Stärkung der Bundeswehr

Pistorius legt erste Militärstrategie vor: mehr Bundeswehr

22. April 2026, 12:09 Uhr · Quelle: dpa
Verteidigungsminister stellt deutsche Militärstrategie vor
Foto: Kay Nietfeld/dpa
Verteidigungsminister Pistorius stellte in Berlin die erste deutsche Militärstrategie vor.
Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat sich die Sicherheitslage geändert. Streit mit den USA und nun der Iran-Krieg kamen dazu. Deutschland steckt den militärischen Kurs neu ab.

Berlin (dpa) - Mehr Soldaten, weitreichende Hightech-Waffen, Beobachtung aus dem All: Verteidigungsminister Boris Pistorius hat eine Militärstrategie vorgelegt, die die Bundeswehr für mehr Abschreckung und notfalls auch den Abwehrkampf gegen Russland bereit machen soll. «Der Aufwuchs ist der wesentliche Schlüssel für die Maximierung unserer Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit», sagte der SPD-Politiker zu den Plänen. Diese sehen auch insgesamt mindestens 460.000 Männer und Frauen in der stehenden Truppe sowie eine voll ausgestattete Reserve vor.

Pistorius legte in Berlin mehrere Grundsatzdokumente vor, die in Details zu Waffensystemen und der künftigen Struktur der Bundeswehr weitgehend geheim bleiben. Mit der ersten Militärstrategie der Bundeswehr überhaupt wird die Bedrohung benannt. Ein Plan für die Streitkräfte («Fähigkeitsprofil») beschreibt, was die Streitkräfte für die Aufgabe benötigen. Er informierte auch über eine Strategie der Reserve sowie eine sogenannte Entbürokratisierungsagenda.

Die Militärstrategie beschreibt Russland als absehbar größte Bedrohung für die Sicherheit in Europa. «Es bereitet sich durch seine Aufrüstung auf eine militärische Auseinandersetzung mit der Nato vor und sieht den Einsatz militärischer Gewalt als legitimes Instrument zur Durchsetzung seiner Interessen», schreibt der Minister in einem Begleittext zu dem Dokument.

Er bekräftigt: «Wir entwickeln die Bundeswehr zur konventionell stärksten Armee Europas. Kurzfristig erhöhen wir unsere Verteidigungs- und Durchhaltefähigkeit, mittelfristig streben wir einen deutlich übergreifenden
Fähigkeitszuwachs an und langfristig werden wir technologische Überlegenheit herstellen.»

Bedrohungslage: Russland schafft Voraussetzung für Angriff

Schwerpunkt der Militärstrategie ist es, Bedrohungen aus Russland zu begegnen. Das Land bewerte den Westen grundsätzlich als feindlich und stelle den Beitritt demokratischer Staaten zur Nato als Einkreisung dar. Eine Umkehr dieser Entwicklung sei für Moskau zentrales Ziel. 

Dazu wolle Russland den Zusammenhalt im Bündnis schwächen und eine Entkopplung der USA von Europa erreichen. Ziel sei ein Scheitern der Nato und die Ausweitung der russischen Einflusssphäre in Europa.

«Russland schafft die Voraussetzungen für einen militärischen Angriff auf Nato-Staaten», heißt es in einem Dokument zur Militärstrategie. Das Land führe bereits jetzt hybride Operationen gegen die Nato-Staaten durch, darunter auch Deutschland. 

Kriegsbild und Ableitungen für die Bundeswehr 

Informationshoheit, die Stabilität («Überlebensfähigkeit») der eigenen Systeme und Vernetzung werden über Sieg oder Niederlage entscheiden, so die deutschen Militärs. Dazu werden Eckpunkte genannt: 

Entgrenzung des Krieges: Staat, Wirtschaft und Bevölkerung sind Ziele. Die deutsche Gesellschaft wird in ihrer Gesamtheit bedroht. Der Gegner werde die Trennung von Heimat und Gefechtsfeld, zivil und militärisch, innerer und äußerer Sicherheit gezielt unterlaufen. 

