Nach Missbrauchsgutachten

Papst Benedikt XVI. entschuldigt sich und streitet ab

08. Februar 2022, 18:00 Uhr · Quelle: dpa
Auf diese Stellungnahme haben viele Katholiken in Deutschland gewartet: Joseph Ratzinger äußert sich zu Vorwürfen aus dem Münchner Missbrauchsgutachten. Enttäuschung oder «Befreiungsschlag»?

Rom/München (dpa) - Wochenlang mussten die Katholiken in Deutschland auf eine Stellungnahme ihres bayerischen Papstes Benedikt XVI. zu den Vorwürfen aus dem Münchner Missbrauchsgutachten warten.

Jetzt ist sie da: Der emeritierte Papst hat Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche zwar ganz generell - wie auch schon in der Vergangenheit - um Verzeihung gebeten. Konkrete Vertuschungsvorwürfe gegen sich aber weist er entschieden zurück und sein Anwalt erhebt schwere Vorwürfe gegen das Münchner Gutachter.

«Ich habe in der katholischen Kirche große Verantwortung getragen. Umso größer ist mein Schmerz über die Vergehen und Fehler, die in meinen Amtszeiten und an den betreffenden Orten geschehen sind», schreibt der 94-Jährige in der mit Spannung erwarteten Stellungnahme, die der Vatikan veröffentlichte und die sein Privatsekretär Georg Gänswein in einem Youtube-Video vorlas. Er wolle seine «tiefe Scham», seinen «großen Schmerz» und seine «aufrichtige Bitte um Entschuldigung gegenüber allen Opfern sexuellen Missbrauchs zum Ausdruck bringen».

Die Reaktionen darauf reichen von Wut und enttäuschter Kritik bis hin zur Konstatierung eines «Befreiungsschlags». Anders als die zuvor schon von Gänswein veröffentlichte knappe Stellungnahme zum Münchner Gutachten trage diese nun die Handschrift des emeritierten Papstes, sagte Pater Hans Zollner, Mitglied der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen. «Das ist jetzt er.»

«Betroffene können es nicht mehr hören»

Der Brief spiegele Benedikts Umgang mit dem Thema Missbrauch wider. Denn er bedanke sich zunächst bei seinen Freunden - und erst dann seien die Betroffenen an der Reihe. Er stelle seine Erklärung in einen großen theologischen Rahmen, ohne auf Details einzugehen. Die Betroffeneninitiative «Eckiger Tisch» zeigte sich regelrecht wütend: «Für Betroffene sind diese Art von «Entschuldigungen» wirklich schwer erträglich», hieß es in einer Mitteilung. ««Schmerz und Scham» - Betroffene können es nicht mehr hören.»

Diese Vorwürfe werden in einem ebenfalls veröffentlichten «Faktencheck» von Ratzingers Anwälten und Beratern kategorisch abgestritten. «Das Gutachten enthält keinen Beweis für einen Vorwurf des Fehlverhaltens oder der Mithilfe bei einer Vertuschung», heißt es darin. «Als Erzbischof war Kardinal Ratzinger nicht an einer Vertuschung von Missbrauchstaten beteiligt.»

Papst-Anwalt kritisiert Münchner Missbrauchsgutachten

Einer seiner Anwälte, der Kölner Jurist Carsten Brennecke, der sich schon beim geplanten, aber nie veröffentlichten Kölner Gutachten mit der Kanzlei WSW angelegt hatte, kritisierte die Münchner Missbrauchsstudie scharf. «Die Indizienlage ist so dünn, dass man daraus keinesfalls eine Verurteilung ableiten kann», sagte er dem «Spiegel». Die Unschuldsvermutung gelte «für jeden Menschen, also auch für den Papst.» WSW wies die Kritik entschieden zurück und nannte die Vorwürfe «unbegründet».

In einer bemerkenswert knappen Stellungnahme begrüßte der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx zwar, dass sein «Vor-Vorgänger» sich äußere - stellte sich aber gleichzeitig hinter die von ihm beauftragten Gutachter und betonte, er nehme die Studie «sehr ernst».

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller nennt Benedikts Erklärung unzureichend. «Was fehlt aber? Dass er sagt: «Ich entschuldige mich und ich übernehme Verantwortung für die schlimmen Fehler, die in Sachen Umgang mit sexuellem Missbrauch in meiner Zeit als Erzbischof von München-Freising gemacht wurden»», sagte Schüller der Deutschen Presse-Agentur. Benedikt spreche zwar von Fehlern und Vergehen, aber er rechne sie sich nicht selbst an. «So als hätten anonym bleibende Mächte und Gewalten im Erzbistum München-Freising diese Fehler gemacht, nicht aber er.»

Ganz anders sieht das der Theologe, Psychiater und Bestsellerautor Manfred Lütz («Irre! Wir behandeln die Falschen»). Er nennt die - aus seiner Sicht etwas spät abgegebene - Erklärung einen «Befreiungsschlag»: «Papst Benedikt übernimmt ohne Wenn und Aber die sozusagen politische Verantwortung für das, was in seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising dort an Schrecklichem geschehen ist», sagte Lütz der dpa. Man dürfe nun «gespannt sein, ob eine Öffentlichkeit, die gerade Prominente liebend gerne vernichtet, dem 94-jährigen Mann jetzt Absolution erteilt.»

Für den theologischen Leiter des Benedikt-Geburtshauses in Marktl am Inn, Franz Haringer, ist die Stellungnahme des Ex-Pontifex «menschlich und geistlich tief bewegend». Ratzinger habe «Gewissenserforschung betrieben». «Dieselbe Haltung wünsche ich mir von manchen, die in den letzten Tagen harsche und vorschnelle Urteile über ihn gefällt haben.»

«Es war und bleibt eine Unwahrheit»

Besonders harte Kritik hatte es in den vergangenen Wochen wegen einer Falschaussage des emeritierten Papstes über seinen Teilnahme an einer Sitzung gegeben, in der es um einen Missbrauchtäter ging, der später wieder rückfällig wurde. Bei seiner Stellungnahme für das Gutachten habe ihm «eine kleine Gruppe von Freunden» geholfen. Die falsche Angabe, er sei nicht bei der fraglichen Sitzung gewesen, beruhe auf einem Missverständnis, so Benedikt. Es sei ein Versehen, der Fehler «nicht beabsichtigt» gewesen - und «so hoffe ich, auch entschuldbar», schreibt Benedikt. «Dass das Versehen ausgenutzt wurde, um an meiner Wahrhaftigkeit zu zweifeln, ja, mich als Lügner darzustellen, hat mich tief getroffen.»

Damit spiele Benedikt eine Falschaussage zur Bagatelle herunter, kritisiert Schüller: «Es war und bleibt eine Unwahrheit, die er mit seiner Unterschrift zu verantworten hat.»

In seinem Brief bittet Ratzinger die Gläubigen, für ihn zu beten: «Immer mehr verstehe ich die Abscheu und die Angst, die Christus auf dem Ölberg überfielen, als er all das Schreckliche sah, das er nun von innen her überwinden sollte», schreibt er. «Dass gleichzeitig die Jünger schlafen konnten, ist leider die Situation, die auch heute wieder von neuem besteht und in der auch ich mich angesprochen fühle.»

Kirche / Kriminalität / Deutschland / Bayern / Vatikan
08.02.2022 · 18:00 Uhr
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Gregor Kobel (Archiv)
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