Umstrittenes Wildtier

Nach Angriff in Hamburg: Was könnte mit dem Wolf passieren?

01. April 2026, 13:50 Uhr · Quelle: dpa
Wölfe in Gehege
Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Nachdem ein Wolf eine Frau in Hamburg verletzt hat, ist noch unklar, was mit dem Tier passieren wird. (Symbolbild)
Zur Tötung freigeben oder einfach freilassen? Nach dem Vorfall in Hamburg sind Experten geteilter Meinung über den Umgang mit dem Wolf.

Hannover (dpa) - Erstmals seit der Rückkehr des Wolfs nach Deutschland verletzt ein Tier einen Menschen. Nach dem Vorfall in Hamburg stellt sich die Frage: Was soll mit dem Tier passieren? Ein Überblick über die diskutierten Optionen.

Was spricht für eine Tötung des Wolfs? 

Der Journalist, Jäger und Wolfsexperte Eckhard Fuhr sprach sich im Interview des Fernsehsenders RTL dafür aus, das Tier zu töten. «Ein dauerndes Leben in Gefangenschaft in einem Tierpark kann man diesem Wolf nicht zumuten», sagte er. Die Alternative – das Tier wieder freizulassen – hält Fuhr für ebenso problematisch. Unter dem Gesichtspunkt des Tierwohls sowie der öffentlichen Sicherheit sieht der Experte nur eine vertretbare Option: «Es wäre die vernünftigste Lösung, den Wolf zu töten.»

Was spricht für eine Freilassung des Tiers?

Unterdessen sprach sich Wolfexperte Norman Stier von der TU Dresden für eine Freilassung aus. «Einer Freilassung steht aus meiner Sicht nichts entgegen, wenn es kontrolliert mit einem Senderhalsband erfolgt.» Durch den Sender könne man das Tier jederzeit aufsuchen, es negativ konditionieren und auch töten, falls es zu Problemen kommen sollte. 

Auch der Geschäftsführer des Wildparks Schwarze Berge, Arne Vaubel, plädiert für die Freiheit des Wolfs. Das Tier habe nicht mit Absicht angegriffen, sondern aus einer Panik heraus, sagte er der dpa. Vaubel geht davon aus, dass der Wolf die Frau nicht angreifen wollte. Das sei ein wilder Wolf, der nichts kenne - keine Stadt, keine Menschen. «Der Wolf war wahrscheinlich in Panik und wollte nur raus», sagt er. 

Dem stimmen weitere Wolfsexperten zu. So sagt auch Tanja Askani, die seit 30 Jahren die Wölfe im Wildpark Lüneburger Heide betreut, das Hamburger Tier habe sich in der Stadt verlaufen und sei in einer Stresssituation gewesen: «Das Tier wollte nur weg, es hat sich nicht unnormal verhalten.» Es gebe keinen Grund, es in Gefangenschaft zu halten. 

Könnte der Wolf in einem Gehege untergebracht werden? 

Eine Chance, das Tier in das Rudel eines Wildparks zu integrieren, sieht Wolfsexperte Stier von der TU Dresden nicht: «Da gibt es Erfahrungen von Hybridfängen aus der Anfangs-Wolfswiederbesiedlung aus der Lausitz, die auch in sehr großen Gehegen trotzdem qualvoll zugrunde gegangen sind.» Außer bei kleinen Welpen, die sich noch an eine Gehegehaltung gewöhnen könnten, wäre eine tierschutzkonforme Unterbringung von Wölfen, die in Freiheit aufgewachsen sind, weder sinnvoll noch möglich, so der Experte. 

Auch Kenny Kenner, ehrenamtlicher Wolfsberater im Landkreis Lüchow-Dannenberg, hofft, dass das betroffene Tier nicht dauerhaft in ein Gehege kommt. 

Wie kam es zu dem Wolfsangriff?

Was den Vorfall in Hamburg ausgelöst hat, ist bislang unklar. Jedoch haben Experten eine Hypothese: Der mutmaßlich junge Wolf habe sich womöglich in die Stadt verirrt und dort Angst bekommen. «In der Stadt gibt es so viele Eindrücke, die ihn stressen – der Verkehr, die Lichter, der Lärm und so weiter. Und dann wird er vielleicht noch in die Enge gedrängt oder fühlt sich in die Enge gedrängt», mutmaßt Klaus Hackländer, Wolfs-Experte der Deutschen Wildtierstiftung. «Dann reagiert der Wolf einfach im Affekt und greift natürlich auch an.» Aber: «Der Mensch ist nicht im Beuteschema, vor allen Dingen nicht der erwachsene Mensch.»

Wie häufig sind Wolfsangriffe?

Das Bundesamt für Naturschutz sprach vom ersten Fall seit der «Etablierung» des Wolfes im Jahr 1998. «Seit der Rückkehr der Art nach Deutschland wurde kein Mensch durch einen Wolf verletzt», betont das Bundesamt.

Wie steht es um den Wolf in Deutschland?

Zuletzt hat die Bundesregierung neue Regeln auf den Weg gebracht, mit denen Wölfe in Deutschland künftig leichter abgeschossen werden dürfen. Der Bundesrat stimmte in der vergangenen Woche der Aufnahme des Wolfes als jagdbare Tierart in das Bundesjagdgesetz zu. Damit können die Länder nun die Jagd in jenen Regionen erlauben, wo sich der Wolf in einem günstigen «Erhaltungszustand» befindet - wo er also gute Chancen auf einen langfristigen Fortbestand hat. Als Jagdzeit ist dann der Zeitraum von Juli bis Oktober vorgesehen. 

Rund 150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Erst nach dem Mauerfall kamen mehrere Tiere über Polen nach Deutschland zurück, Anfang der 1990er wurden die ersten Wölfe in Brandenburg entdeckt. Im Jahr 2000 bekamen Wölfe in Sachsen Nachwuchs, seitdem wurden immer mehr der scheuen Raubtiere gesichtet. Heute streifen Wölfe durch die Wälder zahlreicher Bundesländer. Naturschützer sehen ihre Rückkehr als Erfolg des Artenschutzes und positive Entwicklung der Natur. Sie betonen, dass Menschen vor den scheuen Tieren keine Angst haben brauchen.

Tier / Wissenschaft / Notfall / Umwelt / Hamburg / Deutschland / Wolf
01.04.2026 · 13:50 Uhr
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