Meyer Werft auf Kurs: Digitalisierung der Prozesse als Schlüssel zur Effizienz
Die traditionsreiche Meyer Werft, bekannt für den Bau imposanter Kreuzfahrtschiffe, steht vor einer bedeutsamen Transformationsphase. Die Geschäftsführung, vertreten durch Bernd Eikens und Sanierungsexperte Ralf Schmitz, zeigt sich entschlossen, die betriebliche Effizienz des Unternehmens durch rigorose Digitalisierungsmaßnahmen zu steigern. Eine der wesentlichen Hürden, die es zu überwinden gilt, ist die massenhafte Nutzung von "Zettelwirtschaft", die in vielen Bereichen des Unternehmens vorherrscht. Diese ineffiziente Praxis führte dazu, dass Reklamationen bisher noch manuell mit gelben Zetteln erfasst wurden, ein Relikt aus vergangenen Zeiten, das es nun zu modernisieren gilt.
Die unbedingt notwendige Digitalisierung soll, so Eikens, die hektischen Phasen vor Fertigstellung der Schiffe entschärfen, in denen sich Kosten zu einer nahezu unüberwindbaren Herausforderung entwickeln. Ein weiterer Meilenstein auf diesem Weg ist die vollständige Implementierung von SAP bis Mitte 2027, um eine verlässliche Datenbasis im gesamten Unternehmen zu schaffen. Der Fortschritt der Sanierung beläuft sich bisher auf rund 30 bis 40 Prozent.
Nachdem der Bund und das Land Niedersachsen jeweils 40 Prozent der Anteile an der finanziell stark angeschlagenen Meyer Werft erworben hatten, flossen insgesamt 400 Millionen Euro, um die Werft zu stabilisieren. Diese Partnerschaft hat bereits Früchte getragen: Ein prestigeträchtiger Großauftrag von MSC Cruises über den Bau von bis zu sechs Kreuzfahrtschiffen bis 2035, im Wert von potenziell zehn Milliarden Euro, wurde Mitte Dezember verkündet.
Trotz positiver Entwicklungen bleiben Herausforderungen bestehen. Der Bau von Offshore-Plattformen und Marinetankschiffen haben bisher zu erheblichen Verlusten geführt. Diese Projekte müssen mühsam und oftmals manuell in großen Zelten durchgeführt werden. Es gilt daher, die gewonnenen Erkenntnisse gezielt auf solche defizitären Projekte anzuwenden, um künftige Fehltritte zu vermeiden und den Kurs des Traditionsunternehmens nachhaltig zu sichern.

