Qantas von Cyberangriff betroffen – Millionen Kundendaten kompromittiert
Die australische Fluggesellschaft Qantas hat bestätigt, dass bei einem Cyberangriff auf ein externes Callcenter persönliche Daten von rund sechs Millionen Kunden kompromittiert wurden. Der Vorfall ereignete sich am Montag, als sich Angreifer über Social-Engineering-Methoden Zugang zu einer Drittanbieter-Plattform verschafften, die im Kundenservice eingesetzt wird.
Die betroffene Datenbank enthielt Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Geburtsdaten und Vielfliegerinformationen – allerdings keine Zahlungsdaten oder Kreditkarteninformationen, wie das Unternehmen mitteilte. Die sensiblen Finanzinformationen würden auf separaten Servern verwahrt.
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die mutmaßliche Beteiligung der Hackergruppe Scattered Spider, die zuletzt unter anderem durch Angriffe auf Marks & Spencer in Großbritannien bekannt wurde. Laut FBI ist die Gruppe darauf spezialisiert, große Unternehmen und deren externe IT-Dienstleister zu infiltrieren – häufig durch sogenannte „vishing“-Angriffe, bei denen Callcenter-Mitarbeitende telefonisch manipuliert werden.
Im aktuellen Fall wurde ein Mitarbeiter des Qantas-Callcenters dazu verleitet, einem Angreifer Zugang zum System zu gewähren. Die Airline hat nach eigenen Angaben sofort reagiert, die Systeme abgesichert und erste Maßnahmen zur Benachrichtigung der betroffenen Kunden eingeleitet.
Der Angriff ist nicht isoliert: Auch Hawaiian Airlines und Kanadas WestJet meldeten in den vergangenen Wochen Cybervorfälle. Experten sehen in der Konzentration von Angriffen auf die Luftfahrtbranche ein strukturelles Problem. Laut Kash Sharma von BlueVoyant Australien nutzen Angreifer zunehmend die Komplexität und Fragmentierung globaler Lieferketten aus, in denen oft klare Sicherheitsverantwortlichkeiten fehlen.
Für Qantas kommt der Vorfall zur Unzeit. Die neue Vorstandschefin Vanessa Hudson bemüht sich seit Monaten um die Rehabilitierung der Marke nach pandemiebedingtem Reputationsverlust, Pünktlichkeitsproblemen und einer Kartellstrafe wegen des Verkaufs nicht stattfindender Flüge. Zwar haben sich Pünktlichkeit und Dividendenzahlungen zuletzt verbessert, doch der aktuelle Vorfall droht, das fragile Vertrauen erneut zu erschüttern.
An der Börse reagierten Anleger prompt: Die Qantas-Aktie verlor am Mittwoch rund 2,5 Prozent. Hudson zeigte sich reumütig: „Unsere Kunden vertrauen uns ihre Daten an – dieses Vertrauen nehmen wir sehr ernst.“

