Von Heino bis Hallervorden

Promis für Merz, Scholz, Habeck: Bringt das was?

20. Februar 2025, 09:09 Uhr · Quelle: dpa
Schon lange haben sich Kulturschaffende sowie Stars aus Film, Fernsehen und Pop nicht mehr so stark in einen Wahlkampf eingebracht. Nützt das oder schadet das eher?

Berlin (dpa) - «Der Habeck wieder!» - Mit diesem Stoßseufzer von Matthias Matschke beginnt ein Werbeclip der Grünen in den sozialen Netzwerken. Der Schauspieler mimt einen Grünen-Gegner, der von zwei Gesprächspartnern - Katharina Wackernagel und Peter Heinrich Brix - mit so vielen Erfolgsfakten zur grünen Regierungsarbeit malträtiert wird, bis er darüber die Fassung verliert. 

Schon immer haben Parteien in Bundestagswahlkämpfen gern auf Prominente gesetzt. Die SPD etwa kann sich seit Jahrzehnten auf Roland Kaiser verlassen.

Dass seine Partei im Moment in den Umfragen schwächele, sei für ihn kein Grund, ihr untreu zu werden, sagte der Schlagersänger in einem RTL-Interview. «Das könnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.» 

Dieter Hallervorden warb schon vor dem Mauerfall für die FDP

Noch länger als Roland Kaiser für die SPD wirbt Komiker Dieter Hallervorden für die FDP - schon vor dem Mauerfall gab er an Wahlkampfständen der Liberalen Autogramme. Kinder der Bonner Republik wunderten sich damals mitunter darüber, dass er bei dieser Tätigkeit ganz und gar nicht so lustig wirkte wie in der Erfolgsserie «Nonstop Nonsens». 

Diesmal hat der 89-jährige Berliner gemeinsam mit anderen FDP-Unterstützern wie Moderator Hugo Egon Balder und Komiker Wigald Boning einen «Weckruf zum 23. Februar» veröffentlicht. 

Auch der Philosoph Peter Sloterdijk spricht sich «mit zusammengebissenen Zähnen» für die FDP aus, wie «Die Zeit» berichtet. Die Partei müsse es aber schaffen, «das hässliche Bild der Egoisten-Allianz, der Lobbyisten-Clique abzustreifen», meint er. Andere Parteien kritisiert der 77-Jährige noch schärfer. Den Grünen attestiert er eine «tiefe Kernlosigkeit», der SPD einen «Todestrieb». 

Und die AfD? Die ist laut Sloterdijk «ein parasitäres Unternehmen, das sich aus dem Unbehagen an der Demokratie» speise. Medien und andere Parteien hätten diese Partei systematisch «großgewarnt», was einer Art Dauerwahlkampf gegen und damit für sie entspreche.

Die Union hat Befürworter wie Heino und Ralf Moeller

Die CDU präsentiert auf ihrer Website «Prominente Stimmen für Merz» - eine ganze Reihe bekannter Namen samt kurzen Statements. So will Sänger Heino am Sonntag CDU wählen, «damit Herr Scholz und Herr Habeck nach Hause gehen können». 

Ralf Moeller, Hollywood-Star aus Recklinghausen, erhofft sich von einer CDU-geführten Regierung, dass «Made in Germany» wieder das wird, was es mal gewesen sei. Und Thekla Carola Wied - die zupackende Mutter aus der 80er-Jahre-Serie «Ich heirate eine Familie» - sieht Deutschland mit Friedrich Merz wieder auf dem Weg nach oben.

Merz hat allerdings auch viele Prominente gegen sich mobilisiert. Nachdem die CDU im Bundestag einen Antrag auf Zurückweisung von Asylsuchenden mit den Stimmen der AfD durchgesetzt hatte, meldeten sich Hunderte Kulturschaffende in einer Erklärung zu Wort und kritisierten den «Pakt mit der AfD» als «historischen Tabubruch». Unter den Unterzeichnern waren der Schauspieler Daniel Brühl und TV-Moderator Joko Winterscheidt.

Prominente Parteinahmen haben in Deutschland durchaus Tradition. So wurde der SPD-Kanzlerkandidat Willy Brandt in den 60er Jahren von zahlreichen Künstlern und Intellektuellen unterstützt. 

