Peter Thiel wirft Nvidia aus dem Portfolio – was hinter dem radikalen Schritt steckt
Ein vollständiger Ausstieg zur Unzeit
Peter Thiel, Mitgründer von Palantir und PayPal, hat im dritten Quartal 2025 seine komplette NVIDIA-Position verkauft. Das geht aus einem 13F-Filing seines Hedgefonds Thiel Macro LLC hervor. Alle 537.742 Aktien wurden abgestoßen, ein Paket im Wert von rund 100 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig schrumpfte die Tesla-Position des Fonds um mehr als drei Viertel.
Der Verkauf fällt in eine Phase, in der NVIDIA auf Rekordniveau operiert: Erstmals überschritt die Marktkapitalisierung die Marke von fünf Billionen US-Dollar. Der Umsatz des Chipkonzerns sprang im letzten Quartal auf 46,7 Milliarden Dollar, getrieben vom KI-Hunger der globalen Rechenzentren. Analysten halten bis 2030 einen Jahresumsatz von einer Billion Dollar für denkbar.
Gerade in diesem Moment auszusteigen wirkt wie ein Widerspruch – es sei denn, man teilt Thiels Diagnose der aktuellen Marktpsychologie.
Thiels Misstrauen gegenüber der KI-Euphorie
Thiel hatte bereits früher vor einer Überhitzung des Marktes gewarnt. In einem Gespräch im Joe-Rogan-Podcast zog er Parallelen zur Dotcom-Blase von 1999: Eine revolutionäre Technologie, deren Potenzial langfristig außer Frage steht – deren heutige Bewertungen jedoch Erwartungen widerspiegeln, die erst in 15 bis 20 Jahren eintreten könnten.
Für ihn ist KI ein tiefgreifender, aber langsamer Umbauprozess. Der aktuelle Hype rund um reine Hardware-Wetten – wie den Kauf von NVIDIA-Aktien – sei aus seiner Sicht überzogen.
Auch Stimmen aus seinem Umfeld verstärken diese Lesart. Jack Selby, Managing Director bei Thiel Capital, sprach im Herbst 2025 von der wohl größten Blase in der Geschichte privater Tech-Investitionen. Der KI-Boom könne in einem „Blutbad“ enden – Selby verwies dabei auf OpenAI, das seine Kostenschätzungen innerhalb eines Jahres um 250 Prozent anheben musste. Wäre das Unternehmen börsennotiert gewesen, so Selby, hätte der Markt vermutlich mit einem Abriss von 90 Prozent reagiert.
Ein radikaler Kurswechsel im Portfolio
Der Verkauf der NVIDIA-Aktien war Teil einer umfassenden Bereinigung. Thiel Macro LLC reduzierte das Gesamtportfolio im dritten Quartal um rund zwei Drittel – von 212 Millionen US-Dollar auf 74,4 Millionen Dollar. Übrig blieben drei Kernpositionen: Apple, Microsoft und ein reduzierter Tesla-Anteil.
Thiels Botschaft dahinter ist klar: Er setzt auf diversifizierte Tech-Giganten mit Cloud-Infrastruktur, Softwareerlösen und stabilen Cashflows. Unternehmen also, die nicht ausschließlich vom nächsten KI-Silizium abhängen, sondern auf breiter Grundlage wachsen können.
Der Schritt reiht sich ein in eine Serie prominenter Positionswechsel. Michael Burry, bekannt geworden durch „The Big Short“, wettet gegen NVIDIA. Softbank trennte sich im Oktober von mehr als fünf Milliarden Dollar an NVIDIA-Aktien. Eine Auswertung von 909 Hedgefonds zeigt zudem ein Gleichgewicht zwischen jenen, die NVIDIA aufstocken, und solchen, die reduzieren.
Was Thiels Ausstieg bedeutet
Der Markt muss entscheiden, ob Thiels Skepsis frühzeitige Weitsicht ist oder eine verpasste Chance. Ein Punkt ist jedoch unbestreitbar: Wenn einer der einflussreichsten Investoren des Silicon Valley mitten im KI-Rausch seine NVIDIA-Chips vom Tisch nimmt, beobachten das andere sehr genau.


