Netzausbau in der Schwebe: Amprion warnt vor Verzögerungen durch Freileitungs-Priorisierung
In der aktuellen Debatte um die Zukunft des deutschen Netzausbaus äußert Amprion, einer der führenden Übertragungsnetzbetreiber, Bedenken hinsichtlich der Pläne der Regierungskoalition, den Vorrang von Freileitungen bei Gleichstrom-Neubauprojekten zu gewähren. Christoph Müller, der Vorstandsvorsitzende von Amprion, betont, dass eine solche Entscheidung die Frage nach der passenden Technologie in langwierige Genehmigungsverfahren verlagern könnte.
Derzeit gilt in Deutschland der Vorrang für Erdkabel, die aufgrund ihrer höheren Kosten, aber besseren Akzeptanz in der Bevölkerung favorisiert werden. Laut Müller könnte die potenzielle Neuausrichtung der Prioritäten hin zu Freileitungen als wirtschaftlichere Lösung für den Netzausbau nicht nur ein politisches Großprojekt darstellen, sondern auch den Genehmigungsprozess deutlich verkomplizieren.
Im Koalitionsvertrag von Union und SPD wird die Notwendigkeit einer kosteneffizienten und beschleunigten Modernisierung der Netze betont. Demnach sollten neue Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen, wo möglich, als Freileitungen umgesetzt werden. Besonders betroffene Regionen sollen dabei besondere Berücksichtigung finden.
Amprion hat in der Vergangenheit Erfolge mit Erdkabeln verzeichnet, insbesondere aufgrund der hohen Akzeptanz in den betroffenen Regionen, die oft dazu führt, dass Anhörungen reibungslos verlaufen. Diese Entwicklungen stehen im Kontrast zu den häufigen Diskussionen bei Freileitungsprojekten.
Trotz der aktuellen Unsicherheiten plant Amprion, bis 2029 insgesamt 36,4 Milliarden Euro in den Ausbau seines Übertragungsnetzes zu investieren, nachdem es 2024 einen beachtlichen Nettogewinn von 390 Millionen Euro verbuchen konnte.

