Neuer Schwung beim Stromnetzausbau: Die Freileitungsdebatte
Im Streben nach Effizienz und Kostensenkung beim Stromnetzausbau in Deutschland gewinnt der Wandel von Erdkabeln zu Freileitungen an Dynamik. Nachhaltige Einsparungen von bis zu 20 Milliarden Euro bei drei bedeutenden Projekten – OstWestLink, NordWestLink und SuedWestLink – sind möglich, sollte der Fokus auf Freileitungen gelegt werden, wie Tim Meyerjürgens, Vorstand von Tennet, betont.
Diese Entwicklung könnte langfristig eine Reduktion der Netzentgelte um einen Cent pro Kilowattstunde bewirken und somit Industrie, Gewerbe und Haushalte entlasten. Die Bundesnetzagentur erkennt deutliche Kostenvorteile von Freileitungen an, warnt jedoch vor zeitlichen Verzögerungen bei der Umplanung der Projekte.
Die Deutsche Koalition hat die Notwendigkeit einer Reform erkannt und plant, Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsnetze, soweit möglich, als Freileitungen zu realisieren, um besonders belastete Regionen zu schonen und eine effizientere Netzausbauplanung zu erzielen. Der Netzbetreiber Amprion zeigt sich zurückhaltend und betont die Wichtigkeit, den tatsächlichen Bedarf kritisch zu prüfen, um unnötige Infrastrukturinvestitionen zu vermeiden.
Angesichts der steigenden Redispatch-Kosten und schnelleren Genehmigungsverfahren durch Erdkabelvorrang bleibt unklar, ob ein Schwenk zu Freileitungen tatsächlich die gewünschte Wirkung erzielt. Die präferierten Anbindungsmöglichkeiten für die Nordwest- und Suedwestprojekte wurden bereits für Erdkabel konzipiert.
Ein Wechsel wird als schwierig erachtet, da es umfangreiche Neuplanungen erforderlich machen würde. Gleichzeitig liegt großes Potenzial in der Möglichkeit zur Kostenreduktion und der Optimierung der Genehmigungsverfahren, die eine enorme Entlastung für Verbraucher bedeuten könnten.

