Microsoft-Managerin Cindy Rose übernimmt CEO-Posten bei WPP
WPP, die größte britische Werbeholding, hat Cindy Rose zur neuen Vorstandsvorsitzenden berufen. Die erfahrene Microsoft-Managerin wird den Posten am 1. September übernehmen und damit die Nachfolge von Mark Read antreten, der nach drei Jahrzehnten im Unternehmen seinen Rücktritt erklärt hatte.
Die Personalie fällt in eine Phase tiefgreifender Umbrüche: WPP-Aktien notieren aktuell auf dem niedrigsten Stand seit 2008. Hauptkonkurrent Publicis hat die Londoner Gruppe im vergangenen Jahr erstmals beim Umsatz überholt und ist nun weltgrößter Werbedienstleister. Der Abfluss wichtiger Großkunden hat den Druck auf die Führung zusätzlich erhöht.
Rose, zuletzt Chief Operating Officer für das globale Enterprise-Geschäft bei Microsoft, bringt umfassende Digital- und Transformationserfahrung mit. Zuvor leitete sie Microsoft UK sowie die westeuropäischen Aktivitäten des Technologiekonzerns. Weitere Stationen waren Vodafone, Virgin Media und Disney. Seit 2019 sitzt sie als Non-Executive Director im Aufsichtsrat von WPP.
In einer Mitteilung des Unternehmens lobte Aufsichtsratschef Philip Jansen Roses nachgewiesene Fähigkeit, milliardenschwere Geschäfte zu führen und nachhaltige Kundenbeziehungen aufzubauen. Sie verbinde technologische Expertise mit operativer Exzellenz.
Die Erwartungen sind hoch: Erst am Vortag hatte WPP seine Umsatz- und Gewinnprognose für 2025 deutlich gesenkt – unter Verweis auf ein „schwieriges wirtschaftliches Umfeld“. Der Kurs der Aktie brach daraufhin um 19 Prozent ein. Analysten verweisen zudem auf zunehmenden Wettbewerbsdruck durch generative KI-Tools, die klassische Agenturleistungen wie Texterstellung, Gestaltung und Mediaeinkauf zunehmend automatisieren.
Rose kündigte an, das Unternehmen stärker auf KI-Innovationen auszurichten. „WPP hat viele Chancen vor sich – insbesondere beim Aufbau marktführender KI-Kompetenzen“, erklärte sie am Donnerstag. Ob ihr der strategische Umbau gelingt, dürfte darüber entscheiden, ob WPP seinen Platz an der Spitze der Branche zurückerobert.

