Kriminalität

Mordfall hält Italien in Bann - Justiz-Wende nach 18 Jahren?

22. Mai 2025, 09:57 Uhr · Quelle: dpa
Eine junge Frau wird 2007 in Norditalien brutal getötet. Der Fall wühlt nun wieder das Land auf. Offenbar gibt es wichtige neue Erkenntnisse. Saß ein Mann jahrelang unschuldig im Gefängnis?

Garlasco (dpa) - Blutüberströmt liegt Chiara Poggi am Fuße der Kellertreppe, getötet in ihrem Elternhaus in der Nähe von Mailand. Sie ist 26 Jahre alt, als sie 2007 mit einem harten Gegenstand totgeschlagen wird. Das Verbrechen schockt Italien. Ihr damaliger Freund Alberto Stasi wird nach einem langen Prozess über alle Instanzen als Täter verurteilt und muss ins Gefängnis. 

Doch nun rüttelt der Fall die italienische Öffentlichkeit erneut auf. Denn die Carabinieri und die Staatsanwaltschaft ermitteln wieder. Es gibt neue Spuren. Und mindestens einen neuen Verdächtigen. Möglicherweise ist in einem kleinen Bach auch die von Anfang an verschollene Tatwaffe aufgetaucht.

Alberto Stasi hatte all die Jahre vergeblich seine Unschuld beteuert. Steht der Mordfall Poggi nun vor einer spektakulären Wende?

Gleichzeitige Vernehmungen - doch der Hauptverdächtige fehlt

Drei mit Spannung erwartete Anhörungen waren geplant: Stasi selbst, Poggis jüngerer Bruder Marco sowie dessen Jugendfreund Andrea S. wurden diese Woche zeitgleich von Staatsanwälten vorgeladen. Dutzende Journalisten warteten am Dienstag in Pavia - einer Stadt südlich von Mailand - und in Venedig, um die drei Männer oder deren Anwälte für Kommentare abzufangen.

Im Fokus stand vor allem der Freund des Bruders: Gegen ihn wird seit einigen Wochen offiziell ermittelt. Zur Befragung in Pavia erschien er dann aber nicht. Auch seine Anwälte tauchten nicht auf. Sie begründeten das mit fehlerhaften Vorladungen der Strafverfolger. 

Kurz darauf sorgte ein Medienbericht des Senders Rai für mächtig Aufsehen, wonach Ermittler Fingerabdrücke vom Tatort neben der Leiche ebenjenem Andrea S. zuordnen können. Am Mittwoch bestätigte die Staatsanwaltschaft die Spur offiziell. Möglich wurde die Zuordnung durch den Einsatz neuer forensischer Technik – sowohl in der Software- als auch in der Hardwareanalyse.

«Wir sind gerade dabei, die Geschichte neu zu erzählen», sagte Antonio De Rensis, Stasis Anwalt, vor Journalisten und Kamerateams. «Wir haben von Anfang an Vertrauen in die Ermittlungen gehabt und tun dies weiter, und das sogar immer mehr.» Sein Mandant, der inzwischen als Freigänger das Gefängnis auch verlassen kann, sei entspannt, ergänzte der Jurist. 

Ein Urteil mit Fragezeichen

Schon der juristische Weg hin zur Verurteilung des heute 41-jährigen Stasi war ein holpriger. Nach dem Verbrechen am 13. August 2007 in dem Ort Garlasco sprachen ihn zwei Instanzen zunächst wegen Mangel an Beweisen frei. Der oberste Gerichtshof kassierte das Urteil aber und ordnete einen neuen Prozess mit einer erneuten Überprüfung der Beweise an. Dort kam es zu Schuldsprüchen wegen vorsätzlicher Tötung. Im Dezember 2015 bestätigte der oberste Gerichtshof letztinstanzlich das Urteil von 16 Jahren Haft. Stasi musste ins Gefängnis. 

Doch er beteuerte stets seine Unschuld. Er sagte, er habe Chiara leblos in deren Haus entdeckt. Ihre Familie war zu dem Zeitpunkt im Urlaub. Ihm wurde nicht geglaubt. 

Obwohl die Wohnung großflächig mit Blut verschmiert war, fanden sich an seinen Schuhen keine Rückstände davon. Dies interpretierte das Gericht so, dass Stasi die Schuhe gründlich geputzt habe. Zudem wurde auf einem Seifenspender am Tatort ein Fingerabdruck von ihm entdeckt - ein Indiz, dass er sich die Hände gewaschen habe. Auch gab es eine Zeugenaussage, wonach Stasis Fahrrad zum Tatzeitpunkt am Haus des Opfers gelehnt habe.

DNA-Spuren und neue Fragen

Dass unter den Fingernägeln von Chiara Poggi Spuren einer DNA gefunden wurden, die zu einer anderen Person gehören, reichte im Dezember 2016 nicht aus, um das Verfahren neu aufzurollen. Neueste Analysemethoden aber könnten nun etwas daran ändern: Zuletzt wies die Staatsanwaltschaft gleich mehrere Personen an, DNA-Proben abzugeben. Darunter waren Andrea S. und zwei Zwillingsschwestern, die Cousinen der Toten waren.

Offiziell ermittelt wird nur gegen Andrea S. - was italienische Medien nicht davon abhält, auch das Privatleben der anderen zu durchleuchten, Sprach- und Chatnachrichten sowie Bilder von Überwachungskameras zu veröffentlichen. Die Familie von Chiara Poggi ließ mitteilen, dass sie enttäuscht sei von den Entwicklungen und für sie der wahre Täter - also Stasi - seit Jahren feststehe. Auch Marco Poggi, der Bruder der Toten, unterstrich bei der Befragung nach Angaben seines Anwalts, dass sein Freund Andrea S. nichts mit dem Verbrechen zu tun habe.

Ist die Tatwaffe gefunden? Und überführt sie den Täter?

Dass jüngst ein neuer Zeuge - in den Medien ist von einem «Superzeugen» die Rede - auftauchte und die Ermittler nun auffallend schnell vorzugehen scheinen, erhärtet den Verdacht, dass sie eine heiße Spur haben. Es könnte sich um die Fingerabdrücke vom Tatort handeln, die den Experten bis jetzt nicht aufgefallen waren und der eindeutig Andrea S. zuzuordnen seien, wie es hieß.

Pannen bei den Ermittlungen passierten zuhauf. Nach der Tatwaffe etwa wurde jahrelang vergeblich gesucht. Doch nun könnte sie gefunden sein. Jüngst kam es in dem Örtchen Tromello nahe Garlasco zu einem Einsatz: Ein kleiner Bach wurde gestaut, um nach etwas zu suchen. Medienberichten zufolge entdeckten die Behörden einen Hammer und andere Metallgegenstände im Wasser. Der Bach fließt just hinter dem Haus vorbei, in dem die Großmutter der Cousinen von Chiara Poggi wohnte.

Kriminalität / Justiz / Italien
22.05.2025 · 09:57 Uhr
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