Preisrückgang in der Rückversicherungsbranche trübt Marktstimmung
Der Rückversicherer Hannover Rück steht vor der Herausforderung fallender Preise, ähnlich wie der Branchenprimus Munich Re. Bei der jüngsten Runde der Vertragserneuerungen erlebte Hannover Rück eine Abnahme der Preise um fast drei Prozent, wenn man Inflation und geänderte Risiken berücksichtigt. Der neue Vorstandsvorsitzende Clemens Jungsthöfel bleibt jedoch optimistisch und sieht das Unternehmen trotz der schwierigen Marktlage auf Kurs, ein Rekordergebnis von etwa 2,4 Milliarden Euro in diesem Jahr zu erzielen. An der Börse war die Stimmung verhaltener: Die Aktie der Hannover Rück verlor am Nachmittag 2,2 Prozent und gehörte damit zu den schlechtesten Performern im Dax. Analyst Mandeep Jagpal von der RBC sieht den Rückgang als erwartbar an, da die Papiere im Branchenvergleich nach wie vor mit einem Premium gehandelt werden. Im zweiten Quartal erzielte die Hannover Rück einen Gewinnzuwachs von 38 Prozent auf 833 Millionen Euro, über den Erwartungen der Analysten. Nach sechs Monaten steht ein Gewinn von rund 1,3 Milliarden Euro zu Buche. Dies trotz erheblicher Rückstellungen für Schäden durch die verheerenden Waldbrände in Los Angeles. Neben den Naturkatastrophen lasteten auch der Brand einer Ölraffinerie in Texas, das Erdbeben in Myanmar und Tornados im Mittleren Westen mit insgesamt 185 Millionen Euro schwer auf dem Unternehmen. Der Gesamtschaden des ersten Halbjahres beläuft sich auf 976 Millionen Euro und übertrifft das geplante Budget. Die Zeiten ständiger Preiserhöhungen scheinen für Rückversicherer wie Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück vorläufig beendet, da Erstversicherer wie Allianz und Generali zunehmend auf Risikovermeidung bedacht sind. An den Neuverhandlungsterminen im Juni und Juli reduzierte Hannover Rück ihr Geschäft um 2,1 Prozent, wobei insbesondere das Nordamerikageschäft betroffen war. Jungsthöfel sieht dennoch zuversichtlich auf die zukünftigen Marktentwicklungen, während der neue Finanzvorstand Christian Hermelingmeier weiterhin attraktive Preise für Rückversicherer sieht. Insgesamt betrug der Preisrückgang seit Jahresbeginn bei Hannover Rück etwas über zwei Prozent, während Munich Re einen bereinigten Rückgang von nur 1,2 Prozent verzeichnete.

