Neue Impulse durch verstärkten Einsatz des privaten Gesundheitssektors in England
Sir Keir Starmer hat angekündigt, den britischen Gesundheitsdienst (NHS) durch eine intensivere Zusammenarbeit mit dem privaten Gesundheitssektor zu entlasten. Dabei soll eine neue Vereinbarung die bestehende Kooperation ausweiten, um unabhängige Anbieter verstärkt in die Behandlung komplexerer Patienten einzubinden und ungenutzte Kapazitäten besser zu nutzen. Der Ansatz, den Privatsektor zur Reduzierung von Wartelisten heranzuziehen, ist nicht neu, jedoch gewinnt er zunehmend an Bedeutung.
Derzeit werden etwa 10 Prozent der elektiven Behandlungen des NHS in England von privaten Anbietern durchgeführt, gegenüber 7 Prozent vor fünf Jahren. Im vergangenen Jahr wurden über eine Million NHS-Patienten dort behandelt. Fachleute heben hervor, dass, obwohl der Privatsektor unterstützend wirken kann, die Behandlungskapazitäten eingeschränkt sind, da viele private Kliniken keine Intensiv- oder Notfallmedizin anbieten. Zudem sind zahlreiche Mitarbeiter im Privatsektor auch im NHS beschäftigt, was die Kapazität weiter limitiert.
Schon heute leistet der private Sektor wichtige Hilfe bei Routineoperationen wie Hüft- und Kniegelenkersatz oder Kataraktentfernungen und wird dafür pro Eingriff vom NHS bezahlt. Künftig sollen sie nach dem neuen Plan nur dann honoriert werden, wenn sie mehr NHS-Patienten übernehmen.
Im letzten Finanzjahr investierte NHS England 6,8 Prozent seines Tagesbudgets in private Dienstleistungen, was dem Durchschnitt des letzten Jahrzehnts entspricht. Ein Regierungsvertreter betonte, dass das neue Abkommen darauf abziele, die Wartelisten spürbar zu verkürzen, indem jährlich eine Million zusätzliche NHS-Termine über die vorhandenen Kapazitäten der privaten Anbieter generiert werden sollen. Die neuen Vertragsbedingungen fordern von den Anbietern auch eine Überprüfung ihrer 'klinischen Ausschlusskriterien', um eine möglichst breite Patientengruppe zu behandeln.
Zudem sollen sie verstärkt NHS-Patienten in Arbeitervierteln betreuen und in Fachbereichen wie Gynäkologie tätig werden, wo 600.000 Frauen auf Wartelisten stehen. Laut Datenanalyse übernahm der private Sektor zuletzt über 25 Prozent der Traumata- und orthopädischen Behandlungen sowie 22 Prozent der elektiven ophthalmologischen Behandlungen für den NHS.
Beim aktuellen Abkommen bleibt unklar, wie viel in die Erweiterung der Kapazitäten investiert wird. Siva Anandaciva von der King's Fund meint, dass das Abkommen hauptsächlich signalisiere, dass der Privatsektor als Partner wertgeschätzt werde, allerdings mehr Details notwendig seien, um die Auswirkungen auf Wartelisten bewerten zu können. David Hare von der Independent Healthcare Providers Network sieht das Abkommen als Fortführung bestehender Erfolge, das die Kapazitäten vollständig ausschöpfen soll und hohe Qualitätsstandards für NHS-Patienten gewährleistet.

