Größer als seit zwölf Jahren – Bundeswehr wächst, doch der Weg zur Nato-Zielstärke bleibt weit
Deutlicher Anstieg der Truppenstärke
Die Bundeswehr hat Ende 2025 eine aktive Truppenstärke von 184.200 Soldatinnen und Soldaten erreicht – rund 3.000 mehr als ein Jahr zuvor. Damit ist die Armee so groß wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Verteidigungsminister Boris Pistorius wertet die Entwicklung als das „beste Einstellungsergebnis seit Aussetzung der Wehrpflicht“ und als Ausdruck wachsenden Vertrauens junger Menschen in die Streitkräfte.
Allein 2025 wurden mehr als 25.000 neue Soldaten eingestellt, ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders deutlich wuchs die Zahl der freiwillig Wehrdienstleistenden: von 10.300 im Jahr 2024 auf 12.200 – ein Zuwachs von über 18 Prozent. Das selbstgesteckte Ziel von 15.000 wurde allerdings verfehlt. Für 2026 strebt das Verteidigungsministerium 20.000 Freiwillige an.
Vertrauenssignal – aber noch keine Trendwende
Pistorius sieht in den Zahlen einen Stimmungsumschwung: Die Bereitschaft, Verantwortung für die äußere Sicherheit Deutschlands zu übernehmen, steige. Nach Jahren stagnierender oder rückläufiger Personalzahlen, trotz intensiver Werbekampagnen, ist der aktuelle Zuwachs tatsächlich ein Bruch mit dem bisherigen Trend. 2024 war die Truppenstärke noch leicht auf rund 181.150 gefallen.
Gleichzeitig bleibt die Fluktuation hoch. Rund ein Viertel der Rekruten bricht die Ausbildung vorzeitig ab. Die Bundeswehr setzt deshalb stärker auf realistische Erwartungshaltungen vor Dienstantritt, bessere heimatnahe Verwendungen, modernere Infrastruktur und attraktivere Ausbildungsmodelle. Zudem wurden etwa 8.500 Soldaten für eine Verlängerung ihrer Dienstzeit gewonnen – ein Plus von sechs Prozent.
Nato-Vorgaben als Maßstab
Trotz des Wachstums liegt die Bundeswehr weit unter dem, was aus Sicht der Nato erforderlich ist. Nach den aktuellen Verteidigungsplanungen soll die aktive Truppe bis Mitte der 2030er Jahre auf rund 260.000 Soldaten anwachsen. Hinzu kommt der Aufbau einer Reserve von etwa 200.000 Kräften, die vor allem aus dem neuen Wehrdienstmodell gespeist werden soll, dessen gesetzliche Grundlagen seit Anfang 2026 gelten.
Aus dem Verteidigungsministerium heißt es, die sicherheitspolitische Lage, die Abschreckungsanforderungen an der Nato-Ostflanke und die neuen Einsatz- und Bündnisverpflichtungen machten einen erheblich höheren Personalbedarf zwingend notwendig – ebenso wie massive Investitionen in Material und Infrastruktur.
Strukturprobleme bleiben
Ein strukturelles Problem bleibt die Altersstruktur. Die Zahl der Soldaten auf Zeit sank 2025 erneut auf 112.600. Frühere Berichte der Wehrbeauftragten warnten bereits, dass eine zu starke Fokussierung auf Vertragsverlängerungen statt auf junge Neueinstellungen langfristig zu einer Überalterung der Truppe führen könnte.
Der aktuelle Zuwachs ist daher ein positives Signal, aber noch keine nachhaltige Lösung. Die Bundeswehr gewinnt wieder an Attraktivität – doch um die Rolle als glaubwürdige Rückversicherung der Nato zu erfüllen, braucht sie in den kommenden zehn Jahren nicht nur mehr Soldaten, sondern auch einen stabilen, langfristigen Rekrutierungs- und Bindungserfolg.


