Red Storm Entertainment arbeitete an zehn Spielen gleichzeitig – bevor Ubisoft das Studio faktisch auflöste
Red Storm Entertainment war bis zuletzt weit mehr als ein Relikt vergangener Zeiten. Das Studio, das Tom Clancy 1996 gründete und das die Rainbow-Six-Reihe in die Welt brachte, war zum Zeitpunkt seiner faktischen Auflösung an einer beachtlichen Anzahl von Projekten beteiligt. Wie viele es genau waren, hätte wohl kaum jemand erwartet – und die Liste der Namen, die dabei auftaucht, ist für Fans der Ubisoft-Franchises gleichermaßen ernüchternd wie aufschlussreich.
Zehn Projekte, ein abruptes Ende
Laut einem Bericht von Insider Gaming war Red Storm Entertainment an insgesamt zehn verschiedenen Spielprojekten beteiligt, bevor die Entwicklungsabteilung mit 105 Entlassungen faktisch aufgelöst wurde. Die Bandbreite der Aufgaben reicht von saisonalem Inhalt für Rainbow Six Siege über Unterstützungsarbeiten an Brawlhalla und Audioproduktion für The Division 2 bis hin zu Konzeptarbeiten für The Division 3 sowie Hilfsleistungen für den Watch Dogs Director’s Cut. Besonders ins Auge sticht die Beteiligung an Beyond Good and Evil 2, dem seit Jahren in der Entwicklungshölle festhängenden Projekt, sowie an einem neuen Hauptserientitel der Ghost-Recon-Reihe, intern als Project OVR bekannt. Hinzu kommen ein kleineres Rainbow-Six-Projekt namens Slice & Dice, Arbeiten an Splinter Cell und ein weiteres, bislang völlig unangekündigtes Konzeptprojekt.
Das Studio war also kein schlafender Riese, der nur auf seinen Abbau wartete. Es war ein aktiv an multiplen Fronten eingesetzter Entwickler – was die Entscheidung, es auf eine reine Support-Einheit für die Snowdrop-Engine und globale IT-Aufgaben zu reduzieren, umso gravierender erscheinen lässt.
Eine Geschichte voller unrealisierter Potenziale
Die letzten Jahre von Red Storm Entertainment lesen sich wie ein Katalog gescheiterter Chancen. Ein VR-Ableger der Splinter-Cell-Reihe, The Division Heartland und die Beteiligung am Multiplayer-Shooter XDefiant – allesamt Projekte, die nie das Licht der Öffentlichkeit erblickten oder kurz nach dem Launch eingestellt wurden. Seit seiner Gründung durch Tom Clancy hatte das Studio eine beachtliche Schaffensgeschichte vorzuweisen, die über die Jahrzehnte mit Rainbow Six und Ghost Recon das taktische Shooter-Genre mitprägte. Der Erwerb durch Ubisoft im Jahr 2000 leitete eine Phase zunehmender Integration ein, in der Red Storm mehr und mehr zum Zuarbeiterstudio wurde.
Ubisoft unter Druck – und ein Studio als Bauernopfer
Die Entlassungen bei Red Storm sind kein isoliertes Ereignis, sondern Teil eines größeren Umbaus bei Ubisoft. Das Unternehmen hat im laufenden Jahr bereits für erhebliche Unruhe gesorgt: Mehr als 1.200 Mitarbeiter traten in Streik, um gegen Sparmaßnahmen und eine Rückkehr-ins-Büro-Pflicht zu protestieren. Gewerkschaftsvertreter forderten gar den Rücktritt von Unternehmenschef Yves Guillemot. Dass ausgerechnet Red Storm – ein Studio mit dreißigjähriger Geschichte und einem so breiten Aufgabenspektrum – zum Symbol dieser Restrukturierung geworden ist, wirft ein grelles Licht auf die Prioritäten des Konzerns. Ob Beyond Good and Evil 2 oder Project OVR nach dem Wegfall der Red-Storm-Teams noch eine Zukunft haben, steht in den Sternen.

