OpenAI übernimmt Hardware-Start-up von Jony Ive – 6,4 Milliarden Dollar für die Post-Smartphone-Zukunft
OpenAI investiert 6,4 Milliarden US-Dollar in die vollständige Übernahme von io, dem Hardware-Start-up des früheren Apple-Designchefs Sir Jony Ive. Der Deal – ein reines Aktiengeschäft – bewertet das Unternehmen mit Sitz in Kalifornien deutlich höher als vergleichbare Deep-Tech-Initiativen und gilt als strategischer Vorstoß in die Ära jenseits des Smartphones.
Bereits zuvor hielt OpenAI rund 23 Prozent an dem Unternehmen. Mit der vollständigen Akquisition wechseln nun 55 Mitarbeiter zu OpenAI. Ive selbst wird kein Angestellter, bleibt dem Unternehmen aber als Berater eng verbunden. Parallel führt er sein eigenes Designstudio LoveFrom weiter, das mit Kunden wie Ferrari zusammenarbeitet.
OpenAI-Gründer Sam Altman sieht in der Übernahme einen Wendepunkt: Ziel sei es, eine „Produktfamilie für das Zeitalter künstlicher allgemeiner Intelligenz (AGI)“ zu entwickeln. Man wolle „komplett neu denken, was ein Computer sein kann“, sagte Altman. Ive soll eine zentrale Rolle bei Design und Konzepten spielen und seine jahrzehntelange Erfahrung aus der Apple-Ära einbringen – dort verantwortete er unter anderem iPhone, iPod, MacBook und Apple Watch.
Die strategische Stoßrichtung ist klar: Weg vom Touchscreen, hin zu KI-gesteuerten Geräten, die Sprachsteuerung und generative Modelle nutzen. Erste Experimente in dieser Richtung, wie das KI-Pin von Humane, scheiterten zuletzt am Markt. Doch OpenAI will nicht einfach eine Alternative zum Smartphone liefern – laut einem Insider arbeite man an „etwas völlig anderem … einer neuen Oberfläche“.
Die Übernahme fällt in eine Phase intensiver Neuorientierung der Hardwarebranche. Apple selbst hat im Dezember ChatGPT in Siri integriert, verfolgt jedoch parallel eigene KI-Initiativen. Auch intern scheint Apple seine langfristige Produktstrategie zu hinterfragen: „In zehn Jahren brauchen Sie vielleicht kein iPhone mehr“, sagte Apple-Servicechef Eddy Cue kürzlich vor Gericht.
Ive äußerte sich kürzlich kritisch zu den gesellschaftlichen Nebenwirkungen des Smartphones – etwa durch soziale Medien. Mit io hatte er bewusst ein Projekt gestartet, das Alternativen zur heutigen Bildschirmzentrierung entwickeln soll. Für OpenAI markiert der Schritt den Beginn einer vertieften Verschmelzung von KI und Hardware – mit dem Anspruch, erneut ein ikonisches Gerät zu schaffen.

