Obama vor schweren Zeiten

03. November 2010, 22:27 Uhr · Quelle: dpa

Washington (dpa) - Zäsur für den Präsidenten: Drastische Verluste bei den US-Kongresswahlen machen das Regieren für Barack Obama künftig zum Kraftakt.

Knapp zwei Jahre nach Obamas triumphalem Einzug ins Weiße Haus eroberten die Republikaner die Mehrheit im Abgeordnetenhaus und können damit künftig Gesetzesvorhaben des Regierungslagers torpedieren. Zwar gelang es den Demokraten, im Senat die Oberhand zu behalten - dennoch sprechen Experten von historischen Verlusten.

Der Präsident übernahm am Mittwoch die Verantwortung für die herbe Schlappe seiner Partei. Zugleich bot er den Republikanern eine enge Zusammenarbeit an. «Wir müssen gemeinsame Grundlagen finden, um Fortschritte zu erzielen», sagte Obama im Weißen Haus. Beide Seiten müssten das Parteiengezänk hinter sich lassen. Zugleich räumte er ein, dass dies nicht einfach werde. «Ich will nicht so tun, als könnten wir jede Differenz überwinden oder jeden Streitpunkt auflösen.» Keine Seite dürfe der anderen etwas diktieren.

Dagegen signalisierten die Republikaner, bei denen viele Kandidaten der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung gewählt wurden, dass sie weiter auf Konfrontation setzen wollen. Obama sei gescheitert, sagte der künftige republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Eric Cantor. «Die Menschen wollen wieder eine Regierung, die ihnen zuhört.» Die Republikaner fordern drastisches Sparen, Verringerung der Staatseingriffe und Abstriche bei der Gesundheitsreform, dem Herzstück der Obama-Reformen.

Trotz der Niederlage für den Präsidenten rechnen Regierungen weltweit mit Kontinuität in der US-Außenpolitik. Politiker und Experten erklärten, dass von Washington ein fester Kurs in vielen internationalen Fragen zu erwarten sei - etwa im Nahost-Konflikt oder in Afghanistan. Allerdings zeichnet sich jetzt ein Tauziehen um die Ratifizierung des START-Vertrages ab. Der außenpolitische Ausschuss der Staatsduma in Russland beschloss nach der US-Wahl überraschend, eine Empfehlung vom Juli zur offiziellen Billigung des Abrüstungsvertrages mit den USA zurückzuziehen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) appellierte an die neue Mehrheit im US-Repräsentantenhaus, den von Obama eingeschlagenen Kurs der nuklearen Abrüstung fortzusetzen. «Wir dürfen nicht zurückfallen in eine Rhetorik der Aufrüstung», sagte Westerwelle in Berlin.    

Zudem wird in Berlin erwartet, dass die Verhandlungen über die internationalen Klimaschutzabkommen durch die neue Machtverteilung in Washington erheblich schwieriger werden könnten. Dies gelte auch für Wirtschaftsabkommen, die Arbeitsplätze in den USA gefährden könnten. Es könne zu mehr Protektionismus kommen, hieß es.

Obama selbst räumte am Mittwoch ein, dass er sein geplantes Klimaschutzgesetz mit drastischen Obergrenzen für den Ausstoß von Treibhausgasen während seiner laufenden Amtszeit wohl nicht mehr verwirklichen könne. Zugleich machte er deutlich, grundsätzlich offen für Modifizierungen seiner Gesundheitsreform zu sein, wenn die Republikaner sinnvolle Ideen zur Verbesserung hätten.

Nach Angaben des TV-Senders CNN ist der Sieg der Republikaner der höchste Zugewinn einer Partei im Abgeordnetenhaus seit 1948. Nach dem Stand vom Mittwochnachmittag (Ortszeit) legten die Republikaner nach übereinstimmenden Berechnungen von US-Medien 60 Sitze zu. Sie kamen auf 239 Mandate, die Demokraten auf 185. 11 Rennen waren noch unentschieden. Analysten sprachen von einem grandiosen Comeback der Republikaner, die nach Obamas Einzug ins Weiße Haus vor zwei Jahren in eine tiefe Krise gestürzt waren.

Im Senat brachten es die Demokraten auf 51 Mandate unter Einschluss von 2 Unabhängigen, die mit ihnen eine Fraktionsgemeinschaft bilden. Die Republikaner erreichten 46 Mandate. Drei Rennen waren noch offen - in Alaska, Washington und Colorado. Allerdings galt ein republikanischer Sieg in Alaska als wahrscheinlich. Bislang gehörten dem Senat 57 Demokraten plus 2 Unabhängige sowie 41 Republikaner an.

