Möbelmarkt unter Druck: Herausforderungen und Chancen im Wandel der Konsumprioritäten
Die renommierte Möbelindustrie Deutschlands sieht sich weiterhin mit wirtschaftlichen Hürden und einem drastischen Einbruch der Verkaufszahlen konfrontiert. Trotz kreativer Werbestrategien wie "Alles wird teurer, wir bleiben günstig" kämpfen Möbeldiscounter landesweit darum, Verbraucher in ihre Geschäfte zu locken, was sich jedoch als trügerische Hoffnung erweist. Besonders betroffen ist der Möbelsektor, dessen Umsätze 2024 nominal um 7,4 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro sanken, während die Wohnmöbelpreise stabil blieben. Einziger Lichtblick: Während Lebensmittel und Energie in der privaten Budgetplanung an erster Stelle stehen, geraten Möbelkäufe zunehmend ins Hintertreffen, wie Handelsexperte Sebastian Wilde von Falkensteg betont.
Die Nachwirkungen des pandemiebedingten Möbelbooms belasten die Branche weiterhin. Laut Marco Atzberger vom EHI Forschungsinstitut ist der Bedarf an Wohnmöbeln in vielen Haushalten gedeckt, während der Fokus der Konsumfreude auf attraktive Alternativen wie Reisen verschoben ist. Die Zeiten, in denen ein neuer Schrank oder Esstisch Priorität hatte, scheinen vorüber – Kunden investieren nun vermehrt in Erlebnisse. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich ein besorgniserregender Trend ab: Die Insolvenzfälle erreichten mit mehr als 230 Fällen ein neues Jahrzehnthoch. Besonders die Berichte über Insolvenzen von Unternehmen wie Opti-Wohnwelt und Hülsta geben Anlass zur Sorge.
Indes verliert die ehemals treibende Kraft der Branche, der Wohnungsbau, an Schwung – 2024 wurden 17 Prozent weniger Wohnungen genehmigt als im Vorjahr. Christoph Lamsfuß vom IFH Köln verdeutlicht, dass besonders Küchen, die traditionell Teil der Folgekaufkette nach Wohnungsneuanschaffungen sind, stark betroffen sind. Trotz der düsteren Aussichten bleibt vorsichtiger Optimismus: Der Geschäftsführer des VDM, Jan Kurth, hofft auf ein leichtes Umsatzwachstum im kommenden Jahr, sollten sich Inflation und Reallöhne positiv entwickeln.
Möbelexperten sehen durchaus Chancen, insbesondere in der steigenden Nachfrage nach flexiblen und platzsparenden Möbelkonzepten, die auf die veränderten Wohnbedingungen eingehen. Der Küchenhersteller Rotpunkt beispielsweise verzeichnete jüngst einen Auftragsanstieg und blickt optimistisch ins Jahr 2025. Der Schlüssel für die Möbelindustrie könnte in der Anpassungsfähigkeit an die aktuellen Bedürfnisse ihrer Kunden liegen – eine Herausforderung, die zugleich Potenzial zur Innovation bietet.