Günter Grass hatte den SPD-Stammwähler fest im Blick 

Der Schriftsteller Günter Grass («Die Blechtrommel») tourte 1969 gar ein halbes Jahr in einem VW-Campingbus durch die alte Bundesrepublik, um für «Willy» die Werbetrommel zu rühren. Der spätere Literaturnobelpreisträger legte 32.000 Kilometer zurück, besuchte 79 Wahlkreise, sprach zu etwa 60.000 Menschen, gab 46 Pressekonferenzen. 

Im Vergleich zu vielen heutigen Interventionen aus der Kulturwelt unterschied sich sein Engagement allerdings in einem wesentlichen Punkt: Er hatte die konkreten Interessen der SPD-Stammwählerschaft im Blick, setzte sich für bessere Bildungschancen, gerechteren Lohn und bezahlbaren Wohnraum ein.

Auch Arnold Schwarzenegger konnte Kamala Harris nicht helfen

«Damit war das Gefühl verbunden: "Die Eliten sehen uns, wertschätzen uns, kämpfen für uns"», erläutert Stephan Grünewald, Leiter des Rheingold-Instituts, das kürzlich eine große Wahlstudie auf der Grundlage tiefenpsychologischer Interviews veröffentlicht hat. «Genau das aber ist in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr verloren gegangen und mitunter ins Gegenteil umgeschlagen.» 

So konnte sich die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris in den USA zwar der Unterstützung zahlloser Stars von Taylor Swift über George Clooney bis hin zu «Terminator» Arnold Schwarzenegger sicher sein. Aber am Ende gewann dann doch der Mann, den sie alle unbedingt verhindern wollten. 

«In Amerika ist das nach hinten losgegangen, weil man das Gefühlt hatte: Das, was die Menschen bewegt - hohe Inflation, gestiegene Lebenshaltungskosten - hat die Schönen und Berühmten überhaupt nicht interessiert», analysiert Grünewald. Beyoncé muss sich keine Sorgen über hohe Burger-Preise machen. 

Viele Menschen hätten heute das Gefühl, dass die Eliten auf sie herabblickten, so Grünewald. Nach dem Motto: Ihr fahrt immer noch Diesel, esst Fleisch und gendert nicht! «Das kann nicht nur zu einem Gefühl mangelnder Wertschätzung führen, sondern auch Beschämungsgefühle auslösen.» 

Insofern könne Protest oder Engagement von Promis sogar das Gegenteil bewirken, gar zu Trotz führen - «so wie wir das in den USA erlebt haben».

Stefan Raab macht sich über Merz-Zitat lustig

Der Philosoph Julian Nida-Rümelin sieht es ähnlich: «Kulturkämpfe von links funktionieren nicht», sagt der Ex-Kulturstaatsminister und frühere stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. 

Der Protest von Kulturschaffenden gegen ein mögliches Einreißen der Brandmauer gegen die AfD sei aber etwas anderes: «Eine breite Bewegung in der Bevölkerung, die sagt "Wir wollen die AfD nicht in der Regierung, auch keine Annäherung an die AfD" - das kann schon eine Wirkung entfalten.»

Auf ganz andere Weise brachte sich diese Woche Entertainer Stefan Raab in den Wahlkampf ein: Er veröffentlichte bei RTL ein Rave-Lied, in dem er sich über einen Auftritt von Friedrich Merz in einem Livestream lustig macht. «Was ist Bubatz?» hatte der Kanzlerkandidat der Union dort gefragt - dass es sich um ein anderes Wort für «Cannabis» handelt, war ihm offenbar nicht bekannt. 

Raab besingt die Wissenslücke mit den Worten: «Das geile Zeug macht uns alle froh, weißt du doch - tu doch nicht so.» Ist das nun gut oder schlecht für Merz? Das bestimmen nicht die Stars, das steht eher in den Sternen.

Leute / Medien / Film / Partei / Bundestag / Wahl / Gesellschaft / #btw25 / zum 23. Februar / Deutschland
20.02.2025 · 09:09 Uhr
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