Nordsee-Ölsteuer: Vorhersagen zur Haushaltslücke
Die aktuellen Maßnahmen unter Energie-Minister Ed Miliband, die auf eine Reduktion der Nordsee-Ölaktivitäten abzielen, könnten den britischen Staatshaushalt bis 2030 um stattliche 10 Milliarden Pfund an Steuererträgen erleichtern, warnen führende Analysten.
Analysten von Stifel prognostizieren, dass die Steuererträge aus der Öl- und Gasindustrie möglicherweise nur noch bei etwa 6 Milliarden Pfund bis 2030 liegen könnten – ein dramatischer Gegensatz zu den 16,2 Milliarden Pfund, die das Office for Budget Responsibility (OBR) im März vorausgesagt hatte. Diese Diskrepanz könnte die finanzpolitischen Pläne der Labour-Partei erheblich belasten, da Wirtschaftsexperten schon jetzt vor einem Finanzierungsengpass von 20 bis 50 Milliarden Pfund im kommenden November warnen.
Kern des Problems ist der hohe Steuersatz von 78 Prozent, der die Rentabilität von Investitionen in die Nordsee-Ölfelder stark beeinträchtigt. Tatsächlich gehen Experten davon aus, dass der Rückgang der Investitionen in Verbindung mit der Deaktivierung von Plattformen die heimische Energieproduktion gefährden könnte – mit weitreichenden Konsequenzen für die britische Energiesicherheit.
Während Labour das Ende der Steuer auf 2030 festgelegt hat, mangelt es an geeigneten Maßnahmen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien. Nach Schätzungen von Stifel könnte diese Politik bis zu 100.000 Arbeitsplatzverluste in einer Branche verursachen, die derzeit etwa 200.000 Menschen beschäftigt.
Besorgniserregend ist auch die sinkende Wettbewerbsfähigkeit der britischen Nordsee, welche zu einer Abwanderung von Offshore-Betreibern führt. Prognosen zufolge könnten von den derzeit 280 aktiven Öl- und Gasfeldern bis 2030 etwa 180 schließen.
David Whitehouse, CEO des Handelsverbands Offshore Energies UK, appellierte für dringend notwendige Änderungen des Steuersystems, um eine komplette Abwanderung der entsprechenden Industrien zu vermeiden und eine Balance zwischen fossilen und erneuerbaren Energien zu schaffen.
Angesichts sinkender Öl- und Gaspreise entfaltet die so genannte Windfall Tax ihre beabsichtigte Wirkung nicht mehr, da der erwartete Preisvorteil am Markt ausbleibt. Analyst Christopher Wheaton von Stifel weist darauf hin, dass diese Entwicklungen bereits zu einem Verlust von mehr als 5 Milliarden Pfund an möglichen Steuereinnahmen geführt haben.