Mehrere prominente Kandidaten der rechtspopulistischen Tea-Party- Bewegung konnten sich bei der Wahl für die Republikaner durchsetzen. Einige mussten aber auch Niederlagen hinnehmen. Christine O'Donnell, die Senkrechtstarterin der ultrakonservativen Bewegung, scheiterte bei der Senatswahl in Delaware. Sie hatte nach eigenen Angaben früher mit Hexenkraft experimentiert, Sex außerhalb der Ehe und Masturbation als Sünde verdammt und die Gesundheitsreform von Präsident Obama als Verbrechen bezeichnet. Zwei Tea-Party-Kandidaten schafften den Sprung in den Senat: Marco Rubio in Florida und Rand Paul in Kentucky.  

Mit dem Verlust der Mehrheit im Repräsentantenhaus wird das Regieren für Obama sehr viel komplizierter als bisher. Die Republikaner können Gesetzesinitiativen verhindern. Außerdem gewinnen sie durch die Leitung von Ausschüssen erheblich an Macht. Allerdings gehört es in den USA fast zur Regel, dass Präsidenten bei Halbzeitwahlen verlieren. Viele Amtsinhaber erholten sich danach und wurden zwei Jahre später als Präsident bestätigt - so etwa Bill Clinton 1996.

Nach Einschätzung von Experten machten Amerikas Wähler ihrem Frust über Arbeitslosigkeit und Mega-Schulden massiv Luft. In Nachwahl- Befragungen sagten 62 Prozent der Wähler, die kraftlose US-Konjunktur sei ihre größte Sorge.

«Das amerikanische Volk hat (Präsident Obama) heute eine unmissverständliche Botschaft gesandt: Ändere den Kurs», sagte noch in der Nacht der Republikaner John Boehner, der voraussichtlich zum neuen Präsidenten («Speaker») des Abgeordnetenhauses gekürt wird. Falls sich Obama dafür entscheide, sei man zur Zusammenarbeit bereit.

Eine große Genugtuung für die Demokraten gab es allerdings in Nevada: Dort schlug der bedrängte bisherige Fraktionschef im Senat, Harry Reid, seine republikanische Kontrahentin, die besonders radikale Tea-Party-Kandidatin Sharron Angle.

Die Republikaner schafften es außerdem, der Obama-Partei mindestens acht Gouverneursposten abzuknöpfen: in den bislang demokratisch regierten Staaten Ohio, Pennsylvania, Iowa, Kansas, Oklahoma, Tennessee, Michigan, Wyoming, New Mexico und Wisconsin. Insgesamt wurde über 37 Gouverneursposten abgestimmt, mehrere Rennen waren noch offen.

Besonders schmerzlich ist für die Demokraten der Verlust im Schlüsselstaat Ohio. Umgekehrt gab es eine Schlappe für die Konservativen in Kalifornien: Hier siegte der Demokrat Jerry Brown im Rennen um die Nachfolge des Republikaners Arnold Schwarzenegger über die frühere Ebay-Chefin Meg Whitman.

Bei einer Volksabstimmung in Kalifornien sprach sich die Mehrheit gegen eine Legalisierung von Marihuana aus. Der Volksentscheid «Proposition 19» sah vor, dass die Droge zum Genuss konsumiert und in kleinen Mengen angebaut werden darf.

