Netflix wagt Spagat zwischen Tradition und Innovation
Netflix unternimmt derzeit gleich mehrere ehrgeizige Schritte, um seine Position als Marktführer im Streaming-Markt weiter zu festigen. Co-CEO Greg Peters ließ kürzlich verlauten, dass Netflix plant, den Trend zu vertikalen Videos auch in der eigenen Smartphone-App zu integrieren. Bereits seit einigen Monaten experimentiert das Unternehmen mit einem Feed für Hochkant-Clips, die aus beliebten Filmen und Serien entnommen werden. Hinzukommen könnten möglicherweise bald auch Inhalte aus Video-Podcasts. Diese Neuerungen sollen im Laufe des Jahres in die App eingearbeitet werden, um den Nutzern eine noch bessere Entdeckung ihrer Inhalte zu ermöglichen. Diese strategische Entscheidung zeigt deutlich, dass Netflix kein Monopol an Plattformen wie Tiktok oder Instagram abtreten möchte, auf denen Clips aus seinen Serien derzeit ebenfalls weite Verbreitung finden. Ein verstärkter Fokus auf die eigene Plattform könnte den Nutzermarkt festigen und weiter ausbauen.
Dies ist insbesondere relevant, da das Unternehmen zuletzt die Rekordmarke von 325 Millionen Kunden überschritten hat, obwohl die genauen Zahlen im Vierten Quartal bei der Veröffentlichung von Umsätzen und Gewinnen überraschenderweise zurückgehalten wurden. Nicht minder spektakulär ist Netflix' Vorhaben, das traditionsreiche Hollywood-Studio Warner Brothers zu übernehmen, dessen Marktwert bei rund 83 Milliarden Dollar liegt. Die Ankündigung führte zwar zu einem Kurseinbruch der Netflix-Aktie von fünf Prozent im nachbörslichen Handel und einem Verlust von rund 30 Prozent seit den ersten Übernahmegerüchten, doch die innovative Entscheidung, den Kaufpreis in bar und nicht über Aktienrückkäufe zu finanzieren, zeigt strategisches Kalkül.
Parallel dazu befindet sich Netflix in einem Bieterwettstreit mit Paramount, das seinerseits Warner Bros. Discovery samt der wertvollen TV-Sender übernehmen möchte. Obwohl die Warner-Geschäftsführung sich für Netflix' Angebot entschieden hat, bleibt die endgültige Entscheidung noch abzuwarten. Die Übernahmepläne stoßen in der Kinowelt auf Zurückhaltung, die das Streaming-Unternehmen durch gezielte Dialoge mit den Kino-Betreibern überwinden möchte.
Historisch war Netflix stets darauf bedacht, seine Inhalte direkt an die Streaming-Kundschaft zu bringen, doch der Erwerb der Warner-Filmsparte würde zugleich den Einstieg in ein bereits florierendes Kino-Geschäft bedeuten. Ted Sarandos, Co-CEO von Netflix, verdeutlichte, dass seine bisherigen Aussagen gegen eine Kino-Expansion in einer Zeit gemacht wurden, als Netflix noch keinerlei Kinobeteiligungen hatte. Die Zeiten ändern sich, und Netflix steht bereit, seine eigenen Regeln neu zu schreiben.

