Report: «Das ist das Ende der Welt»

13. Januar 2010, 23:04 Uhr · Quelle: dpa
São Paulo/Port-au-Prince (dpa) - Um 16.53 Uhr stürzte Haiti am Dienstag ins Chaos. Das schwerste Erdbeben seit rund 150 Jahren verwüstete Port-au-Prince, die Millionen-Hauptstadt des bitterarmen Karibikstaates. Die Regierung rechnet mit tausenden Toten. Blutüberströmte Menschen liefen voller Panik auf die Straßen.

«Das ist das Ende der Welt», sagte eine völlig geschockte junge Frau, die das Erdbeben von einem Hügel aus sah. Das Telefonnetz in Haiti brach zusammen. Es gab stundenlang kein Durchkommen, Informationen waren nur schwer zu bekommen. Vielen Haitianern gelang es aber dennoch, im Internet die Welt um Hilfe zu bitten.

Als wenige Stunden nach dem Erdbeben die Dunkelheit in Haiti anbrach, blieben die Menschen auf den Straßen. Mehr als 20 heftige Nachbeben wurden registriert. Immer wieder wankte die Erde. Mehrstöckige Häuser stürzten ein und begruben Menschen unter sich. Autos wurden verschüttet, Straßen aufgerissen, Strom- und Telefonmasten knickten ein. In stockdunkler Nacht gruben Menschen verzweifelt mit den Händen in den Trümmern, um Verschüttete zu befreien. Dramatische Szenen spielten sich ab.

Auf einem Fernsehbild war ein Mann zu sehen, der vor Schmerzen schrie, als man versuchte, sein eingeklemmtes linkes Bein unter den Trümmern frei zu bekommen. «Ein Alptraum», berichtete ein Haitianer via Skype. Erstmals meldete sich auch Präsident Rene Préval zu Wort. Er habe über Leichen steigen müssen und die Schreie von Menschen gehört, die unter Trümmern begraben seien. In einem Interview des «Miami Herald» vom Mittwoch erklärte er: «Das Parlament ist zusammengestürzt. Die Steuerbehörde ist zusammengestürzt. Schulen sind zusammengestürzt. Krankenhäuser sind zusammengestürzt. Es gibt eine Menge von Schulen mit einer Menge von Toten in ihnen.» Alle Hospitäler seien voller Menschen: «Es ist eine Katastrophe.»

Auf den staubigen Straßen von Port-au-Prince wurden blutende Menschen notdürftig versorgt. Nach Schätzungen des Roten Kreuzes sind drei Millionen Einwohner von dem Erdbeben betroffen, also rund etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung Haitis. Die Kathedrale wurde stark beschädigt und auch der weiße Präsidentenpalast hielt dem Beben nicht stand. Auch mehrstöckige Gebäude der Vereinten Nationen, die seit 2004 eine UN-Friedenstruppe in Haiti stationiert haben, stürzten ein. Einige Häuser fingen Feuer. Mauern entlang von Straßen brachen ein. Es dürfte wohl Tage dauern, bis das ganze Ausmaß der Schäden und die genaue Zahl der Todesopfer bekannt wird.

Obwohl die normalen Telefonleitungen in der Nacht nicht funktionierten, schafften es einige Augenzeugen, zum Ausland via Satelliten-Telefon Kontakt aufzunehmen. «Die Mauern sind überall zusammengestürzt. Ich bin um mein Leben gelaufen. Menschen schrien: Jesus! Jesus! Es war völlig irreal. Völlig abgedreht. Ich bin aus meinen Hotelzimmer gelaufen, und die Mauer ist direkt neben mir zusammengebrochen», berichtete etwa der Fotograf Ivanoh Demers dem kanadischen Online-Magazin cyberpresse.ca.

Am Mittwoch meldeten mehrere Staaten, die an der UN-Mission in Haiti beteiligt sind, Todesopfer unter ihren Soldaten - darunter China und Brasilien. Eine Augenzeugin berichtete der dpa: «Es ist eine Apokalypse. Nach meiner Schätzung sind 40 Prozent der Häuser und Gebäude in Port-au-Prince erstört oder beschädigt.» Die Menschen seien auf der Straße und warteten. «Viele sind aggressiv. Es gibt viele Tote. Die wenigen Hospitäler haben keine Medikamente mehr.»

Zahlreiche Länder, darunter Deutschland, die USA und viele lateinamerikanische Staaten sagten schon am Mittwoch umfangreiche Soforthilfen in Millionenhöhe zu. Die wird das ärmste Land der westlichen Hemisphäre bitter nötig haben, denn die Wirtschaft in dem Neun-Millionen-Einwohner-Land liegt am Boden. In den USA liefen noch in der Nacht die Vorbereitungen für Hilfstransporte an. Am Mittwoch sollten erste Schiffslieferungen auf den Weg gebracht werden.

Der Flughafen in Port-au-Prince war in der Nacht gesperrt. Erst am Tag sollte geprüft werden, ob die Start- und Landepisten durch das Erdbeben beschädigt wurden. Als letztes Flugzeug verließ am Dienstag kurz nach dem Erdbeben ein Flugzeug der «American Airlines» Haiti. Bei der Ankunft in Miami (Florida) war bei den haitianischen Passagieren von Freude über die geglückte Flucht aus dem Chaos nichts zu spüren. Die meisten von ihnen ließen Familien und Freunde im Ungewissen zurück und befürchteten das Schlimmste.

Erdbeben / Haiti
13.01.2010 · 23:04 Uhr
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Patrick Osterhage (Archiv)
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