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Rückkehr der Pflicht – warum CDU und SPD wieder über die Wehrpflicht sprechen

21. April 2025, 11:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Die schwarz-rote Koalition plant eigentlich einen freiwilligen Wehrdienst. Doch hinter den Kulissen formiert sich der Widerstand – und der Ruf nach einer Rückkehr zur Pflicht wird lauter. Was das für Deutschland bedeutet.

Die Freiwilligkeit hat kaum begonnen

Offiziell einigte sich die neue große Koalition aus CDU und SPD auf ein „attraktives Freiwilligenjahr“ für die Bundeswehr. Doch nur wenige Tage nach Abschluss des Koalitionsvertrags mehren sich die Stimmen, die damit kaum zufrieden sind.

Der CDU-Außenpolitiker Johann Wadephul fordert offen eine Rückkehr zur Wehrpflicht – ebenso wie der frühere Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels (SPD). Beide zweifeln daran, dass Deutschland in der aktuellen Lage auf ein rein freiwilliges Modell setzen kann.

„Wir brauchen mindestens 100.000 zusätzliche militärisch ausgebildete Bürger – und zwar schnell“, so Wadephul.

Die sicherheitspolitische Lage habe sich seit dem russischen Angriff auf die Ukraine grundlegend verändert. Die „Zeit der Friedensdividende“ sei vorbei. Das sehen in Berlin inzwischen viele so – auch wenn sie es nicht offen sagen.

Die Realität hinter der Freiwilligkeit: zu wenig, zu langsam

Der neue Koalitionsvertrag sieht einen umfassenden Ausbau des freiwilligen Wehrdienstes vor – inklusive besserer Bezahlung, Bildungsangebote und einem stärkeren Bezug zur Zivilgesellschaft. Doch intern ist längst klar: Selbst bei optimalem Verlauf wird das nicht reichen. Der freiwillige Dienst ist weder in Umfang noch in Tempo mit dem zu vergleichen, was eine verpflichtende Struktur ermöglichen würde.

Einzelne Zahlen, die bislang nicht veröffentlicht wurden, zeigen: Von den angestrebten 15.000 Freiwilligen pro Jahr waren 2024 nur rund 7.800 verfügbar – Tendenz stagnierend.

Der ehemalige Wehrbeauftragte der SPD warnt: Ohne Pflichtdienst wird die Bundeswehr nicht einsatzbereit – Freiwilligkeit allein reiche nicht mehr.

Hinzu kommt, dass sich viele Bewerber zwar melden, aber den Dienst nicht antreten oder vorzeitig abbrechen. Die Bundeswehr bleibt damit personell unterhalb ihrer selbst gesteckten Ziele – in einer Zeit, in der geopolitisch alles auf Aufrüstung steht.

Wehrpflicht 2.0 – oder Rückfall in alte Strukturen?

Die Befürworter einer neuen Wehrpflicht betonen, dass es nicht um die Rückkehr zum alten System gehe. Stattdessen werde über „angepasste Modelle“ nachgedacht – mit flexibleren Dienstdauern, mehr Auswahlmöglichkeiten und einer besseren Integration in Studium oder Ausbildung.

Hans-Peter Bartels spricht von einem „modernen Pflichtdienst“, der nicht nur auf Wehrfähigkeit abzielt, sondern auch auf gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der ehemalige Wehrbeauftragte warnt vor einer Illusion: Ohne eine Form von Verpflichtung sei die Bundeswehr auf Dauer weder krisenfest noch einsatzbereit.

Die innenpolitische Sprengkraft ist erheblich

Was nach nüchterner Personaldebatte klingt, hat das Potenzial, eine Grundsatzdiskussion auszulösen – nicht nur sicherheitspolitisch, sondern auch gesellschaftlich. Vor allem bei jüngeren Menschen und in progressiven Kreisen gilt die Wehrpflicht als Relikt vergangener Zeiten. Gewerkschaften und Jugendverbände haben bereits Widerstand angekündigt, sollten konkrete Vorschläge für eine Pflicht folgen.

Gleichzeitig gibt es – laut jüngster Umfragen – eine wachsende Zustimmung in der Bevölkerung: Fast 60 Prozent der Deutschen sprechen sich inzwischen für eine Rückkehr zur Wehrpflicht aus, vor allem mit Blick auf die Bedrohungslage in Europa.

Die eigentliche Frage lautet: Hat Deutschland überhaupt eine Wahl?

Was diese Debatte so brisant macht: Es geht nicht um Ideologie, sondern um Machbarkeit. Die Bundeswehr steht vor einem personellen Engpass, den selbst großzügige Werbekampagnen nicht schließen können. Zugleich wächst der Druck aus dem Bündnis: In der Nato mehren sich Stimmen, die von Deutschland nicht nur Geld, sondern auch Truppenstärke erwarten.

In internen Papieren wird durchgerechnet, wie viele ausgebildete Soldatinnen und Soldaten Deutschland bis 2028 realistischerweise stellen kann. Die Antwort fällt ernüchternd aus. Ohne systematische Personalreserven ist das Zwei-Prozent-Ziel kaum erfüllbar – jedenfalls nicht in operativer Schlagkraft.

Die Koalition wird es mit Worten nicht halten können

Lars Klingbeil, SPD-Chef und Verteidigungspolitiker, verteidigt zwar die Freiwilligenlösung. Doch selbst in seiner Partei rumort es. Der Pragmatismus wächst – nicht zuletzt, weil sich auch Partnerstaaten wie Norwegen, Schweden oder Litauen längst wieder verpflichtende Modelle zu eigen gemacht haben. Die Wiederbelebung der Wehrpflicht ist dort nicht ideologisch, sondern strategisch begründet.

In Berlin dürfte es ähnlich kommen. Was als freiwilliges Angebot begann, könnte schneller zur Pflicht werden, als viele heute denken.

Politik
[InvestmentWeek] · 21.04.2025 · 11:00 Uhr
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