Prognose: Mobile Gaming bleibt stärkste Kraft der Branche
Mit dem Mobile Gaming hat sich die Gaming-Branche ein neues Level der digitalen Unterhaltung erschlossen, das ihren Marktanteil signifikant stärken kann. Der Umzug der beliebten Videospiele auf mobile Endgeräte hat das Gaming revolutioniert und für eine noch größere Gruppe von Nutzern interessant gemacht.
Obwohl die Möglichkeit auch komplexe Spieltitel auf dem Smartphone oder dem Tablet spielen zu können aufgrund technischer Hürden lange Zeit in den Kinderschuhen steckenblieb, hat sich das Mobile Gaming inzwischen zu einer starken Triebfeder für den Markt entwickelt. Dass dieser Trend keine Eintagsfliege ist, sondern die Gaming-Branche voraussichtlich auch langfristig prägen wird, zeigen aktuelle Erhebungen des Analyse Dienstleisters Data.ai, der auf Basis der Geschäftszahlen aus dem ersten Quartal 2022 eine Prognose für den Rest des Gaming-Jahres wagt.
Mobile Gaming so beliebt wie nie
Das wirtschaftliche Wachstum, welches das Mobile Gaming als Teilbereich einer boomenden Branche verzeichnet, ist beeindruckend. Seit Jahren wächst der Markt für mobile Spiele und die damit verbundenen Technologien kontinuierlich. Was als Nischenphänomen begann, hat sich längst zu einem wesentlichen Standbein der Gaming-Branche entwickelt.
Im Mai 2022 veröffentlichte GAME, der Verband der deutschen Games-Branche, aktuelle Zahlen zum Geschäftsjahr 2021, die zeigen, welchen Stellenwert das Spielen auf mobilen Endgeräten inzwischen einnimmt. Demnach sind die Umsätze, die in Deutschland im Jahr 2021 mit Mobile Games erwirtschaftet wurden, auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht einem Wachstum von 22 Prozent. Im Geschäftsjahr 2020 konnte die Teilbranche bereits ein Wachstum von 23 Prozent verzeichnen.
Als stärksten Treiber für das Wirtschaftswachstum benennt der Verband In-App-Käufe, die einen Anteil von 99 Prozent der Gesamtumsätze ausmachen. Bereits in den Vorjahren sank dagegen der Marktanteil von Kaufspielen für mobile Endgeräte deutlich. Dieser Trend hat sich auch 2021 fortgesetzt. Die Mehrheit der Spieler*innen greift zu Spielen in der Free-to-Play-Variante und ergänzen das Spielerlebnis ganz nach eigenem Bedürfnis über In-App-Käufe. Zwar hat sich dieses Konzept inzwischen auch bei Konsolen- und Computerspielen durchgesetzt, der Erfolg der In-App-Käufe konzentriert sich aber vor allem auf den Markt für Mobile Gaming.
Ein ebenfalls starkes Umsatzwachstum zeigte im Jahr 2021 der Markt für Abos rund um Spiele-Apps und Mobile Gaming. Hier konnten im vergangenen Geschäftsjahr rund 12 Millionen Euro erwirtschaftet werden, was einem Umsatzwachstum von rund 200 Prozent entspricht. Anbieter wie Amazon Prime Gaming, Xbox Game Pass oder EA Play drängen erst seit kurzer Zeit auf den Markt und tragen dazu bei, dass reguläre Kaufspiele weiter an Boden verlieren.
iGaming und Retro-Games verstärken das Interesse
Das Interesse am Mobile Gaming wird immer wieder durch die Entwicklung neuer Spielvarianten und Technologien verstärkt. Zwei Trends, die das wirtschaftliche Wachstum der Branche in der Vergangenheit verstärkt gefördert haben, sind das iGaming und die Rückkehr zu Retro-Games.
Unter iGames sind auf dem Gaming-Markt alle Arten digitalen Glücksspiels zu verstehen. Dabei ist es zunächst unerheblich, ob Spieler über einen PC, die Konsole oder ein mobiles Endgerät auf das Spieleangebot zugreifen. iGaming hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr auf dem Markt etabliert und die Branche um eine stetig wachsende Zielgruppe bereichert. Die Synergien, die bereits zwischen klassischen Konsolen- und Computerspielen und digitalen Glücksspielvarianten entstanden sind, bergen viel Zukunftspotenzial für die Branche. Inzwischen hat das iGaming auch die mobilen Endgeräte erobert. Mobile Casinos bieten eine breite Auswahl an Glücksspielen an, die für digitales Gaming und insbesondere für Smartphones und Tablets optimiert wurden. Der Erfolg dieser Entwicklungen wird durch die ständige Verfügbarkeit der Spiele über mobile Endgeräte verstärkt. Auf dem Smartphone können die kurzweiligen Spiele im Alltag überall eingesetzt werden um Wartezeiten zu überbrücken, wie beispielsweise in der Bahn, im Wartezimmer oder an der Supermarktkasse, sodass sie zum ständigen Begleiter werden.