Kriegsführung im Umbruch: Abschreckung und Kriegsvorbereitung finden mit modernsten Fähigkeiten statt. Ein Krieg selbst würde aber mit Mitteln und Verfahren aus Vergangenheit und Zukunft zugleich geführt. Eingesetzt werde Hochtechnologie wie Quantencomputing und Robotik wie auch Billigdrohnen. Die Bundeswehr soll Innovationen erheblich beschleunigen.

Transparentes Gefechtsfeld: Daten werden zur Waffe. Künstliche Intelligenz ergänzt und erweitert die Fähigkeiten des Menschen. Ziel der Bundeswehr müsse es sein, offensive und defensive Fähigkeiten auszubauen, insbesondere im All sowie im Cyber- und Informationsraum.

Wirkung auf weite Distanzen: Abstandsfähige Waffen potenzieren die Bedrohung auf dem Gefechtsfeld. Es gibt keine sicheren Rückzugsräume mehr. Die Bundeswehr soll selbst mehr weitreichende Präzisionswaffen bekommen. Entscheidend sei auch eine leistungs- und durchhaltefähige Luftverteidigung aller Reichweiten.

Effiziente Masse: Waffensysteme werden immer schneller und kostengünstiger produziert. Quantität wird zu einer eigenen Qualität. Die Bundeswehr soll sicherstellen, dass Hightech-Waffen in einem Krieg nicht gegen die Massenware des Gegners verbraucht werden.

Mehr Aufgaben innerhalb der Nato, Reserve «auf Augenhöhe»

Die USA bleiben politisch und durch ihre militärischen Fähigkeiten für die Nato essenziell. Die Bundeswehr soll aber vermehrt Lasten in der Allianz übernehmen. Das wird zum militärstrategischen Schwerpunkt erklärt. Weiter werde Deutschland über die nukleare Teilhabe einen Beitrag zur nuklearen Abschreckung der Nato leisten. 

Die Reserve wird als integraler Teil der Streitkräfte bewertet und soll damit zur Steigerung der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr beitragen. Auch nicht-aktive Verbände werden dafür voll ausgestattet, so das Papier. Pistorius sagte dazu: «Wir denken die Reserve neu. Künftig wird die Reserve eben nicht ausschließlich und temporär die aktive Truppe unterstützen, wenn es nötig ist. Nein, wir sehen die neue Reserve ausdrücklich auf Augenhöhe mit der aktiven Truppe.»

