Rente: Bis 2036 sind 20 Prozent der Neurentner armutsgefährdet
Eine neue Studie zur Rente warnt vor einer alarmierenden Entwicklung. Demnach werden bis 2036 rund 25 Prozent mehr Menschen als derzeit von Altersarmut betroffen sein. Vor allem alleinstehende Frauen sind von finanziellen Sorgen bedroht. Gerade ihre Rente wird im Alter nicht ausreichen. Gleichzeitig wächst das Minus in der gesetzlichen Rentenkasse.
Mehr als jeder fünfte 67-Jährige wird im Jahr 2036 von Altersarmut bedroht sein. Zu diesem beunruhigenden Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Zentrums für Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Demnach steigt die Zahl der Betroffenen von derzeit 16,2 Prozent auf 20,2 Prozent.
Besonders dramatisch ist der Anstieg bei alleinstehenden Frauen. Statt 16,3 Prozent werden bei ihnen 27,8 Prozent armutsgefährdet sein, also weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben. Sie erfüllen besonders häufig die beiden stärksten Risikofaktoren für Altersarmut: Unterbrechungen der beruflichen Tätigkeit sowie prekäre Arbeitsverhältnisse bei niedrigen Löhnen. Zudem sorgt der demografische Wandel für ein Sinken der Rentenleistungen.
Gefährdung von Ostdeutschen und Langzeitarbeitslosen steigt
Neben alleinstehenden Frauen sind auch Berufstätige aus Ostdeutschland von Altersarmut bedroht, da sie in den Nachwendejahren von den Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt betroffen waren. Bei ihnen steigt die Armutsquote bis 2036 laut der Studie von 5 Prozent auf 11,2 Prozent. Darüber hinaus verschärft sich die Lage für langzeitarbeitslose Menschen, die fünf Jahre oder länger ohne Job waren. Bereits heute sind 18,7 Prozent der Neurentner armutsgefährdet, bis 2036 steigt der Wert auf 21,9 Prozent.
Sieben Prozent der Neurentner 2036 auf Grundsicherung im Alter angewiesen
Mit der höheren Armutsquote bei Neurentnern bis 2036 wird auch die Zahl derjenigen Senioren steigen, die im Alter von Sozialleistungen abhängig. Derzeit liegt die Quote bei 5,4 Prozent bei den 67-Jährigen. Bis 2036 wächst der Wert laut der Studienautoren auf sieben Prozent an, legt man die aktuelle Entwicklung zugrunde.
Im Rahmen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes wurden immerhin erstmals Freibeträge für Leistungen aus der betrieblichen Altersvorsorge und der Riester-Rente auf die Grundsicherung im Alter eingeführt. Bis zu 202 Euro monatlich sind damit von einer Anrechnung auf die Sozialleistung befreit. Für Geringverdiener lohnt es sich dadurch trotz drohender Altersarmut, mit einer betrieblichen oder privaten Altersvorsorge etwas Geld für den Lebensabend beiseitezulegen. Die Studienautoren befürchten jedoch, dass gerade Geringverdiener während ihres Berufslebens oftmals nicht über genügend Geld verfügen, um dieses für die Altersvorsorge aufzuwenden.
Menschen und Familien mit mittleren Einkommen profitieren hingegen von der Vorsorge. Abhängig von der Art der gewählten Altersvorsorge werden sie dabei vom Staat durch Zulagen oder Steuervorteile unterstützt, auch einige Arbeitgeber unterstützen ihre Mitarbeiter beim Aufbau einer Altersversorgung.
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Union und SPD: Nach den Rentengeschenken kommt das Rentenminus
Die Studie könnte der SPD im anstehenden Wahlkampf Auftrieb geben. Denn während die CDU an der derzeitigen Rentenpolitik nichts ändern möchte, haben die Sozialdemokraten vor einigen Tagen ein - wenn auch umstrittenes - Rentenkonzept vorgestellt.
Gemeinsam haben Union und SPD in den letzten vier Jahren umfassende Rentenreformen durchgeführt. Vor allem die Mütterrente und die Rente mit 63 gelten dabei als sehr teure Unternehmungen. Die Rentenkasse hat dadurch und durch den demografischen Wandel seit 2015 höhere Aus- als Einnahmen. So betrug das Minus 2016 rund 2,2 Milliarden Euro. Die Rücklagen der Rentenkasse schrumpfen also. Langfristig hat dies steigende Rentenversicherungsbeiträge zur Folge. Aber auch die Rentenleistungen könnten weiter sinken - wodurch wiederum mehr Rentner in finanzielle Nöte geraten könnten.