Ein weiterer Trend, der dem Gaming-Markt zusätzlichen Schwung verleiht, ist das Revival von Spieleklassikern. Die Games im Retrogewand erleben derzeit eine neue Blüte und versetzen vor allem eingefleischte Gamer in Verzückung. „Retro-Games liegen im Trend, können oft in schnellen Runden gespielt werden und viele Gamerinnen und Gamer lassen sich auf das nostalgische Spielgefühl gern ein. Wir sehen auch viele Spieleentwickler und Hersteller, die beliebte Games-Klassiker oder die kultigen Konsolen der 80er und 90er in Retro-Optik mit moderner Hardware neu auflegen, um dieses große Interesse zu bedienen.“, erklärt Felix Falk, Geschäftsführer von GAME, den großen Erfolg der alten Schinken.
Einer Erhebung des Verbandes zufolge, interessieren sich 34 Prozent der Gamer*innen in Deutschland für Klassiker wie „Sonic - The Hedgehog“ oder „Diablo“. Um das Spielerlebnis von damals wieder aufleben zu lassen, sind viele von ihnen sogar dazu bereit, ihr Equipment um klassische Plattformen für Retro-Videospiele zu erweitern. Tatsächlich sprechen die nostalgischen Spieletitel sogar ein jüngeres Publikum an, das damit nicht vor 30 oder 40 Jahren seine Gamerkarriere begonnen hat, so der Verband. Rund 40 Prozent der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen gaben demnach an, gerne zu Retro-Titeln zu greifen und die nostalgische Spielumgebung als reizvoll zu empfinden. Kein Wunder also, dass namhafte Spieleanbieter bereits seit einigen Jahren gerne Geld und Zeit in die Restauration ihrer alten Erfolgsspiele stecken.
Prognose: Erfolg des Mobile Gaming wird anhalten
Die Geschäftszahlen der vergangenen Jahre belegen, dass der Erfolg des Mobile Gaming kein vorübergehender Trend sein dürfte. Eine aktuelle Trendstudie des Daten- und Analyse-Dienstleisters Data.ai betrachtete die wirtschaftliche Entwicklung des ersten Quartals 2022. Auf der Basis der Ergebnisse formulierten die Wirtschaftsexperten des Dienstleistungsunternehmens eine Prognose für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres 2022, der ein positives Bild für die Gaming-Branche zeichnet.
Wie das Internetportal onetoone.de zitiert, soll die Branche weltweit bis zum Ende des Jahres ein Umsatzvolumen von rund 222 Milliarden Dollar erreichen. Das Mobile Gaming darf auch in der nahen Zukunft als starker Motor für die gesamte Branche fungieren. Noch in diesem Jahr soll der Teilbereich ein Umsatzvolumen von 136 Milliarden Dollar erreichen und damit den mit Abstand größten Marktanteil repräsentieren. Das entspricht, so Data.ai, ein 1,7 mal schnelleres Wachstum als es für den gesamten Gaming-Markt angenommen werden kann. Das Mobile Gaming bleibt also ein wesentlicher Treiber für die Entwicklung der Branche.
Immer mehr Gamer*innen in Deutschland
Das starke Wachstum des Gaming-Marktes ist nicht nur am wachsenden Konsum der bestehenden Gamer-Community festzumachen, sondern auch an der Tatsache, dass die Zahl der Gamer*innen in Deutschland Jahr für Jahr größer wird. Nach Angaben von GAME ist das Wachstum insbesondere in den letzten beiden Jahren zu verzeichnen. 2021 gaben 6 von 10 Befragten zwischen 6 und 69 Jahren an, regelmäßig zu einem Videospiel zu greifen. Das entspricht einem Anteil von fast 60 Prozent.
Das wachsende Interesse der Deutschen an Videospielen führen Branchenexperten unter anderem auch auf die höhere Verfügbarkeit von Spieleangeboten über mobile Endgeräte zurück. Auch dieser Aspekt der Marktentwicklung scheint also unmittelbar mit dem Boom im Bereich Mobile Gaming in Zusammenhang zu stehen. Über das Smartphone, das in nahezu allen Altersgruppen zu einem ständigen Begleiter im Alltag geworden ist, greifen Erhebungen zufolge auch ältere Generationen immer häufiger auf Videospiele zu und erweitern damit den Kreis der Gamer*innen.
Die wichtigste Zielgruppe der Branche bleibt aber die Generation Z, die zwischen 1997 und 2012 geboren wurden und mit digitalen Unterhaltungsformen wie dem Gaming aufgewachsen sind. Als Digital Natives prägen virtuelle Angebote ihren Alltag weitaus stärker als dies in früheren Generationen der Fall war. Deshalb ist ihr Konsumverhalten ein wesentlicher Einflussfaktor für den Gaming-Markt.