Wahl-Link der New York Times

Wahl-Link von CNN

Wahl-Link von Politico

Wahl-Link des Wall Street Journal

Wahl-Link von USA Today

Wahlen / USA
03.11.2010 · 22:27 Uhr
[7 Kommentare]
Alcatraz
San Francisco/Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump will im Haushalt 2027 Mittel für eine Wiederinbetriebnahme des berüchtigten Gefängnisses Alcatraz einplanen. Für die Projektplanung sollen 152 Millionen Dollar (rund 132 Millionen Euro) bereitgestellt werden, wie aus einem vom Weißen Haus veröffentlichten Etatentwurf hervorgeht. Alcatraz solle […] (00)
vor 14 Minuten
Daniel Radcliffe
(BANG) - Daniel Radcliffe hat "tiefgreifendes Glück" gefunden, seit er Vater geworden ist. Der britische Schauspieler – der bereits im Alter von elf Jahren als titelgebender Zauberlehrling in der 'Harry Potter'-Filmreihe berühmt wurde – glaubt, dass sein jüngeres Ich ihn heute nicht wiedererkennen würde. Damals sei er "zutiefst unglücklich" gewesen, […] (00)
vor 16 Stunden
iPhone 18 Pro offenbar ohne schwarze Farbvariante
Einem aktuellen Gerücht zufolge wird Apple bei den kommenden iPhone 18 Pro Modellen auf ein schwarzes Gehäuse verzichten. Zum Vergleich: Die derzeitige iPhone 17 Pro Serie ist in den markanten Farben Silber, Cosmic Orange und Deep Blue erhältlich. iPhone im Business, Quelle: Unsplash Kein Schwarz für die iPhone 18 Pro Modelle Wie der bekannte […] (00)
vor 10 Stunden
Switch 2: Ehemaliger Nintendo-Mitarbeiter warnt vor kommendem Preisanstieg
Die Nintendo Switch 2 ist seit ihrem Launch eine der meistgekauften Konsolen des Jahres – doch wer noch mit dem Kauf gehadert hat, könnte bald in eine unangenehme Situation geraten. Ein ehemaliger Nintendo-Vertriebsmitarbeiter hat sich öffentlich zu den Preisentwicklungen des Unternehmens geäussert, und seine Einschätzung lässt aufhorchen. Was der Ex- […] (00)
vor 11 Stunden
Tubi kündigt zweite Staffel von «Big Mood» an
Der Streamingdienst setzt die Comedyserie mit Nicola Coughlan und Lydia West im April fort. Der werbefinanzierte Streaminganbieter Tubi hat den Trailer zur zweiten Staffel von Big Mood veröffentlicht. Die neuen Folgen feiern am 16. April Premiere und führen die Geschichte rund um die komplizierte Freundschaft von Maggie und Eddie weiter. Ein Jahr ist vergangen, seit sich die beiden besten […] (00)
vor 15 Stunden
Joachim Löw
Berlin (dpa) - Um Weltmeister-Trainer Joachim Löw gibt es ein überraschendes und wenig glaubhaftes Comeback-Gerücht - und der 66-Jährige räumt es auch schnell aus der Welt. Laut des Portals «ghanasoccernet» könnte Löw für die anstehende Fußball-WM die Nationalmannschaft Ghanas als Trainer übernehmen. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. «Mit mir hat […] (03)
vor 11 Stunden
coin, currency, ethereum, ether, bitcoin, crypto currency, block chain, finance, dice, digital
Der Krypto-Experte Chad hat eine Verbindung zwischen Ripple, XRP und dem internationalen Zahlungssystem SWIFT aufgezeigt. Dies geschieht in einer Phase, in der Ripple seine Zahlungsdienste und andere Aktivitäten weiter ausbaut und XRP sowie RLUSD stärker in die traditionelle Finanzwelt integriert. Verbindung zwischen Ripple und SWIFT In einem Beitrag […] (00)
vor 1 Stunde
Von  "Meuterei auf der Bounty" zur Pn-Domain
Koeln, 03.04.2026 (PresseBox) - Es beginnt, wie große Geschichten oft beginnen: mit zu viel Ordnung. An Bord der HMS Bounty herrscht im Jahr 1789 ein Regiment aus Disziplin und Härte. William Bligh, ein Mann von eiserner Selbstkontrolle, führt seine Mannschaft durch die Weiten des Pazifiks – und zugleich in eine immer engere innere Enge. Denn draußen […] (00)
vor 8 Stunden
 
Bauarbeiter (Archiv)
Berlin - Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) will die gravierenden Probleme auf dem […] (00)
Planstadt Xiong'an in China
Peking (dpa) - Angesichts hoher Kosten für Bestattungen schreitet Chinas Regierung […] (02)
Mann droht mit Anschlag in ICE
Siegburg (dpa) - Schock im abendlichen Reiseverkehr: In einem ICE in Nordrhein- […] (05)
Seniorin (Archiv)
Berlin - Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat zur Entlastung der Rentenkasse die […] (00)
«Bin ich schön?» kehrt zurück
Die ARD bringt eine neue Staffel der Doku-Serie über Beauty-OPs – und ergänzt das Programm mit […] (00)
Bayern München - Manchester United
München (dpa) - Nach der kleinen Sternstunde für die Fußballerinnen des FC Bayern in […] (01)
Courtney Love
(BANG) - Courtney Love hat Dave Grohl gebeten, "endlich Haltung zu zeigen" und seine […] (01)
Apple verschickt Einladungen für die WWDC 2026 im Apple Park
Apple hat offiziell die Einladungen an die glücklichen Gewinner […] (00)
 
 
Suchbegriff