Verteidigung / Militär / Bundeswehr / Deutschland / Pistorius / Russland
22.04.2026 · 12:09 Uhr
[5 Kommentare]
Münchner Oktoberfest
München (dpa) - Ein Münchner Wirt greift die Vergabe der großen Oktoberfest-Zelte an – und stellt damit erstmals die bisherige Praxis grundsätzlich infrage. Der Gastronom will erreichen, dass sich die Stadt München bei der Zuteilung zweier zentraler Festzelte künftig nach europäischem Vergaberecht richten muss. Das würde eine EU-weite Ausschreibung der […] (00)
vor 5 Minuten
Kendall Jenner
(BANG) - Kendall Jenner und Jacob Elordi sind seit "ein paar Monaten" zusammen – und ihre Schwester Kylie Jenner hat die beiden zusammengebracht. Das 30-jährige Model und der 28-jährige Schauspieler aus 'Wuthering Heights' kennen sich schon seit Jahren, doch Jenner soll sich unsicher gewesen sein, ob ihre Beziehung in der "Freundschaftszone" bleiben […] (00)
vor 3 Stunden
Dreame Z30 Pro Aqua ab sofort erhältlich
Dreame Technology, ein weltweit führendes Unternehmen für smarte Haushaltstechnologie, gibt bekannt, dass sein neuester kabelloser Flaggschiff-Staubsauger, der Z30 Pro Aqua, ab sofort in Deutschland erhältlich ist. Als Zwei-in-Eins-Lösung konzipiert, kombiniert der Z30 Pro Aqua leistungsstarkes Trockensaugen mit fortschrittlichen […] (00)
vor 1 Stunde
Microsoft senkt Game Pass Preise, streicht aber Call of Duty – Day One Releases
Xbox Game Pass schlägt einen neuen Kurs ein, der sowohl den Geldbeutel schont als auch die Erwartungshaltung der Abonnenten radikal korrigiert. Während die monatlichen Gebühren für Ultimate und PC spürbar sinken, endet gleichzeitig eine Ära der prestigeträchtigen Day-One-Releases für die größte Shooter-Marke der Welt. Microsoft ordnet sein wichtigstes […] (00)
vor 16 Minuten
Shawn Levy
(BANG) - Shawn Levy glaubt, dass KI in Zukunft zu einem unverzichtbaren Werkzeug beim Filmemachen werden wird. Der 'Star Wars: Starfighter'-Regisseur ist der Ansicht, dass Filmemacher künstliche Intelligenz "begrüßen" sollten, anstatt sie zu "fürchten", doch hat er KI in seiner bisherigen Karriere als Geschichtenerzähler noch nicht "auf sinnvolle Weise" […] (00)
vor 3 Stunden
Sebastian Hoeneß und der VfB Stuttgart
Stuttgart (dpa) - Sebastian Hoeneß soll ein Gesprächsthema bei Real Madrid sein - doch die vagen Spekulationen ändern nichts an seinem vollen Fokus auf das DFB-Pokal-Halbfinale mit dem Sehnsuchtsort Berliner Olympiastadion. Die Gier, zum ersten Mal in der Vereinshistorie zweimal nacheinander das Finale zu erreichen, ist beim Titelverteidiger groß. Dem […] (00)
vor 14 Minuten
Viktor Orban
Brüssel (dpa) - Ungarn hat seine monatelange Blockade des geplanten milliardenschweren EU-Unterstützungspakets für die Ukraine aufgegeben. Die Regierung des scheidenden Ministerpräsidenten Viktor Orban trug in Brüssel eine Entscheidung mit, die ein Darlehen in Höhe von bis zu 90 Milliarden Euro ermöglichen soll, wie mehrere Diplomaten der Deutschen […] (00)
vor 33 Minuten
Outsourcing vs. Inhouse-Screening: Was sich für Schweizer Unternehmen wirklich rechnet
Zürich, 22.04.2026 (PresseBox) - Soll das Background-Screening intern aufgebaut oder an einen spezialisierten Provider ausgelagert werden? Diese Make-or-Buy-Entscheidung beschäftigt viele HR-Leitungen in der Schweiz. Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab – und die ehrliche Analyse zeigt: Für die meisten Unternehmen ist das Outsourcing die […] (00)
vor 1 Stunde
 
Iran
Washington/Teheran (dpa) - Kurz vor Ablaufen der Waffenruhe im Iran-Krieg hat US- […] (02)
Älteres Paar (Archiv)
Berlin - Etwa jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) hält die Aktivrente für ein […] (00)
Finanzamt (Archiv)
Berlin - In die Verhandlungen von Union und SPD über eine Steuerreform kommt […] (08)
Illegales Autorennen - Prozess
Köln (dpa) - Wegen eines Autorennens mit dem Tod von zwei Menschen als Folge sind […] (03)
Die Leverkusener werden von ihren Fans eingeschworen.
Leverkusen (dpa) - Nur ein Coup gegen die Münchner Übermacht und ein Pokalsieg können […] (07)
Céline Dion
(BANG) - Céline Dion hat erklärt, es sei "ein ganz besonderes Gefühl", endlich die […] (00)
Neue Zuschauer-Interaktion: «BTN» lässt über Baby-Namen abstimmen
Das Serienpaar Sara und Mike erwartet Nachwuchs, kann sich aber nicht auf einen Namen einigen - […] (00)
Der inflationsbedingte Ripple-Effekt Der Krieg im Iran, obwohl geografisch für viele […] (00)
 
 
Suchbegriff