Politisches Neuland in Japan: LDP und Ishin formen ungewöhnliches Bündnis
In Japan sorgt eine politische Neuentwicklung für Aufsehen: Die konservative Regierungspartei LDP hat sich mit der ebenfalls konservativen, aber neoliberal geprägten Oppositionspartei Ishin zusammengeschlossen. Diese Allianz ebnet den Weg für die Wahl von Sanae Takaichi zur ersten Regierungschefin des Landes. Obwohl die LDP gemeinsam mit der Ishin-Partei die Parlamentsmehrheit knapp verfehlt, ist es unwahrscheinlich, dass sich die übrigen Oppositionsparteien auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen.
Der Anstoß für diese Neuausrichtung war der Rücktritt des bisherigen LDP-Vorsitzenden Shigeru Ishiba, der nach den kürzlichen Wahlniederlagen seiner Partei die Verantwortung übernahm. Takaichis Antritt als LDP-Chefin führte zum Austritt der Komeito aus der Regierungskoalition nach 26 Jahren. Mit Ishin als neuem Partner muss die LDP nun als Minderheitsregierung agieren.
Die neue Allianz zwischen LDP und Ishin geht ebenfalls mit dem Ziel einher, bedeutende politische Reformen voranzutreiben. Dazu gehört die potenzielle Revision von Japans Verfassungsartikel 9, der derzeit die sicherheitspolitische Haltung des Landes prägt. Zudem planen beide Parteien, die Einwanderungsgesetze zu verschärfen und die Zahl der Einwohner ohne japanische Staatsbürgerschaft zu begrenzen. Ein weiterer Reformpunkt, den Ishin vehement unterstützt, ist das Verbot von Firmenspenden an politische Parteien und Akteure sowie eine umfassende Reform des Sozialsystems.
Während Ishin sich gegenüber der LDP annähert, versucht sie gleichzeitig, für die wachsende Zahl der kritischen Wähler attraktiv zu bleiben. Medienberichten zufolge wird es zwar eine Koalition geben, doch beabsichtigt Ishin zunächst, keine Ministerposten zu übernehmen. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Parteien bleibt folglich auf einem unsicheren Fundament.

