Vatikan

Papst setzt sich gegen Trump zur Wehr

13. April 2026, 19:40 Uhr · Quelle: dpa
Leo XIV. in Afrika
Foto: Andrew Medichini/AP/dpa
Zum Auftakt einer Afrika-Reise wurde Papst Leo XIV. von Kritik aus dem Weißen Haus überrascht.
Zum Auftakt einer Afrika-Reise wird Leo XIV. von einer Breitseite aus dem Weißen Haus überrascht. Ungewöhnlich ist auch sein Konter. Das Verhältnis zum US-Präsidenten gilt schon lange als gespannt.

Algier (dpa) - Papst Leo XIV. hat nach massiver Kritik von Donald Trump deutlich gemacht, dass er sich vom US-Präsidenten nicht einschüchtern lassen will. Zum Auftakt seiner bislang längsten Auslandsreise durch vier afrikanische Staaten sagte der erste Pontifex aus den Vereinigten Staaten: «Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung.» Zuvor hatte ihm der US-Präsident vorgeworfen, eine «schreckliche» Außenpolitik zu betreiben. Offensichtlich hatte sich Leo mit seinen wiederholten Appellen für ein Ende der aktuellen Kriege den Zorn des Weißen Hauses zugezogen.

Auf dem Flug von Rom nach Algerien, der ersten Station seiner Afrika-Reise, entgegnete das Oberhaupt der katholischen Kirche, er sei «kein Politiker». «Was ich sage, ist keineswegs als Angriff auf irgendjemanden gemeint. Ich lade alle Menschen dazu ein, Brücken für Frieden und Versöhnung zu bauen und nach Wegen zu suchen, um Krieg zu vermeiden.» Leo äußerte sich bei einem Rundgang durch das Flugzeug, bei dem normalerweise nur einige freundliche Worte mit den mitreisenden Journalisten ausgetauscht werden.

Papst: «Selig sind die Friedfertigen»

Die Äußerungen des Papstes sind ebenso ungewöhnlich wie die öffentliche Kritik durch einen US-Präsidenten - zumal sich Trump und andere Mitglieder der US-Regierung immer wieder auf den christlichen Glauben berufen. Ohne unmittelbar Bezug darauf zu nehmen oder gar Namen zu nennen, sagte Leo: «Ich glaube nicht, dass die Botschaft des Evangeliums dazu gedacht ist, so missbraucht zu werden wie manche Menschen es tun.» An anderer Stelle ergänzte er: «Die Botschaft des Evangeliums ist ganz klar: "Selig sind die Friedfertigen."» Das Bibel-Zitat stammt aus der Bergpredigt.

Der US-Präsident hatte dem Pontifex kurz vor dessen Abflug vorgeworfen, eine «schreckliche» Außenpolitik zu betreiben. Auf der Plattform Truth Social schrieb Trump, Leo sei nur ins Amt gekommen, weil man gehofft habe, dass ein Papst aus den USA besser mit ihm umgehen könne. «Wenn ich nicht im Weißen Haus wäre, wäre Leo nicht im Vatikan.» 

Er wolle keinen Papst, der es in Ordnung finde, dass der Iran eine Atomwaffe besitze oder den Einsatz des US-Militärs gegen Venezuela schrecklich finde. Leo solle sich «zusammenreißen» und «gesunden Menschenverstand» benutzen. Kurz darauf veröffentlichte Trump auf seinem Konto eine Art Gemälde - vermutlich KI-generiert -, das ihn als Heiland zeigt, mit Kampfflugzeugen und einer riesigen US-Flagge im Hintergrund. 

Später versuchte Trump, die massive Kritik an dem Selbstbildnis als Jesus herunterzuspielen. «Ich dachte, es zeige mich als Arzt», sagte er vor Journalisten im Weißen Haus. Er sei davon ausgegangen, dass er als «Mitarbeiter des Roten Kreuzes» dargestellt worden sei. Der Beitrag wurde nach einigen Stunden von seinem Konto gelöscht. Kritiker warfen dem Präsidenten Blasphemie vor. 

Noch kein Termin für Reise in die Heimat USA

Erst am Wochenende hatte Leo wieder verlangt, die aktuellen Kriege zu beenden - nicht nur in der Ukraine oder im Nahen Osten, sondern auch anderswo. An die Regierenden richtete er einen direkten Appell: «Haltet ein! Es ist Zeit für den Frieden!» Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist der Papst mit Kritik an den USA deutlicher geworden. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete es als richtig, dass Leo jede Form des Kriegs verurteile. Trumps Kritik sei «nicht akzeptabel».

Das Verhältnis zwischen dem Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken und dem US-Präsidenten gilt bereits seit längerer Zeit als angespannt. Gleich nach seiner Wahl im Mai vergangenen Jahres war Leo als «Anti-Trump» bezeichnet worden. Seither wird immer wieder über eine Reise des ersten US-Papstes in seine Heimat und auch nach Washington spekuliert. Dafür gibt es schon eine Einladung, aber noch keinen Termin.

Stattdessen führt die erste große «eigene» Reise den Papst nun nach Afrika. Ein Besuch in der Türkei und im Libanon Ende vergangenen Jahres war noch von seinem verstorbenen Vorgänger Franziskus geplant worden. In Algeriens Hauptstadt Algier wurde der Pontifex von Präsident Abdelmadjid Tebboune empfangen. Anschließend besuchte er dort die Große Moschee und hielt einen Gottesdienst ab. Weitere Stationen sind Kamerun, Angola und Äquatorialguinea.

Mehr Katholiken in Afrika als in Europa

Die Suche nach Frieden wird Thema der gesamten Afrika-Reise sein, ebenso wie die Verständigung mit dem Islam. In Algerien - einem muslimisch geprägten Land - war bislang noch nie ein Papst zu Besuch. Von den annähernd 47 Millionen Einwohnern sind nur etwa 9.000 Katholiken. Der Islam ist Staatsreligion. Immer wieder gibt es Konflikte.

In Afrika waren in den vergangenen Jahrzehnten Päpste immer wieder zu Besuch. Der Kontinent gehört zu den Weltregionen, in denen die katholische Kirche wächst. Aktuell leben dort etwa 290 Millionen Katholiken - inzwischen sogar mehr als in Europa. Weltweit kommen aus Afrika inzwischen etwa ein Fünftel (20,3 Prozent) aller Katholiken.

Kirche / Religion / Krieg / Konflikte / Vatikan / USA / Algerien
13.04.2026 · 19:40 Uhr
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