Monopolkommission prangert Marktverhältnisse im Lebensmitteleinzelhandel an
Ein brisantes Sondergutachten der Monopolkommission sorgt für Diskussionsstoff: Der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland profitiert stark von den steigenden Lebensmittelpreisen, während Landwirte zunehmend unter Druck geraten. Laut dem Bericht nutzen Lebensmittelhändler und -hersteller ihre Marktmacht erheblich aus, was zulasten der Verbraucher geht.
Kommissionsvorsitzender Tomaso Duso sieht in Fusionen und der wachsenden Präsenz von Händlern im Herstellungsbereich die Ursache für diesen Machtzuwachs. Angesichts anhaltender Bauernproteste und steigender Preise hatte die vorige Bundesregierung die Kommission beauftragt, die Lieferketten zu prüfen.
Die Analyse zeigt, dass die Nahrungsmittelkosten seit 2020 um 37 Prozent gestiegen sind, besonders im Lebensmitteleinzelhandel kontrollieren wenige Riesen den Markt, darunter Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe und Aldi. Diese Konzentration birgt nach Duso erhebliches Potenzial für Preiserhöhungen und eine Schwächung des Wettbewerbs.
Die Branchenverbände widersprechen dieser Darstellung vehement und bezeichnen die Befunde als überzogen. Björn Fromm vom BVLH betont, dass der Wettbewerb funktioniere und höhere Preise durch gestiegene Energiekosten und andere Faktoren bedingt seien. Auch das Thünen-Institut sieht in den Preisanstiegen primär die Reaktion auf externe Faktoren wie Klimawandel, politische Unruhen und gestörte Lieferketten.
Größere Zusammenführungen, wie die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka, sieht die Kommission kritisch. Diese erhöhten den Druck auf Verbraucherpreise.
Besondere Aufmerksamkeit erhält auch die geplante Fusion von Arla Foods und der DMK Group, die das Marktgewicht weiter verschieben könnte. Die Monopolkommission fordert daher eine strikte Überwachung solcher Zusammenschlüsse und effektive Maßnahmen gegen Missbrauch von Marktmacht.
Verbraucherschützer und der deutsche Bauernverband warnen, dass die derzeitigen Marktverhältnisse schädlich für Landwirtschaft und Verbraucher sind. Die Einführung einer Preisbeobachtungsstelle wird vorgeschlagen, um Transparenz zu schaffen und das Vertrauen der Konsumenten in faire Preisbildungen zu stärken.

