Münchner Merkur: Altkanzlerin Merkel und die Asylpolitik—Ein unruhiges Erbe
Die noble Zurückhaltung, die ehemalige Kanzler für gewöhnlich gegenüber der Regierungsführung ihrer Nachfolger walten lassen, findet bei Angela Merkel derzeit keine Anwendung. Entgegen dieser etablierten Übung tritt die Altkanzlerin regelmäßig in die Öffentlichkeit, um ihre Gedanken zur aktuellen politischen Lage, besonders zur Asylpolitik, zu teilen.
Dies bleibt nicht ohne Folgen für die aktuelle Regierung unter Olaf Scholz. Während Merkel während ihrer Amtszeit reichlich Gelegenheit hatte, die Herausforderungen an den deutschen Grenzen zu ordnen, wird sie nun für Versäumnisse in dieser Zeit kritisiert. Damals brach 2015 die Flüchtlingskrise aus, die vielerorts für Chaos sorgte und die Gemeinden herausforderte, die von Merkel ausgegebene 'Wir schaffen das'-Maxime umzusetzen. Heute sieht sich die aktuelle Regierung mit den Konsequenzen dieser Politik konfrontiert.
Merkels öffentliche Kommentare werden von einigen als wenig hilfreicher Eingriff in die Geschäfte ihrer Nachfolger angesehen. Sie werden als Pfeil im langjährigen politischen Ringen mit Friedrich Merz gewertet, dessen Beziehung zur Altkanzlerin schwierig war.

