Politik, Preise und Perspektiven: Landwirte drängen auf Veränderungen zur Grünen Woche
Ein Jahr nach den lautstarken Protesten der Bauern auf Deutschlands Straßen stehen die Landwirte erneut im Zentrum der politischen Diskussionen, diesmal zur Grünen Woche in Berlin. Angesichts des Bundestagswahlkampfs fordert Bauernpräsident Joachim Rukwied einen grundlegenden Wandel in der Agrarpolitik.
Trotz des Jahresauftakts der Ernährungsbranche bleibt die wirtschaftliche Lage für die Landwirte herausfordernd. Besonders der Einbruch der Getreidemärkte bereitet Sorgen, während auch die Schweinehaltung unter fallenden Preisen leidet. Lediglich der Milchsektor bietet derzeit einen kleinen Lichtblick.
Die finanzielle Lage der Betriebe zeigt sich ebenfalls angespannt. Nach einem Rekordjahr sind die Gewinne um 29 Prozent zurückgegangen, sodass viele Landwirte mit hohen Kosten für Energie, Dünger und Pflanzenschutz zu kämpfen haben. Trotz guter Startbedingungen für den etwas in Vergessenheit geratenen Winterweizen bleibt die Unsicherheit bestehen, was die kommenden Monate bis zur Ernte im Juli wohl bringen mögen.
Die politische Bühne zur Agrarmesse, die bis zum 26. Januar stattfindet, wird intensiv genutzt. Insgesamt präsentieren sich 1.500 Aussteller aus knapp 60 Ländern. Für Cem Özdemir, der sich als Agrarminister verabschiedet, ist die Messe zugleich Anlass zur Rückbesinnung auf die Bedeutung heimischer Lebensmittelproduktion.
Angesichts kontroverser Politiken wie dem Wegfall von Steuervergünstigungen beim Agrardiesel bleibt der Gesprächsbedarf hoch. Rukwied appelliert an die künftige Regierung, nicht nur oberflächliche Änderungen vorzunehmen, sondern stattdessen unternehmerische Freiheiten zu stärken und 'bürokratische Fesseln' zu lockern.
Die Union hat nach der Wahl angekündigt, strategische Fehler, etwa bei der Agrardiesel-Thematik, revidieren zu wollen. Auch die Kunden der Supermärkte werden in die Pflicht genommen: Der Appell lautet, bei Lebensmitteln nicht nur auf den Preis zu achten, sondern auch verstärkt heimische Produkte zu unterstützen. Dies soll sich in faireren Preisen widerspiegeln, von denen auch die bäuerlichen Produzenten profitieren.
Im Bereich Bio-Lebensmittel zeichnet sich trotz Inflation eine positive Entwicklung ab, erklärt Rukwied. Doch das Ziel der Regierung, bis 2030 einen Bio-Anteil von 30 Prozent der Agrarflächen zu erreichen, scheint noch weit entfernt. Letztlich werden es die Verbraucher an der Ladentheke entscheiden.

