Richtungswechsel im Nahost-Konflikt – Herausfordernde Verhandlungen für Europa
Die diplomatischen Bemühungen Europas um eine Lösung im Konflikt zwischen Israel und Iran stehen laut Einschätzung des Nahost-Experten Simon Fuchs vor entscheidenden Herausforderungen. Fuchs, Professor für Islamwissenschaft an der Hebräischen Universität in Jerusalem, betont, dass ein substanzieller Wandel in der Haltung beider Nationen notwendig sei. Israel zeige derzeit wenig Interesse an einem Abkommen, da es weiterhin bestrebt sei, den Iran seiner militärischen und nuklearen Fähigkeiten zu berauben.
Diese Phase der Euphorie über die eigene militärische Stärke könnte die europäisch geführten Gespräche erschweren, sollte es nicht zu einem Umdenken kommen. Fuchs sieht jedoch einen möglichen Erfolg für die europäischen Bemühungen in Aussicht, sollte der Iran auf die Urananreicherung verzichten, sogar zu zivilen Zwecken. Dieses Angebot stieß bislang auf starken Widerstand in Teheran.
Als Teil der Gespräche trifft Bundesaußenminister Johann Wadephul mit seinen französischen und britischen Kollegen sowie dem iranischen Chefdiplomaten Abbas Araghtschi in Genf zusammen. Einlenken seitens Teherans scheint möglich, ohne das Gesicht zu verlieren, so Fuchs. Der Iran könnte seine Raketenfähigkeiten als starke verbleibende Macht vorweisen.
Auch der bevorstehende Trauermonat Muharram könnte eine ideologische Begründung für das Überdenken der roten Linien bieten. Riad Kahwaji, Sicherheitsexperte am Institute for Near East and Gulf Military Analysis in Dubai, ist der Ansicht, dass der Iran auf Zeit spielt und seine Raketenknappheit mit Propaganda im eigenen Land zu kompensieren versucht.
Ein Eingreifen der USA in Form eines gezielten Schlags auf die Urananreicherungsanlage in Fordo könnte einen langwierigen Konflikt vermeiden. Dennoch bleibt unklar, ob solch ein Eingreifen den Iran zur Kapitulation zwingen oder gar die Regierung destabilisieren könnte.

