pretty Sad for a Girl So in Love' veröffentlicht, und ihren Produktionspartner Dan Nigro in höchsten Tönen. Er verriet, dass die bisherigen […] (00)
vor 10 Stunden
Neue AirPods Pro Ultra geplant: Apple integriert Kameras und Siri
Einem aktuellen Bericht des Bloomberg-Experten Mark Gurman zufolge plant Apple die Einführung einer völlig neuen Generation seiner kabellosen Kopfhörer. Diese sollen mit Infrarotkameras und einer erweiterten Siri-Integration ausgestattet sein. Das geplante Upgrade positioniert sich technisch und preislich deutlich über den regulären Pro-Modellen. AirPods Pro, Quelle: John Smit, Unsplash […] (00)
vor 11 Stunden
Steam Machine: Release in Kürze? – Neue Daten deuten auf baldigen Start hin
Bei der Steam Machine könnte sich der Release tatsächlich nähern. Der XR-Analyst Brad Lynch behauptet, dass Valves US-Lager in den vergangenen Wochen in größerer Menge als „Game Consoles“ deklarierte Ware erhalten habe. Als Quelle nennt er einen Bot, der Importdaten von Firmen überwacht. Als Importeur führt er Ingram Micro an, also Valves Vertriebs- […] (00)
vor 2 Stunden
Meryl Streep hat verraten, dass Pierce Brosnan große Angst hatte, Daniel Craig zu begegnen – dem Schauspieler, der ihn als James Bond ersetzte –, während er bei den Dreharbeiten zu 'Mamma Mia!' ein auffälliges Spandex-Kostüm trug.
(BANG) - Pierce Brosnan hatte schreckliche Angst davor, Daniel Craig zu begegnen, während er 'Mamma Mia!' drehte. Die 'Der Teufel trägt Prada 2'-Schauspielerin Meryl Streep erinnert sich noch gut an die Dreharbeiten zum ABBA-Filmmusical von 2008 in den Pinewood Studios in Großbritannien. Sie erklärte, dass ihr Co-Star – der zwischen 1995 und 2002 in […] (00)
vor 10 Stunden
Vor dem Großen Preis von Miami - Qualifying
Miami (dpa) - Formel-1-Weltmeister Lando Norris hat sich Startplatz eins für das Sprintrennen in Miami gesichert. Der Engländer von McLaren verwies in der Qualifikation für das Kurz-Event über 100 Kilometer den WM-Führenden Kimi Antonelli auf den zweiten Platz. Dem italienischen Mercedes-Piloten fehlten 0,222 Sekunden auf Norris (1: 27,869 Minuten), der […] (00)
vor 3 Stunden
bitcoin, cryptocurrency, blockchain, digital, investment
Der bekannte Trader und Analyst CryptoCred hat in einer Analyse darauf hingewiesen, dass die bisherige Marktstruktur der Kryptowährungen möglicherweise nicht mehr die breite Aufwärtsdynamik bietet, die frühere Zyklen geprägt hat. In einem Beitrag auf X betonte Cred, dass alleinige Teilnahme nicht mehr ausreiche, da Marktqualität, Liquidität, Korrelation […] (00)
vor 2 Stunden
Mit ie-Domains den irischen Verbraucher ansprechen
Koeln, 01.05.2026 (PresseBox) - Wer mit seinen Produkten oder Dienstleistungen nach Irland expandieren möchte, denkt oft zuerst an Logistik, Vertriebspartner oder steuerliche Fragen. Ein entscheidender Erfolgsfaktor wird dabei jedoch häufig unterschätzt: die richtige Domain. Gerade die länderspezifische Endung.ie kann für Unternehmen, die den irischen Markt erschließen wollen, ein echter […] (00)
vor 6 Stunden
 
Alois Rainer (Archiv)
Berlin - Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) will die staatliche […] (02)
Mann mit Kippa
Berlin (dpa) - Polizeistreifen vor der Synagoge, Anfeindungen, Hass: Auch zweieinhalb […] (01)
DGB-Kundgebung zum Tag der Arbeit – Nürnberg
Nürnberg/Berlin (dpa) - Die Gewerkschaften haben zum Tag der Arbeit harten Widerstand […] (00)
Konstantin von Notz (Archiv)
Berlin - Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Konstantin von Notz fordert […] (01)
Manuel Neuer
München (dpa) - Beim FC Bayern München verdichten sich die Anzeichen für eine 16. […] (04)
Dune Awakening Update entfernt PvP-Zwang: Neue Patch-Details im Überblick
Für viele war es einer der größten Kritikpunkte: PvP-Zwang in bestimmten Gebieten. […] (00)
nahaufnahme von bitcoin-symbolschildern im freien, die moderne kryptowährungstrends widerspiegeln.
Am Freitag wurden die Kursentwicklungen von Ethereum, Ripple, Cardano, Binance Coin […] (00)
Zayn Malik
(BANG) - Die Familie von Zayn Malik hat Fans gebeten, keine Blumen mehr zu schicken, […] (00)
 
 
Suchbegriff