Rentenlücke in Westdeutschland: Frauen verdienen im Alter deutlich weniger
In Westdeutschland zeigt sich ein drastisches Gefälle bei den Renteneinkünften von Männern und Frauen. Jährlich stehen Frauen im Schnitt 13.500 Euro weniger zur Verfügung als ihren männlichen Altersgenossen, was eine Lücke von 61 Prozent bedeutet. Diese Ungleichheit bezieht sich auf betriebliche, gesetzliche und private Rentenkomponenten. Interessanterweise ist die Rentenlücke in den neuen Bundesländern mit nur 17 Prozent wesentlich geringer.
Die Soziologin Carla Rowold, kürzlich mit dem Forschungspreis des „Forschungsnetzwerk Alterssicherung“ (FNA) ausgezeichnet, hat diese Zahlen ermittelt. Das FNA, eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung, fördert den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Praxis im Bereich der Alterssicherung. Die Ursache der Rentenlücke ist tief im traditionellen Rollenverständnis verankert, das in Westdeutschland noch immer stark präsent ist.
Laut der Hans-Böckler-Stiftung betrug die Teilzeitquote westdeutscher Frauen im Jahr 2023 stolze 48 Prozent, was 14 Prozentpunkte mehr als im Osten sind. Männer dominieren weiterhin die Erwerbsarbeit, während Frauen überwiegend Sorgearbeit leisten, was durch das wohlfahrtsstaatliche System Deutschlands gestützt wird. Paradoxerweise führt dieser Systemkonformismus zu Nachteilen für Frauen.
Bereits im Erwerbsleben zeigt sich der sogenannte „Gender Pay Gap“, der im Jahr 2025 bundesweit bei 16 Prozent lag. Dieser Verdienstabstand setzt sich im Rentenalter als „Gender Pension Gap“ fort und erhöht das Risiko, dass Frauen häufiger von Altersarmut betroffen sind. Um der Rentenlücke entgegenzuwirken, wird eine gleichmäßigere Verteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern gefordert. Zudem könnten Reformen der Elternzeitregelung, welche Väter stärker in die Pflicht nehmen, und die Abschaffung des Ehegattensplittings zu mehr Gleichberechtigung im Rentensystem beitragen.

