Nachfolger für Papst Benedikt gesucht

12. Februar 2013, 17:00 Uhr · Quelle: dpa

Rom (dpa) - Die katholische Kirche steht vor einer neuen Ära. Nach der historischen Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. wird weltweit über einen geeigneten Nachfolger und über Reformen an der Spitze der Kirche diskutiert. Aus Afrika kommt die Forderung nach einem schwarzen Papst.

Viele wünschen sich ein jüngeres Kirchenoberhaupt. Der 85-jährige Benedikt hatte Alters- und Gesundheitsgründe für seinen Rückzug genannt. Theologen fordern eine Begrenzung der Amtszeit von Päpsten. Auch über den künftigen Kurs der Kirche zwischen Tradition und Moderne wird gestritten.

Bei den blühenden Spekulationen über den möglichen Nachfolger ist noch kein Favorit erkennbar. Ein italienischer Papst wird ebenso für möglich gehalten wie - als Zeichen der Öffnung - ein Kirchenoberhaupt aus Afrika, Lateinamerika oder Asien. Die Katholiken in Ghana seien optimistisch, dass nun ein Afrikaner Papst werde, berichtete das Webportal «Ghana Web». Kardinal Theodore Adrien Sarr aus Senegal sagte Medienberichten zufolge, er frage sich schon lange, wann es endlich einen Papst aus Afrika geben werde.

Reformkräfte fürchten, dass der scheidende Papst mit der Ernennung zahlreicher Kardinäle bereits eine Vorentscheidung zur Fortsetzung seines konservativen Kurses getroffen hat. Am 28. Februar wird Benedikt sein Pontifikat aufgeben - das hat es in der Neuzeit noch nie gegeben. Dann beginnt innerhalb von 15 bis 20 Tagen das Konklave, das seinen Nachfolger wählt.

Bis Ostern soll feststehen, wer neuer Papst wird. Voraussichtlich 117 Kardinäle aus aller Welt sind beim Konklave wahlberechtigt, darunter 6 aus Deutschland. Es gilt als sicher, dass auch das neue Oberhaupt der Katholiken aus dem Kreis dieser Kardinäle kommt, theoretisch kann aber jeder männliche Katholik gewählt werden.

Als geeignete Nachfolger werden unter anderem der Mailänder Erzbischof Angelo Scola (71) und die beiden Afrikaner Peter Turkson (64) aus Ghana und Francis Arinze (80) aus Nigeria genannt. Auch Kardinal Marc Ouellet (68) aus Quebec und dem New Yorker Erzbischof Timothy Dolan (63) werden Chancen eingeräumt. Aus Lateinamerika werden der Erzbischof von Sao Paulo, Kardinal Otto Scherer (63), und Kurienkardinal Leonardo Sandri (69) aus Argentinien genannt. Aus Asien gilt der philippinische Kardinal Luis Antonio Tagle (55) als «papabile», also als möglicher Papst.

Benedikt selbst nimmt auch nach seiner Rücktrittsankündigung weiter Termine wahr. Dazu gehörten Treffen mit Bischöfen und ausländischen Staatsgästen, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi mit. An diesem Mittwoch steht die Generalaudienz auf dem Programm. Zudem sei eine große Feier mit dem Papst zum Aschermittwoch geplant, dem Beginn der Fastenzeit. Das werde voraussichtlich seine letzte große öffentliche Zeremonie sein.

Benedikt wird nach seinem Rücktritt zunächst in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom wohnen und sich später in ein Kloster im Vatikan zurückziehen. «Die Wohnung wird schon eingerichtet», sagte Papst-Bruder Georg Ratzinger (89). Offensichtlich will der einstige Theologieprofessor Joseph Ratzinger dort wieder wissenschaftlich arbeiten. «Es wird eine kleine Schreibstube eingerichtet.»

Für seine Entscheidung zum Rücktritt erhielt Benedikt weltweit Anerkennung, Lob und Respekt. Der Kreml würdigte ihn am Dienstag als Förderer des Dialogs unter den Religionen. «Nach seinem Amtsantritt 2005 haben sich die Beziehungen zwischen Russland und dem Vatikan sehr konstruktiv entwickelt», sagte der Berater von Präsident Wladimir Putin, Juri Uschakow. Der israelische Präsident Schimon Peres hob die Verdienste des Papstes für das katholisch-jüdische Verhältnis hervor. «Die Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan sind so gut wie nie zuvor», sagte Peres.

Nach Einschätzung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) hat der Papst mit seinem Rückzug einen neuen Standard gesetzt. Benedikt hatte am Montag völlig überraschend als erster Papst seit mehr als 700 Jahren seinen freiwilligen Rücktritt angekündigt.

Dieser zwingt die katholische Kirche nach Ansicht des Frankfurter Theologen Knut Wenzel, Regeln für einen Rückzug von Kirchenoberhäuptern zu schaffen. Auch der Papstvertraute Professor Wolfgang Beinert sprach sich für eine Amtszeitbegrenzung an der Kirchenspitze aus. Der Münchner Kirchenrechtler Stephan Haering erinnerte daran, dass bis vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch Bischöfe auf Lebenszeit im Amt waren, inzwischen seien Rücktritte völlig normal.

Der Rücktritt des Papstes beweist nach Meinung des Experten Franz-Xaver Kaufmann dessen Modernität. «Er ist der erste Papst, der zwischen Amt und Person deutlich trennt», sagte der Schweizer Soziologe am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Bonn. Eine wichtige Aufgabe für einen neuen Papst wäre eine Reform der Kurie - der Leitungsorgane der katholischen Kirche im Vatikan. Dort hätten sich mit der Zeit vermutlich «mafiöse Tendenzen» entwickelt.

Der Theologe und Papstkritiker Hans Küng rechnet nicht damit, dass die katholische Kirche in Zukunft von einem reformorientierten Papst geführt wird. Der scheidende Papst habe viele sehr konservative Kardinäle berufen und somit die Weichen für die Wahl seines Nachfolgers gestellt, sagte Küng dem Südwestrundfunk (SWR). «Er kennt jeden persönlich», sagte Küng. «Er hat alle Möglichkeiten, da irgendwie die Wahl zu beeinflussen. Und ich hoffe, er tut das nicht.»

Die Kirchenkritikerin Uta Ranke-Heinemann warf Benedikt vor, er habe den Islam in seiner Regensburger Rede beleidigt und die Juden vor den Kopf gestoßen.«Dieser letzte Papst war eine Katastrophe», so die Theologin.

Nach den Worten des Kölner Kardinals Joachim Meisner «müsste der neue Papst sicher ein Mann von ähnlich hoher Bildung wie Joseph Ratzinger, mit großer menschlicher Erfahrung und - vor allem - von vitaler Gesundheit sein. Nicht älter als 70», sagte er dem «Kölner Stadt-Anzeiger». Joseph Ratzinger war 2005 mit 77 Jahren zum Papst gewählt worden - als erster Deutscher seit mehr als 500 Jahren.

Kirchen / Papst / Vatikan
12.02.2013 · 17:00 Uhr
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