Norm schlägt Marketing – neue Studie warnt vor fehlerhaften Blutdruckkalibrierungen
Ein Paper von Dr. Martin Deutges und Holger Redtel zeigt in IEEE Access, warum Einzelwerte nach DIN EN ISO 81060-2 nicht zur Kalibrierung kontinuierlicher Blutdrucksysteme geeignet sind – und wie BDII die Lösung bietet.
Hamburg, 06.10.2025 (PresseBox) - Immer mehr Smartwatches werben damit, den Blutdruck am Handgelenk zu messen – ohne Manschette, ohne physikalische Referenz und häufig ohne Zulassung. Der vermeintliche Komfort entpuppt sich aus wissenschaftlicher Sicht als methodischer Fehler.
Das von Dr. Martin Deutges und Holger Redtel veröffentlichte Paper in IEEE Access zeigt erstmals mathematisch nachvollziehbar, warum ein Einzelwert – selbst wenn er korrekt nach DIN EN ISO 81060-2 erhoben wurde – nicht zur Kalibrierung kontinuierlicher Verfahren taugt.
Die Norm beschreibt die Prüfung eines Messverfahrens, nicht die Kalibrierung eines Folgegeräts. Wer diese Norm fälschlicherweise für Kalibration nutzt, verlässt den Geltungsbereich der medizinischen Zulassung.
„Eine Kalibrierung in Ruhe kann keine Messung in Belastung ersetzen“, erklärt Holger Redtel. „Wer nur in Ruhe kalibriert, misst nicht den Blutdruck, sondern das Vertrauen.“
Das Paper beschreibt die Blutdruckschwankung zweiter Ordnung (BDII) als neue, präzise Grundlage zur autonomen Kalibrierung. Damit wird eine intermittierend-kontinuierliche Messung erstmals mathematisch korrekt möglich – ohne Bezug auf fehlerhafte Referenzgeräte.
Smartwatches, die ohne medizinische Zulassung und mit unzulässiger Kalibrierung Werte anzeigen, gefährden nicht nur die Datenqualität, sondern untergraben das Vertrauen in Normung und Wissenschaft.
Die DIN EN ISO 81060-2 bleibt daher die Brandmauer gegen unkontrollierte, marketinggetriebene Diagnostik.


